Das Risiko einer Rezession in Deutschland ist laut einer aktuellen Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) gestiegen. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt nun 49,2 Prozent – ein Anstieg von 4,8 Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat.

Die IMK-Konjunkturampel bleibt auf Gelb-Rot, was eine „erhöhte konjunkturelle Unsicherheit“ signalisiert. Der Schwellenwert von 70 Prozent für eine akute Rezessionsgefahr wurde noch nicht erreicht.

 

Vielfältige Faktoren beeinflussen die Wirtschaftslage

Der deutschen Wirtschaft fehlt es weiter an Impulsen, um sich aus der Stagnation zu befreien“, erklärt IMK-Konjunkturexperte Peter Hohlfeld. Trotz positiver Signale bei Produktion und Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe bleibt die Nachfrage, besonders aus dem Ausland, zu schwach.

3 Monatsausblick für die deutsche Konjunktur
3 Monatsausblick für die deutsche Konjunktur © IMK-Institut

Mehrere Indikatoren tragen zur erhöhten Rezessionsgefahr bei. Der IMK-Finanzmarktstressindex stieg auf 24,3 Prozent, während die Unternehmensinsolvenzen ein Niveau wie zuletzt nach der Finanzkrise Ende der 2000er Jahre erreichten. Zudem trübte sich die globale Industriekonjunktur ein.

Gemischte Signale aus der Realwirtschaft

Die realwirtschaftlichen Frühindikatoren senden aktuell kein einheitliches Signal. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im zweiten Quartal um 0,1 Prozent, nach einem Wachstum von 0,2 Prozent im ersten Quartal.

Gleichzeitig sanken die deutschen Exporte, und die Exporterwartungen trübten sich weiter ein. Am Arbeitsmarkt zeigen sich erste Anzeichen einer Abkühlung: Der Bestand offener Stellen ist seit Jahresbeginn rückläufig.

Hoffnungsschimmer für die zweite Jahreshälfte

Trotz der aktuellen Lage sieht das Bundeswirtschaftsministerium Potenzial für eine Belebung in der zweiten Jahreshälfte. Gesunkene Inflationsraten bei gleichzeitigen Tariflohnsteigerungen könnten den privaten Konsum ankurbeln. Zudem deuten Expertenaussagen auf noch zwei mögliche Zinssenkungen der europäischen Zentralbank in diesem Jahr hin, was Investitionen beleben könnte.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt angespannt. Anleger und Finanzprofis sollten die Entwicklung in den kommenden Monaten genau beobachten.