Die Regierung von Friedrich Merz lanciert einen „Deutschlandfonds“, um bis zu 130 Milliarden Euro an privaten Investitionen für risikoreichere Projekte anzuziehen. Die Initiative soll die deutsche Wirtschaft durch gezielte Unterstützung von Infrastruktur, Startups und Mittelstand wiederbeleben.

Die staatliche Entwicklungsbank Kfw verankert den Fonds und stattet ihn mit 30 Milliarden Euro an Garantien und Gewährleistungen sowie 3,2 Milliarden Euro eigenen Mitteln aus. Neues Kapital fließt im Umfang von 600 Millionen Euro. Stefan Wintels, der Vorstandschef der Kfw, übernimmt die Leitung und koordiniert die nationale und internationale Investorenberatung.

Am Donnerstag stellten Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gemeinsam mit Wintels die Details des Fonds vor.

Drei zentrale Bausteine

Der Deutschlandfonds ist kein klassischer Investmentfonds, sondern eine Dachstruktur für verschiedene Zielgruppen. Er gliedert sich in drei zentrale Bausteine: „Start-ups and Scale-ups“, „Energieversorgungsunternehmen“ sowie „Industrie und Mittelstand“. Jeder Baustein nutzt unterschiedliche Finanzinstrumente, die in Abstimmung mit Banken und Investoren entwickelt wurden.

Im Bereich Startups bündelt der Fonds verschiedene Zukunftsfonds-Bausteine und stockt bestehende Programme auf. Kfw Capital investiert als Co-Investor mit privaten Fondsmanagern direkt in innovative Unternehmen aus Deeptech, KI, Biotechnologie, Klimatechnologie und Verteidigungstechnologie.

Für Energieversorgungsunternehmen – sowohl private als auch kommunale – bietet die Kfw Kredite für geothermische Tiefenbohrungen und zinsverbilligte Finanzierungen für Anlagen zur Erzeugung von Strom, Wärme und Kälte aus erneuerbaren Energien an.

Der Mittelstand und die Industrie erhalten Unterstützung durch Bankgarantien, Bürgschaften, Verbriefungen und Wagniskapitalfinanzierung. Das Absicherungsinstrument für Transformationsindustrien unterstützt Großinvestitionen etwa in Stromerzeugung, Wasserstoff, die Automobilindustrie und bei Zulieferern. Über den Rohstofffonds stellt die Kfw Eigenkapital-Beteiligungen und Kredite bereit, um Projekte zur Gewinnung kritischer Rohstoffe zu finanzieren – beispielsweise die Lithium-Gewinnung in Deutschland.

Stufenweiser Start ab Dezember 2025

Noch im Dezember 2025 starten die ersten drei Instrumente: das Absicherungsinstrument für Transformationsindustrien, ein Kreditprogramm für Geothermie-Projekte sowie ein neues Finanzierungsinstrument für Start-ups und Scale-ups. Zudem läuft bereits ein erstes Projekt im Bereich Rohstoffe an.

Ab 2026 folgen sukzessive weitere Maßnahmen. Dazu gehören Instrumente zur Modernisierung der Energieinfrastruktur, neue private Kreditfonds für Start-ups sowie das sogenannte Wachstums- und Innovationskapital, durch das der Zukunftsfonds aufgestockt wird. Auch die Wagnisfinanzierung für innovative Start-ups und Scale-ups der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie soll verstärkt werden. Im Bereich Verbriefungen wird ein weiteres Instrument zur Vertiefung des Kapitalmarktzugangs eingerichtet.

Langfristig plant die Bundesregierung gemeinsam mit der Kfw auch ein Modul für bezahlbaren und nachhaltigen Wohnungsbau unter dem Dach des Deutschlandfonds zu entwickeln.

Dritte große Investitionsreform

Der Deutschlandfonds ist bereits die dritte große Reform der Bundesregierung zur Stärkung der Investitionen in Deutschland. Nach dem neuen Infrastruktur-Sondervermögen und den großzügigen Abschreibungsregeln setzt die Regierung nun gezielt auf die Mobilisierung privaten Kapitals.

Die staatlichen Mittel verstehen sich als temporäre Anschubfinanzierung. Die Regierung will die Wirksamkeit der Instrumente evaluieren und den Fonds stetig markt- und bedarfsgerecht weiterentwickeln. Die Gesamtkoordination liegt beim Bundesfinanzministerium und beim Bundeswirtschaftsministerium, während die Kfw die Umsetzung übernimmt und im Dialog mit der Real- und Finanzwirtschaft neue Finanzierungsinstrumente entwickelt.