Bernd Hashemian, Kroos Vermögensverwaltungs AG

Bernd Hashemian, Kroos Vermögensverwaltungs AG

Deutschlands fette Euro-Rente

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Kaufleute sollen besonders gut klagen können, heißt es. Sie sollen das auch dann tun, wenn eigentlich kein Grund dafür vorhanden ist. Die Deutschen sind kein Volk von Krämern, klagen aber trotzdem ungewöhnlich gut. Jüngstes Beispiel ist die Euro-Krise. Folgt man dem Medientenor, dann könnte man meinen, dass der fallende Euro die Deutschen geradewegs in die Armut treibt.

Gewinner Deutschland

Das Gegenteil ist der Fall: Die Deutschen - zumindest der Staat und die Anleger - gehören bislang zu den größten Gewinnern der Euro-Krise. Beispiel Bundeshaushalt: Auf seiner Habenseite häufen sich milliardenschwere Krisen-Gewinne an. Weil wirklich sichere Anleihen knapp geworden sind, sind die deutschen Papiere so gesucht wie noch nie. Das heißt, Deutschland kann sich billigst verschulden. Zuletzt musste der Bund nur noch 2,5 Prozent Zinsen für zehnjährige Schulden zahlen. Anders ausgedrückt nimmt Schäuble gemessen an den Verhältnissen zu Jahresanfang für jede nominelle 100-Milliarden-Euro-Anleihe etwa 4 Milliarden Euro mehr ein.

Entlastung für Schäuble

Bei den 37 Milliarden Euro an neuen Anleihen, die im Mai und Juni ausgegeben wurden, macht der Krisen-Gewinn 1,5 Milliarden Euro aus. Im zweiten Halbjahr wird die Schuldenagentur nochmals 170 Milliarden Euro am Markt platzieren. Das dürfte nach vorsichtigen Schätzungen mindestens noch einmal drei bis vier Milliarden Euro bringen. Okay, der Risikoschirm von 150 Milliarden Euro, für den Deutschland gerade steht, kann noch teurer werden. Bislang aber klingelt‘s im Säckchen von Finanzminister Schäuble.
Insgesamt laufen deutsche Staatsanleihen im Nennwert von 1,056 Billionen Euro um (Geldmarktpapiere und Länderanleihen sind außen vor). Die Buchgewinne dieser Papiere seit dem Ausbruch der Euro-Krise - es handelt sich um schätzungsweise 40 Milliarden Euro - verzeichnen Investmentfonds, Pensionskassen und – natürlich – Private. Es stimmt, viele dieser Anleihen werden ohnehin bis zur Endfälligkeit gehalten, aber es ist auch nicht verboten, einen Teil der Gewinne jetzt mal mit zu nehmen.

Niedriger Euro stützt Exportaktien


Auch Besitzer deutscher Aktien können sich nicht beklagen. Der niedrige Euro tut exportorientierten Nationen besonders gut: Die deutschen Champions werden in den nächsten Jahren ihren Konkurrenten in Asien und den USA das Fürchten lehren. Die jüngsten Ausblicke einiger Dax-Schwergewichte lassen erahnen, was die Konkurrenz im Ausland erwartet. Von den steigenden Kursen der Dax-Werte sollten deutsche Anleger besonders profitieren.

Den stärksten Effekt dürfte aber der Vermögenseffekt eines sinkenden Euro ausmachen. Das Netto-Auslandsvermögen der Deutschen betrug 2008 nach Zahlen der Bundesbank 665 Milliarden Euro. Ein Großteil davon dürfte in Nicht-Euro-Währungen denominiert sein. Der Wechselkursgewinn seit Jahresanfang beläuft sich bis jetzt auf ungefähr 100 Milliarden Euro. Wenn der Euro von heute an noch um weitere 10 Cent sinkt, dann kommen noch einmal etwa 60 Milliarden Euro hinzu.

Damit man mich nicht falsch versteht: Die Krise bleibt auch für die Deutschen bedrohlich. Es können Strudel entstehen, die vieles in die Tiefe reißen, was wir derzeit für unsinkbar halten. Und das endgültige Ende des Euros wäre eine besondere Katastrophe für uns. Aber das ausgerechnet Deutschland die Klageseite anführt, verwundert doch. Zum Autor: Bernd Hashemian ist Vorstand der Kroos Vermögensverwaltungs AG in Münster und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de. In DAS INVESTMENT.com äußern sich renommierte Vermögensverwalter in regelmäßigen Kolumnen zu aktuellen Finanz- und Kapitalanlagethemen.

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