Themen-Experte
Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

Themen-Experte
Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

Skyline von Ottawa: Währungen der Industrieländer wie die von Australien, Kanada und Norwegen dürften von der Dollarabwertung profitieren.  | © imago images / All Canada Photos Foto: imago images / All Canada Photos

Devisenmarkt

Dollarschwäche bis Jahresmitte 2024 zu erwarten

Über fast ein Jahrzehnt hat sich der Aufwertungszyklus des US-Dollars erstreckt. Die Dominanz des US-Dollars scheint nun allerdings durch die Covid-19-Pandemie ausgehebelt worden zu sein. Die Aussichten sind jedoch nuanciert zu betrachten: Gegenüber den Währungen der etablierten Märkte (G-10) und der Schwellenländer hat sich der Greenback in den vergangenen Monaten unterschiedlich entwickelt.

Wertete der US-Dollar zu Beginn der Pandemie aufgrund seiner historischen Rolle als ultimativer Sicherer Hafen auf, dürften jetzt Verzerrungen nach unten eintreten: Das außergewöhnliche Maß an fiskalpolitischer Unterstützung seitens der US-Regierung, die Ankündigung der US-Notenbank, frühere Unterschreitungen der Inflationsziele kompensieren zu wollen, und die schwächelnde, ungleichmäßige Erholung der Vereinigten Staaten setzen den US-Dollar unter Druck.

Fed-Politik weicht den US-Dollar auf

Die aggressive geldpolitische Reaktion der US-Notenbank hat den über einen mehrjährigen Zinserhöhungszyklus aufgebauten Renditevorteil des US-Dollars zunichtegemacht. Unseres Erachtens ist es unwahrscheinlich, dass dieser Vorteil in absehbarer Zeit wiederhergestellt werden kann. Wir gehen davon aus, dass die Politik der Federal Reserve (Fed) so lange akkommodierend bleiben wird, wie es dauert, um die Inflation im längerfristigen Durchschnitt wieder auf den Zielwert zu bringen. Angesichts unserer Erwartung, dass die Vollbeschäftigung nicht vor Jahresmitte 2024 zurückkehrt, dürfte die Fed auf den Kurs einer mehrjährigen Periode sehr niedriger Leitzinsen und Anlagenkäufe gezwungen werden.

Im Fall eines erneuten negativen Schocks für die Weltwirtschaft könnten niedrige Anleiherenditen zusätzlich den langjährigen Status des US-Dollars als sichere Anlage schwächen.

Abwärtsbewegung könnte begrenzt sein

Die nur temporär anhaltende Dauer des Pandemieschocks könnte jedoch einen Boden unter den abwertenden Greenback einziehen. In früheren Abwertungszyklen hat sich gezeigt, dass der reale handelsgewichtete Dollarwert im Vergleich zum gegenwärtigen Niveau lediglich um etwa 15 bis 20 Prozent gefallen ist. Und selbst dann wäre der Dollar nach unseren Schätzungen immer noch nur geringfügig unterbewertet. Historisch gesehen hat der Wert des US-Dollars gerade aus tiefen Rezessionen heraus am schnellsten zugenommen. Und: Abwertungen sind nichts Außergewöhnliches: Zwischen den Jahren 2003 und 2018 kam es insgesamt fünfmal zu jährlichen Abwertungen von 8 bis 10 Prozent.

Dollarabwertung befeuert Alternativwährungen

Die relative Stärke von Alternativwährungen wird wahrscheinlich von einer Reihe wirtschaftlicher Variablen abhängen:

Euro: Jeder Rückgang des US-Dollars auf breiter Basis wird höchstwahrscheinlich zu einer Aufwertung des Euro führen. Wir erwarten, dass die jüngste Einigung des Europäischen Rates über den EU-Konjunkturfonds in Verbindung mit dem robusten Pandemie-Notkaufprogramm der Europäischen Zentralbank die Attraktivität des Euro als Alternative zum US-Dollar erhöht. Sahen sich die Anleger an den europäischen Anleihemärkten in den vergangenen Jahren wiederholt Stress ausgesetzt, weil die Sorge vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone zunahm, dürfte der EU-Konjunkturfonds fiskalische Transfers innerhalb der Eurozone ermöglichen: Damit wird das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone verringert.

Yen: Aufgrund des Status Japans als weltweit größter ausländischer Gläubiger tendiert der Yen in Zeiten starken Wirtschaftswachstums und steigender Risikobereitschaft zu einer Abschwächung. Im Vergleich zu anderen Währungen reagiert die japanische Währung jedoch auch sehr sensibel auf Veränderungen der relativen Realrenditen in den USA. Der derzeitige Rückgang der US-Realrenditen auf Rekordtiefs hat dem Yen ermöglicht, am breiten Ausverkauf des US-Dollars zu partizipieren. Wir sehen Anzeichen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, wenn die US-Notenbank die Zinsen lange genug niedrig hält und sich zu einer gewissen Überschreitung ihres Inflationsziels verpflichtet.

Weitere Industrieländer: Währungen der Industrieländer wie die von Australien, Kanada und Norwegen dürften ebenfalls von der Dollarabwertung profitieren. Bisher hatten alle diese Länder gute Erfolge bei der Eindämmung von Covid-19. Diese Volkswirtschaften befinden sich damit in einer günstigen Position, um an einer Erholung des globalen Wachstums teilzuhaben, wenn sich die Nachfrage nach ihren Rohstoffen verbessert. Obwohl die Zentralbanken der genannten Länder die Leitzinsen aggressiv gesenkt haben, nehmen sie davon Abstand, die Zinsen in den negativen Bereich zu drücken. Darüber hinaus verfügen all diese Volkswirtschaften über gute Bedingungen, um ihre Fiskalpolitik auszuweiten und das Wirtschaftswachstum vor Ort zu stimulieren.

China und Südkorea dürften profitieren

Schwellenmärkte: In den Schwellenländern müssen Anleger genau hinsehen. Eine dauerhaft wirksame Viruseindämmung und die Fähigkeit zu einer extrem lockeren Geldpolitik werden hier entscheidende Variablen bei der Bestimmung von Gewinnern und Verlierern sein.

Nach dem Erfolg der nordasiatischen Region bei der Eindämmung der Pandemie erwarten wir, dass die Währungen Chinesischer Yuan (Renminbi) und Südkoreanischer Won von der wirtschaftlichen Erholung und der Rückkehr robuster Technologieexporte profitieren werden.

Trotz der Vorteile, die allen Volkswirtschaften aus der akkommodierenden Fed-Politik erwachsen, gehen wir davon aus, dass sich einzelne Schwellenmarkt-Währungen in Lateinamerika, Europa und Afrika nur langsam erholen können: Das Virus wird hier weniger wirksam bekämpft, die fiskalpolitischen Puffer sind begrenzt und die volkwirtschaftlichen Ausgangsbedingungen schwächeln. Erst nach einer sich ausweitenden globalen Erholung und der Bereitstellung von Impfstoffen dürften die Währungen dieser Schwellenländer aufwerten.

Mehr zum Thema