Devisenmarkt-Investments „Tauziehen um den Dollar ist noch nicht vorbei“

US-Dollar: Eine Währungseinheit der Vereinigten Staaten ist aktuell 0,87 Eurocent wert. Das entspricht einem Kurs von knapp 1,15 US-Dollar pro Euro.  | © Burst

US-Dollar: Eine Währungseinheit der Vereinigten Staaten ist aktuell 0,87 Eurocent wert. Das entspricht einem Kurs von knapp 1,15 US-Dollar pro Euro. Foto: Burst

ARTIKEL-INHALT 

Seit 2014 führen die Anleiheverkäufe der US-Notenbank, so genanntes Tapering, und steigende US-Zinsen zu einer Verknappung der Dollar-Liquidität an den internationalen Finanzmärkten und einem stärkeren US-Dollar. Seit den Höchstkursen von knapp 1,40 US-Dollar pro Euro hatte sich der Wechselkurs in den Jahren 2015 und 2016 der Parität angenähert.

Die 2017 eingeleitete Gegenbewegung führte zu einer erneuten Abschwächung des Greenbacks bis 1,25 und fand diesen März ein vorläufiges Ende. Wie es vom derzeitigen Kurs um 1,16 weitergeht, wird von vielen gegensätzlichen Faktoren beeinflusst.

Kai Heinrich, Plutos Vermögensverwaltung

Es spricht grundsätzlich viel für einen weiterhin starken Dollar. Ab Oktober entzieht die Notenbank dem Markt monatlich 50 Milliarden US-Dollar über den Abbau so genannter Treasury Securities und Agency Securities, die sie seit 2009 im Zuge des Quantitative Easing (QE) angekauft hatte. In den Vormonaten standen noch 40 Milliarden auf der Agenda der Fed, sie strafft mit dem Schritt die Geldpolitik weiter und sorgt für eine Verknappung der Dollar-Liquidität.

Auch vom internationalen Devisenmarkt dürfte weiter Unterstützung für einen starken Greenback kommen: Die Auslandsverschuldung in US-Dollar hatte sich in der Niedrigzinsphase stark ausgeweitet. Die gestiegenen US-Zinsen zwingen nun immer mehr Schuldner, ihre Kredite durch Dollar-Rückkäufe zu reduzieren, damit ihre Zinsbelastung zu vermindern und weiteren Zinserhöhungen und vor allem dem Szenario eines weiter steigenden Dollars zuvorzukommen.

Dollar-Rückholung aus dem Ausland

Diesen Aktivitäten wirkt derzeit aber noch die Rückholung von US-Dollars aus dem Ausland entgegen, die in den letzten Monaten wesentlich zur Entspannung bei der Dollar-Liquidität und folglich der Abschwächung des Dollarkurses beigetragen haben dürften.

Diese gehen auf das Konto von Liquiditätsrückflüssen in die USA, zum einen durch die Rückholung von Milliardenvermögen der US-Unternehmen, eingeleitet durch die Steueramnestie aus den Steueroasen, und zum anderen durch die Rückflüsse von Investitionsvermögen aus den vom starken Dollar konjunkturell ausgebremsten Schwellenländern, die in den letzten Monaten mit verstärkten Abverkauf von Aktien und Anleihen zu kämpfen hatten.

Technische Kaufsignale für den Euro

Das Tauziehen dürfte noch nicht vorbei sein. Trotz des aus Kaufkraftsicht überbewerteten US-Dollars sowie technischer Kaufsignale für den Euro ist es noch zu früh für eine langfristige Positionierung. Da aus Europa derzeit noch wenige Signale für einen europäischen Wirtschaftsaufschwung kommen, dürfte die weitere Dollar-Entwicklung nach wie vor entscheidend an der amerikanischen Notenbank hängen.

Doch deren Weg ist alles andere als klar vorgezeichnet. Auf den ersten Blick ist an den amerikanischen Finanzmärkten alles in bester Ordnung. Die Bereitschaft der Banken, Kredite zu vergeben ist bisher nicht zurückgegangen und die Zins-Spreads zwischen Anleihen guter und schlechter Bonität so niedrig wie zuletzt vor der Finanzkrise 2007. Die Auswirkungen der Verknappung auf den US-Finanzmarkt scheint noch nicht angekommen zu sein und der Kreditmarkt noch nicht unter Liquiditätsproblemen zu leiden.

Auch am Aktienmarkt ist von Bremsspuren noch keine Spur, die Kurse an der Wall Street zeugen von einer scheinbar robusten US-Wirtschaft. Nicht zuletzt Trumps Kurs im Handelskonflikt unterstreicht das Bild einer überlegenen US-Wirtschaft und lässt kaum Fantasien auf eine baldige Angleichung der Zinsniveaus zwischen USA und Europa und damit dauerhafte Euro-Stärke aufkommen.