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Morningstar-Chefanalyst Ali Masarwah (links) und Greiff-Chef Volker Schilling | © Morningstar, Greiff Capital Management Foto: Morningstar, Greiff Capital Management

Erfolgreiche Vorsorge oder Bevormundung

Beseitigt ein Bürgerfonds unser Rentenproblem?

Pro: Wider die Besitzstandswahrer!

Vorweg ein grundsätzlicher Hinweis: Die Fonds- und die Versicherungsbranche haben kein verbrieftes Recht darauf, bei jeder Form der Altersvorsorge in Deutschland mitzumischen. Zu den Kernaufgaben des Sozialstaats gehört es, für das Wohlergehen seiner Bürger zu sorgen. Es gehört nicht zur Fürsorgepflicht des Staats, die Finanzindustrie und die ihr nachgelagerten Vertriebsgesellschaften durchzufüttern.

Ali Masarwah, Chefanalyst von Morningstar Deutschland
Foto: Frank Beer

Diese Vorbemerkung ist wichtig, weil sie in der aktuellen Debatte über die Einführung eines staatlich verwalteten, kapitalmarktbasierten Bürgerfonds hilft, den richtigen Rahmen zu setzen. Der Bürger, und zwar nur der Bürger, steht im Mittelpunkt der dringend benötigten staatlichen Rentenlösung. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass nicht nur die Konstruktionsfehler zum Scheitern der Riester-Rente geführt haben, sondern auch die vollkommen überzogenen Kosten vor allem der Versicherungsprodukte.

Jetzt, wo wir das Geschrei der Lobby-Organisationen als das entlarvt haben, was es ist, nämlich als das Getöse von Besitzstandswahrern, wollen wir kurz auf die Vorteile eines Bürgerfonds eingehen. Der Bürgerfonds wäre ein Standardprodukt für jedermann. Seine Merkmale: Er enthält keine kostspieligen Garantien. Er legt weltweit und diversifiziert in Aktien an. Um Verluste vor der Verrentung zu vermeiden, enthält der Bürgerfonds einen Ablaufmechanismus, der eine sukzessive Umschichtung in risikoärmere Instrumente vorsieht.

Kernbestandteil des Bürgerfonds sind äußerst niedrige Kosten, was die Verwaltung durch den Staat, der keine Gewinnabsichten verfolgt, ermöglicht. Eine Orientierung an den Kosten der schwedischen Fondszusatzrente AP7 bietet sich hier an. Mit dem Mandat könnte die Bundesbank betraut werden, die – eine weitgehend unbekannte Tatsache – bereits heute Portfoliomanagement-Dienstleistungen anbietet.

Es wäre aber auch denkbar, ähnlich wie im Modell der schwedischen AP7, eine Abteilung im Finanzministerium damit zu betrauen. In diesem Zusammenhang sei der Hinweis erlaubt, dass die Unterstellungen der Finanzindustrie, eine staatliche Verwaltung würde dem Missbrauch der Gelder durch die Politik Tor und Tür öffnen, ein unsägliches Staatsverständnis offenbaren. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Rechtsstaat und keine Bananenrepublik!

Alle Arbeitnehmer zur Einzahlung in den Bürgerfonds zu verpflichten wäre wünschenswert, weil es den Verwaltungsaufwand minimierte. Eine Opting-out-Lösung wäre aber ebenfalls denkbar. Wie übrigens auch eine Wettbewerbskonstellation. Der Bürgerfonds könnte die Standardlösung sein, sollten sich die Teilnehmer nicht für eine private Fondslösung entscheiden. Dann gilt das Motto: Möge der billigere Fonds gewinnen!

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