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 Ali Masarwah ist seit 2011 als Chefredakteur für alle deutschsprachigen Websites von Morningstar verantwortlich. Zuvor war er ab 2003 beim Portfolio Verlag, zunächst als Chefredakteur von „Portfolio International“, später auch als Redaktionsleiter.

Ali Masarwah von Morningstar „Aktive Manager sind nicht immer die erfolgreichsten“

DAS INVESTMENT: Ist das Geschäft im Jahr 2018 wirklich schwach gelaufen, oder sollte man nicht froh sein, dass es überhaupt noch Zuflüsse gab?

Ali Masarwah: Aus Perspektive der Fondsbranche in Europa ist das Geschäft mit Publikumsfonds nicht gut gelaufen. Da gibt es nichts zu beschönigen: Rentenfonds hatten Abflüsse wie auch alternative Fonds. Die Zuflüsse in Aktienfonds waren auf den ersten Blick ordentlich, aber von den rund 75 Milliarden Euro an Neugeschäft flossen zwei Drittel in Indexfonds. Bei Mischfonds war es nur dem sehr starken Januar zu verdanken, dass unter dem Strich Zuflüsse da waren; im vierten Quartal war es dann überall tiefrot. Aber ich kann die Skepsis aus Ihrer Frage raushören und auch nachvollziehen: Die Asset-Basis ist 2018 weitgehend stabil geblieben, und, wie Sie wissen, ist das verwaltete Vermögen die entscheidende Größe, wenn es um die Erträge der Asset Manager geht. Da ist die Branche also mit einem blauen Auge davongekommen.

Gab es 2018 einen dominierenden Trend in der Fondsbranche?

Es ist fast schon überflüssig, auf das immerfort wachsende Indexfondsgeschäft hinzuweisen. Dieser Trend ist seit über zehn Jahren ungebrochen und hat sich fortgesetzt. Sehr interessant ist, dass im vergangenen Jahr das Wachstum bei Renten-Indexfonds überdurchschnittlich hoch ausgefallen ist. Gerade in den klassischen Kategorien wie Staatsanleihefonds, die in Niedrigzinsregionen investieren, ist der Trend sehr ausgeprägt. Was für 2018 auch hervorzuheben ist, ist das Wachstum im ESG-Bereich. Während es bei konventionellen Fonds bei der Nachfrage eher schleppend bis schwach war, haben ESG-Fonds deutlich wachsen können, vor allem übrigens im Indexbereich. Bei Mischfonds und alternativen Fonds, die im vierten Quartal hohe Abflüsse haben und offenbar auch nicht gut ins neue Jahr gekommen sind, von einem Trendbruch zu sprechen, ist mir aber noch zu früh.

Man sagt ja immer, dass Index-Schmuser Probleme durch ETFs bekommen. War das 2018 zu beobachten, oder hat es auch echt aktive Manager getroffen?

Nein, das lässt sich so nicht sagen. Der Fondsvertrieb in Europa, und übrigens auch in Deutschland, widersetzt sich unverändert den Regeln der Marktwirtschaft. Ein wachsendes Angebot an vielen schwachen Fonds, unter ihnen vermutlich viele Index-Schmuser, hält sich stabil, und das bei unwesentlich sinkenden Kosten. ETFs werden in vielen Vertriebskanälen gar nicht erst angeboten, und in diesen Nischen gedeihen auch mediokre Fonds. Echte aktive Manager, wie Sie es nennen, sammeln viel Geld ein, wenn sie erfolgreich sind, aber wenn sie nicht erfolgreich sind, werden sie abgestraft, weil dann die Underperformance in der Regel besonders stark ausfällt. Die aktivsten Manager sind nun einmal nicht immer die erfolgreichsten.

Und wieder mal fahren ETFs viel Geld ein, aktiv gemanagte Fonds nicht so. Wird sich das 2019 wiederholen?

Der Trend ist ungebrochen, und es gibt keine Prophezeiung, dass sich das ändern wird. Immer mehr Anleger erkennen, dass die meisten ETFs gegenüber aktiv verwalteten Fonds einfach klare Vorteile haben: Sie sind breit diversifiziert, günstig, und ihre Portfolios sind stabil.

Sind Mischfonds der Stein der Weisen, der die aktiven Manager retten kann?

Viele Mischfonds sind gegenüber gemischten Indizes nicht konkurrenzfähig. Weil ETF-Anbieter aber offenbar die Konkurrenz im Bereich der Mischfonds scheuen – schließlich sind aktive Manager sehr gute Kunden von Indexfondsanbietern –, ist das Angebot an gemischten ETFs begrenzt. Für die Indexfreunde unter den Do-it-yourself-Anlegern sind also Aktien- und Renten-ETFs nach wie vor die Bausteine der Wahl.

Eigentlich hatten aktive Manager 2018 die ideale Gelegenheit, sich zu beweisen. Warum haben sie sie nicht genutzt?

Einige waren schon erfolgreich, en gros waren sie es indes nicht. Aus Ihrer Frage höre ich heraus, dass Sie und viele Anleger auch erwarten, dass aktiv verwaltete Fonds in der Baisse besser performen als Indexfonds beziehungsweise Indizes als in der Hausse. Aber das ist ein Irrglaube, den die aktiven Manager auch gerne verbreiten. Wenn man unterstellt, dass die Masse der aktiven Fondsmanager den Markt repräsentiert, dann wird sie im Schnitt eine Marktperformance minus Kosten abliefern. In der Hausse wie in der Baisse.

Ist der Trend zur Nachhaltigkeit nur ein Mittel, mit dem Fondsgesellschaften ihren Vertrieb aufbügeln wollen?

Es gibt Anbieter, die Greenwashing betreiben, und es gibt Anbieter, die das Thema ESG ernst nehmen. Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage mag heute ein Trend sein, aber bei jedem Trend gibt es Überzeugungsarbeiter und Trittbrettfahrer. Aber das ändert nichts daran, dass ESG als Thema da ist, um zu bleiben. Und es ist zu hoffen, dass sich die Spreu vom Weizen trennen wird. Nicht heute, vermutlich auch nicht morgen oder übermorgen, aber vielleicht übernächste Woche.

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