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Managt den Aktienfonds Magna Mena: Stefan Böttcher  | © Fiera

Exoten-Porträt Anlagen jenseits von Erdöl

Was Fondsmanager Stefan Böttcher von Fiera Capital von seinen Besuchen in Saudi-Arabien berichtet, klingt nach Fortschritt: Frauen dürfen dort seit diesem Sommer Auto fahren. Die Kinos öffnen nach 35 Jahren wieder. Saudi-Arabien lockert aber nicht nur seine starre Gesellschaftsordnung, sondern ist auch auf dem Weg, seine erdöllastige Wirtschaft umzubauen.

Der 33-jährige Kronprinz Mohammed bin Salman, kurz MBS genannt, verspricht, Saudi-Arabien zu modernisieren. Er ist allerdings kein Staatschef, wie ihn klassische Industrieländer bevorzugt an der Spitze eines Staates sehen. Das Machtgefüge innerhalb des Königshauses Saud, das seit 1932 das Land regiert, ist von außen recht schwer zu durchschauen. Auf ausländische Kritik reagiert der Kronprinz allergisch. Zudem hat MBS seine Politik eng an die strategische Partnerschaft mit den USA geknüpft. Der Pakt funktioniert einstweilen gut, US-Präsident Donald Trump verfolgt einen pro-saudischen Kurs. Allerdings räumt Fondsmanager Böttcher ein: Was nach einem Abgang von MBS passiert, könne er nicht erahnen.

Ein Umstand macht das Land aus Böttchers Investoren-Blickwinkel aktuell besonders spannend: Saudi-Arabien steht neben Argentinien auf der Liste der Länder, denen der Index-Anbieter MSCI den Ritterschlag als Schwellenland verpassen will. Das soll in zwei Schritten geschehen: Die ersten 50 Prozent saudischer Aktien sollen 2019 im Mai, die restlichen im August in die MSCI-Schwellenländer-Indizes Einzug halten. Rund 2,6 Prozent Gewicht werde das Land dann im MSCI Emerging Markets haben, glaubt Böttcher.

Der Schwellenländer-Spezialist rechnet neben internationaler Aufmerksamkeit für das Land auch mit starkem Rückenwind durch viele börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs), die 2019 ihre Portfolios anpassen müssen. Bis zu 50 Milliarden US-Dollar Anlegergeld könne das in den kommenden zwölf Monaten ins Land spülen.

Böttchers Arbeitgeber Fiera Capital hat auch das passende Produkt zur Party am Start, und das nicht erst seit der MSCI-Entscheidung. Der Magna Mena existiert seit 2011, damals noch von der britischen Gesellschaft Charlemagne Capital verwaltet, bevor es zur Fusion mit Fiera kam. Wobei die Abkürzung Mena für „Middle East North Africa“ steht. Der Fonds investierte Ende August zu 58 Prozent in Saudi-Arabien. Dabei lässt er das saudische Ur-Asset Erdöl links liegen: Energieunternehmen kommen nicht ins Portfolio. Stattdessen finden Unternehmen aus Finanz- und Immobilienwirtschaft, Tourismus und Gesundheitssektor ihren Platz.

Vor allem durch die Suche auch fernab von Indizes lasse sich in den Ländern der Mena-Region für Anleger Mehrwert erzielen, glaubt Böttcher. Ihn freut auch, dass sich erst wenige internationale Investoren in der Region tummeln. Im Fonds enthalten sind zudem Titel aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Kuwait, Ägypten und Bahrain. Die beiden erstgenannten haben nach Saudi-Arabien das größte Gewicht im Portfolio.

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