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Nils Lesser (Convex Experts), Helmut Kotschwar (EB - Sustainable IM), Jan Amrit Poser (Bank J. Safra Sarasin), Oliver Lepold (DAS INVESTMENT), Christoph Klein (ESG Portfolio Management) und Berhard Matthes (Bank für Kirche und Caritas), v. li. | © Piotr Banczerowski Foto: Piotr Banczerowski

Diskussionsrunde

„Zu einem echten Paradigmenwechsel fehlt noch einiges“

DAS INVESTMENT: Nachhaltige Investmentprozesse mit ESG-Fokus sind das Thema des Jahres 2019 gewesen. Wo ist diese Entwicklung einzuordnen?

Helmut Kotschwar: Der liberale Individualismus, den wir bis Anfang der 2000er Jahre gesehen haben, hat an den Kapitalmärkten zu Problemen geführt. Teile der Gesellschaft fürchten aufgrund des Klimawandels um ihre Zukunft und wollen in die Ausgestaltung der Eigentumsrechte eingreifen. Dazu wird ein nachhaltiges Investmentangebot benötigt. Das ist sicher keine Modeerscheinung, sondern ein Instrumentarium, um auf den Kapitalmärkten genau diesen gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben.

Jan Amrit Poser ist Managing Director von Bank J. Safra Sarasin, Zürich
Foto: Piotr Banczerowski

Jan Amrit Poser: Es erscheint vielleicht als Mode, weil durch die Aktivität von Greta Thunberg und „Fridays for Future“ das Thema in der breiten Masse angekommen ist. Aber eigentlich war das Bretton Woods der Nachhaltigkeit schon 2015, als einerseits der Pariser Vertrag und andererseits die Sustainable Development Goals (SDG) auf die globale politische Agenda gesetzt wurden. Wir setzen seit 30 Jahren auf nachhaltige Geldanlagen, aber es braucht den Mainstream. Alle Gesellschaftsbereiche müssen einbezogen sein, das ist ja die Idee des EU-Aktionsplans, über den Hebel der Finanzen das Ruder herumzureißen.

Bernhard Matthes: Teilweise sehe ich aber auch die Gefahr eines Hypes und zyklischer Übertreibung. Dadurch, dass sich nun jeder in Nachhaltigkeit versucht, entwertet sich das Thema leider ein Stück weit selbst. Das ist problematisch. Welchen Wert hat eine Nachhaltigkeit, die nicht aus entsprechender Überzeugung passiert? Einige Trittbrettfahrer überschätzen sicherlich auch das Marktpotenzial. Sie werden mit enttäuschten Erwartungen leben müssen.

Nils Lesser: Was mir zum Paradigmenwechsel noch fehlt, ist die innere Überzeugung. Wenn wir heute mit institutionellen Investoren über nachhaltiges Investieren sprechen, dann ist häufig irgendein Zwang dabei: Mal sind es die Anteilseigner, mal die Endinvestoren oder auch die Regulatorik. Von einer Modeerscheinung, die mit der Zeit wieder verschwindet, sollte aber keiner mehr wirklich ausgehen. Wir sind definitiv der Meinung, dass es sich um eine Entwicklung handelt, die nach und nach zum Standard werden und dann zu einem Paradigmenwechsel führen kann.

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