Cyber-Policen für Privatleute sind ein relativ neues Produkt. Die ersten eigenständigen privaten Cyber-Versicherungen kamen 2014 auf den Markt. Davor mussten Verbraucher, die sich gegen Cyber-Angriffe absichern wollten, auf zusätzliche Cyber-Bausteine bei ihrer privaten Haftpflicht-, Rechtsschutz- oder Hausrat-Versicherungen zurückgreifen. Vor zwei Jahren konnten Interessenten, die sich privat vor den Folgen von Phishing, Daten- und Identitätsdiebstahl, Verlust bei Onlineshopping oder Cyber-Mobbing absichern wollten, laut Franke und Bornberg zwischen 19 Tarifen von 17 Gesellschaften wählen.
Das Analysehaus führte 2021 sein erstes Rating durch, bei dem es nicht um gewerbliche, sondern um private Cyberschutz-Policen ging. Damals stellten die Analysten den meisten Produkten kein besonders gutes Zeugnis aus: Vier der 19 untersuchten Cyber-Policen bezeichneten sie sogar als „ungenügend“. Kein Tarif bekam die Höchstnote FFF+ (hervorragend), nur eins stuften die Forscher als „sehr gut“ (FFF) ein.
Hat sich mittlerweile etwas zum Besseren verändert? Dieser Frage gingen die Franke-und-Bornberg-Forscher nun in der zweiten Auflage ihrer Studie nach. Das Ergebnis sieht wieder ernüchternd aus. „Viele namhafte Gesellschaften fehlen noch immer als Anbieter“, heißt es von Franke und Bornberg. Gerade einmal 14 Versicherer teilen sich den Markt. Sie bieten insgesamt 20 Tarife für Verbraucher an – das ist gerade einmal ein Tarif mehr als im Vorjahr.
Mehrere Versicherer haben sich verabschiedet
„Seit dem ersten Cyber-Rating 2021 haben sich mehrere Versicherer vom Geschäftsfeld verabschiedet, darunter auch der ehemalige Spitzenreiter ÖSA Öffentliche Versicherungen Sachsen-Anhalt“, so die Studienautoren weiter. In Zukunft vermitteln die ÖSA keine eigenen Cybertarife mehr, sondern Produkte ihrer Konzernmutter VGH. Neu hinzugekommen sei aktuell die WGV, die die Forscher mit gut (FF+) bewerten.
Wie beim Erstrating 2021 bewertet Franke und Bornberg zwölf Kategorien mit insgesamt 68 Kriterien. Je nach Stellenwert variiert die maximale Punktzahl. Die meisten Punkte gibt es in den Kategorien Konto-/Daten-/Identitätsmissbrauch, Daten- und Geräterettung nach Cyber-Attacken sowie Verlust bei Interneteinkäufen.
Zusätzlich greifen in den höchsten Ratingklassen sogenannte Mindeststandards. Zu den Standards für die Note FFF (sehr gut) zählt etwa Versicherungsschutz für Zahlungskarten und Konten bei Pharming, Phishing und Skimming.
Kein einziger Tarif ist „sehr gut“
Das Ergebnis: Nach dem Ausscheiden des ÖSA-Spitzenreiters bekommt kein einziger Tarif die Note sehr gut. „Insgesamt haben in den vergangenen zwei Jahren nur wenige Versicherer die Qualität ihrer Tarife verbessert“, berichten die Analysten. Eine Ausnahme sei die VGH. Dank einem deutlichen Qualitätsschub erreiche sie mit der Kombination von Cyber-Schutz und Cyber Rechtsschutz mit 1,6 (gut – FF+) die höchste Bewertung aller Anbieter. „Für ein „sehr gut“ (FFF) reicht es trotzdem nicht, weil die VGH einen Mindeststandard nicht erfüllt hat“, heißt es von Franke und Bornberg.
Die Inter belegt jetzt den zweiten Platz (FF+, 1,9), gefolgt von der Öffentlichen Braunschweig ÖVB (FF+, 2,1).
Die besten Cyber-Tarife
Insgesamt zeichnete Franke und Bornberg folgende zehn Tarife von sieben Versicherer mit FF+ (gut) aus:
- Arag: web@ktiv Premium
- Arag: web@ktiv Komfort
- Bavaria Direkt: Sorglos Online
- Inter: CyberGuard
- Öffentliche Versicherung Braunschweig: Digitalschutz, Drittschadendeckung
- Öffentliche Versicherung Braunschweig: Digitalschutz
- SV Sparkassenversicherung: SV Internet-Schutz
- VGH: Cyber-Schutz, Cyber Rechtsschutz
- VGH: Cyber-Schutz
- WGV: Cyberversicherung
Wie auch 2021, stehen vier Tarife mit der Note „ungenügend“ (F-) da. „Für schlechtes Abschneiden sorgen vorrangig Schwächen bei der Cyber-Haftpflicht (Urheberrecht, Vertraulichkeit und Mobbing), Cyber-Rechtsschutz, Geräterettung bei Cyber-Attacken sowie zu geringe Leistungen für Verluste bei Käufen und Verkäufen im Internet“, erklären die Forscher.
Für die Zukunft rechnen die Forscher mit Qualitätsfortschritten im privaten Cyber-Geschäft. Wie schnell das gehen kann, beweise die gewerbliche Cyber-Versicherung, erklären sie. Binnen weniger Jahre habe sich hier ein breites Feld leistungsfähiger Anbieter und Tarife etabliert. Auch das Risikobewußtsein der Gewerbetreibenden ist hoch: Mittelständler sehen Angriffe durch Hacker als größte Gefahr für ihr Geschäft.
>> Welche Rechte Kunden nach einer Cyberattacke haben , erfährst du hier.


