Low-Volatility-Fonds versprechen ruhigere Fahrten durch turbulente Märkte – aber halten sie das auch ein? Eine Analyse zeigt: Die Strategien funktionieren, haben aber ihre Tücken.
2. April 2024, 22:20 Uhr: US-Präsident Donald Trump steht im Rosengarten des Weißen Hauses, in den Händen hält er eine Tafel der sogenannten reziproken Zölle. Es ist der Auftakt eines globalen Handelskriegs, der die Börsen auf Talfahrt schickt. Innerhalb weniger Handelstage stürzt der MSCI World um 12 Prozent ab. Panik macht sich breit – doch nicht bei allen Anlegern.
Während die Märkte kollabieren, verlieren Low-Volatility-Fonds deutlich weniger. So zumindest lautet das Versprechen für die Anleger: ordentliche Renditen bei deutlich weniger Nervenkitzel. Doch können diese Strategien ihr Versprechen dauerhaft einlösen? Die Antwort ist komplexer, als man denkt.
Die gute Nachricht zuerst
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst beim Multi-Family-Office HQ Trust, liefert konkrete Belege: Seit 2001 gelang es Minimum-Volatility-Strategien in 79 Prozent aller negativen Monate des MSCI-All-Country-World-Index (ACWI), weniger zu verlieren. Bei starken Rückgängen über 5 Prozent lag die Trefferquote sogar bei 97 Prozent.
Die Praxis bestätigt die Theorie: Beim Brexit gewann Low Volatility 4,7 Prozent, während der MSCI ACWI 0,4 Prozent verlor. Im Corona-Crash fiel die Strategie mit -10,2 Prozent deutlich weniger als der breite Markt mit -13,4 Prozent, so Kielkopf. Und auch beim Trump-Schock im April bewiesen sie ihre Stärke. Fondsselektor Ali Masarwah bestätigt die zuverlässige Defensiveigenschaft in Bärenmärkten. Doch es gibt auch ein großes Aber.
Die versteckten Tücken
Natalia Wolfstetter, Senior Principal bei Morningstar, warnt: Die Strategien könnten in manchen Korrekturphasen weniger defensiv sein als erwartet – wie 2022, als defensive Sektoren unter steigenden Zinsen litten. Für Low-Volatility-Fonds ein Problem, da sie genau diese Sektoren tendenziell stärker gewichten.
Das Problem beschäftigt auch Masarwah. Er warnt: Wer den Low-Volatility-Faktor ohne Abschwächung „laufen lasse“, könne Klumpenrisiken produzieren. Wolfstetter ergänzt weitere Fallstricke: Die Fonds gelten als zinssensitiver, da sie defensive Sektoren stärker gewichten. Zudem beruhten sie auf historischen Daten: „Die historische Volatilität ist aber keine Garantie dafür, dass eine Aktie auch in Zukunft schwankungsarm bleibt.“ Sie fügt jedoch hinzu: Das gilt allerdings auch für jedes andere Produkt aus dem Fonds-Universum.
Wie viel ist zu viel?
Bei der Portfoliogewichtung gehen die Meinungen auseinander. Masarwah sieht Beimischungen bis zu 40 Prozent des Aktienanteils als realistisch an. Kielkopf rät von einer übermäßigen Gewichtung ab – insbesondere, wenn wenige wachstumsstarke Titel den Markt treiben.
Wolfstetter betont: Für konservative Anleger können die Fonds als Basisinvestment dienen. „Ansonsten kommt es auf die Risikobereitschaft, den Anlagehorizont und das restliche Portfolio an, denn man sollte darauf achten, Klumpenrisiken zu vermeiden.“
Wie hat sich der Markt in diesen volatilen Zeiten entwickelt? Masarwah berichtet von „ziemlich ordentlichen“ Zuflüssen in den vergangenen zwölf Monaten. Wolfstetter blickt noch etwas weiter zurück, wodurch sich ein differenzierteres Bild ergibt: Auf drei bis fünf Jahre waren die Zuflüsse tendenziell negativ, da es vorteilhafter war, nah am Index investiert zu sein. Die Ein-Jahres-Flows deuteten jedoch auf wiederkehrendes Interesse hin. Die Anleger suchen offenbar wieder Sicherheit – nicht zuletzt wegen Ereignissen wie Trumps Zoll-Coup aus dem Rosengarten.
Gibt es bessere Alternativen?
Wer nun also weniger Schwankung im Portfolio möchte – muss der unbedingt einen Fonds nehmen, der auf niedrige Volatilität setzt? Oder gibt es Alternativen? Ja – aber: Masarwah warnt vor optionsbasierten Strategien in Form sogenannter Vix-Produkte. Dies sei bei ETFs häufig der Fall: Da diese üblicherweise von Schwankungen profitieren, verlören sie meist, wenn die Volatilität niedrig sei. Kielkopf nennt Quality-Strategien als Alternative, die jedoch Klumpenrisiken bei US-Technologieaktien bergen können.
Wolfstetter setzt auf Diversifikation über verschiedene Anlageklassen als Kernprinzip. „Ich halte den Low-Volatility-Faktor für einen der zuverlässigsten Faktoren überhaupt, wenn es darum geht, einen risikokontrollierten Zugang zum Aktienmarkt zu erhalten“, fasst Masarwah zusammen. Kielkopf sieht die Strategie als bewährtes Mittel zur Portfoliostabilisierung – aber nur als gezielte Beimischung im Rahmen einer gut diversifizierten Allokation. Und Wolfstetter betont die Transparenz gegenüber komplexeren Absicherungsstrategien.
Hohe Rendite, hohe Ausschläge
Anlegern, die auf Low-Volatility-Fonds setzen wollen, steht einer Auswertung von Morningstar für DAS INVESTMENT zufolge eine große Bandbreite an Fonds und ETFs mit verschiedenen Schwerpunkten zur Auswahl. Der Vergleich der performancestärksten mit den schwankungsärmsten Strategien über fünf Jahre zeigt zunächst wenig überraschend: Für die höchsten Renditen mussten Anleger – auch im Low-Volatility-Segment – höhere Ausschläge hinnehmen.
Mit einem Plus von fast 90 Prozent führt der Invesco Euro Stoxx High Dividend Low Volatility das Performance-Ranking an. Jedoch reicht der Fonds bei der Standardabweichung, die Morningstar als Indikator für die Volatilität heranzieht, an den größten klassischen MSCI-World-ETF heran, den iShares Core MSCI World ETF.
Am anderen Ende: Der Fonds mit der geringsten Standardabweichung im Ranking verzeichnet über fünf Jahre nur ein Plus von 33 Prozent. Dabei setzt der iShares Edge MSCI EM Minimum Volatility ETF ausgerechnet auf die per se unruhigeren Schwellenmärkte.
Meister der Balance
Im Idealfall liefern Low-Volatility-Strategien ordentliche Renditen und laufen ruhig – besonders gut gelingt das Pim van Vliet, der mit seinem Team bei Robeco die Fonds der Conservative-Equities-Reihe betreut. Mit dem Robeco QI Global Conservative Equities und dem Robeco QI European Conservative Equities haben es gleich zwei Strategien in die Top Ten beider Kategorien geschafft.
„Die niedrige Volatilität beruht auf einer Bottom-up-Aktienauswahl, bei der defensive Merkmale – wie ein niedriges Beta, eine geringe Volatilität und ein geringes Stressrisiko – verteilt über eine breite Auswahl an Segmenten im Vordergrund stehen“, erklärt van Vliet die Strategie. Der Fokus liege damit auf widerstandsfähigen und attraktiv bewerteten Aktien, „die in der Regel langfristig gut abschneiden, insbesondere bei Marktabschwüngen“.
Wichtig ist dem Fondsmanager, die Unternehmen unabhängig von der Branche auszuwählen. Zwar hätten bestimmte Bereiche, etwa Versicherungen und defensive Konsumgüter, in den vergangenen zehn Jahren in den Modellen der Fondsgesellschaft gut abgeschnitten. Das könne sich jedoch jederzeit ändern. Im Fonds mit globaler Ausrichtung, der bereits 2007 aufgelegt wurde, ist ein Viertel der Unternehmen der Finanzbranche zuzuordnen, gefolgt von IT und Kommunikationsdiensten. Mit Microsoft, Apple, Alphabet, Amazon und Visa setzt die Strategie auf bekannte Namen – das erklärt auch die starke Performance über die vergangenen fünf Jahre.
Auf den ersten Blick passen die sogenannten Magnificent Seven nicht in einen Low-Volatility-Fonds. Van Vliet erklärt: „Einige Technologieunternehmen sind in den vergangenen Jahren stabiler geworden.“ Dagegen seien die Risiken bei bestimmten Versorgeraktien gestiegen – für den Fondsmanager ein Zeichen dafür, dass man sich auf die Branchenzugehörigkeit allein nicht verlassen kann.
Allerdings sind die USA trotz der Tech-Schwergewichte unter den Top-Aktien mit 50 Prozent im Vergleich zu breiten Länderindizes untergewichtet. Zum Vergleich: Im MSCI World machen US-Unternehmen mehr als 70 Prozent aus, im MSCI ACWI noch mehr als 60 Prozent. Abseits der USA setzt van Vliet auf eine breite Streuung. Mit knapp 7 Prozent liegt Japan auf Rang zwei, gefolgt von Kanada (5,4 Prozent) und der Schweiz (3,9 Prozent).
Im europäischen Pendant dominieren Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz mit jeweils etwa 19 Prozent. Auf Rang drei liegt Großbritannien (13 Prozent). Zu den Top-Aktien zählen Novartis, Allianz, Unilever, Deutsche Telekom, Roche und SAP. Bei den Branchen dominieren Finanzen, nicht-zyklische Konsumgüter und Gesundheit. Der Boom europäischer Aktien hat der Strategie Schub verliehen – seit Jahresbeginn ging es um mehr als 10 Prozent nach oben. Über fünf Jahre reicht der Europa-Fonds knapp an sein globales Pendant heran.
Auch hier sprechen die Zahlen für sich: Beim Zoll-Crash Anfang April verlor der Robeco QI European Conservative Equities zwischen dem 2. und 8. April laut Morningstar knapp 7 Prozent, die globale Strategie brach um 9 Prozent ein. Damit schnitt der Robeco QI Global Conservative Equities aber immer noch deutlich besser ab als marktbreite Indizes: So stürzten ETFs, die den MSCI World abbilden, nach den Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump zwischenzeitlich um 12 Prozent ab.
Anleger müssten für höhere Renditen nicht unbedingt höhere Risiken eingehen, ist van Vliet überzeugt. Im Gegenteil hätten Analysen gezeigt, „dass Aktien mit geringerem Risiko oft bessere risikobereinigte Renditen bieten“. Ein wichtiger Faktor sei der Kapitalerhalt, denn große finanzielle Verluste müssten erst einmal aufgeholt werden. Auch Dividenden spielen eine Rolle. Aktien mit geringer Volatilität zeichnen sich van Vliet zufolge im Allgemeinen durch „überdurchschnittliche Dividendenrenditen“ aus.
Für konservative Strategien sieht der Fondslenker Potenzial: Die Tech-Rally habe an Schwung verloren, defensive Aktien gewinnen an Aufmerksamkeit. „Da sich die Anleiherenditen normalisiert haben und das globale Wirtschaftswachstum wahrscheinlich bescheiden bleiben wird, erwarten wir, dass die Aktienmärkte in Zukunft moderatere Renditen liefern werden.“ Defensive Titel könnten im unruhigen Marktumfeld zyklische Werte überholen, so van Vliet. Alles in allem bestehe das Ziel darin, den Anlegern Aktienrenditen zu bieten, jedoch mit einem ruhigeren Verlauf, „der es ihnen ermöglicht, in Höhen und Tiefen investiert zu bleiben“.
Einen anderen Weg gehen die Performance-Sieger von Invesco. Die Aktienauswahl erfolgt beim Invesco Euro Stoxx High Dividend Low Volatility ETF zweistufig: Der vom ETF nachgebildete Index wählt aus dem Euro-Stoxx-Universum die 75 Aktien mit der höchsten Rendite aus, die 50 Aktien mit der geringsten Volatilität schaffen es ins Portfolio.
„Dieser Ansatz liefert deutlich höhere Erträge als der breitere Markt“, erklärt Christopher Mellor, Leiter Aktienproduktentwicklung Emea bei Invesco ETF. Die Dividendenrendite liege aktuell bei 6,7 Prozent. Der Low-Volatility-Filter solle Aktien mit hoher Dividendenrendite, bei denen das Risiko einer Dividendenkürzung bestehe, heraussieben. „In dieser Situation ist die Kursvolatilität tendenziell höher“, so Mellor.
Der Haken: Der ETF verzeichnet unter den analysierten Low-Volatility-Fonds die größten Ausschläge nach oben und unten. Renditestärkere Branchen wie Finanzwerte, Versorger und Immobilien seien übergewichtet, zyklische Konsumgüter und IT untergewichtet. Auf Länderseite liegen Deutschland und Spanien vorn. Invesco beobachtet ein gestiegenes Anlegerinteresse: Allein seit Jahresbeginn seien dem ETF umgerechnet etwa 128 Millionen Euro zugeflossen.
Auf eine quantitative Analyse auf Basis von Faktoren wie niedriger Volatilität, Qualität, Momentum und Bewertung setzt der Fonds mit der zweithöchsten Rendite, der aktiv gemanagte Invesco Sustainable Pan European Systematic Equity. Ziel sei es, Titel mit einem attraktiven Rendite-Risiko-Profil zu finden, erklärt Manuela von Ditfurth aus dem Quantitative-Strategies-Team von Invesco. Zusätzlich fließen ESG-Kriterien in die Aktienauswahl ein. Besonders profitiert habe der Fonds – neben dem Europa-Fokus – von Aktien aus Industrie, Finanzdienstleistungen und Gesundheitswesen, die maßgeblich zur Wertentwicklung beigetragen hätten.
Für den ruhigen Lauf sorgten ebenfalls das Gesundheitswesen sowie Unternehmen aus den Bereichen Versorger, Basiskonsumgüter und Telekommunikation. Um Klumpenrisiken zu senken, achte das Team auf eine breite Streuung von Einzeltiteln, Branchen und Ländern. Zu den Top-Aktien zählen Novartis, Roche, Anheuser-Busch Inbev sowie mit Allianz, Generali und Axa drei Versicherer. „In einem volatilen Marktumfeld suchen viele Investoren gezielt nach Strategien mit defensivem Charakter“, meint von Ditfurth. Mittlerweile liegt das Fondsvolumen des im Jahr 2000 aufgelegten Fonds bei mehr als einer Milliarde Euro.
Die Risiko-Analysten
Auf eine detaillierte Risikoanalyse setzt Bruno Taillardat mit dem Amundi European Equity Conservative, der es ebenfalls unter die Top-Ten-Performer geschafft hat. „Sich ausschließlich auf eine niedrige Volatilität zu verlassen, kann in der Tat versteckte Risiken auslösen“, erklärt der Leiter der Abteilung Systematisches und Quantitatives Management bei der Fondsgesellschaft.
Die Antwort darauf sei, über Aktien mit geringer Volatilität hinauszugehen und bei der Zusammenstellung des Portfolios „ein ganzheitliches und breites Spektrum von Risiken zu berücksichtigen“. Eine gute Diversifizierung sei ebenfalls ein wichtiges Ziel. „Letztlich besteht das Ziel darin, ein risikoarmes Portfolio zu verwalten, das eine umfassendere Risikodefinition als nur eine rückwärtsgerichtete Volatilitätsmessung berücksichtigt“, fasst Taillardat zusammen.
Stabil hätten sich jüngst die Branchen Basiskonsumgüter und Gesundheit gezeigt. Zudem trugen Kommunikationsdienste ebenfalls dazu bei, die Volatilität gering zu halten. „Der Sektor ist von jeglichen Zöllen isoliert“, so der Fondslenker. Ein Performance-Treiber waren Banken, die er allerdings aufgrund der starken Schwankungen untergewichtet habe. Stark fremdfinanzierte Unternehmen meidet Taillardat dagegen, ebenso wie Aktien, die er für überbewertet hält.
Für das Wachstum von Low-Volatility-Strategien sieht er drei Haupttreiber: Mehr Diversifizierung sorge für bessere Performance, das zeige sich aktuell deutlich – vor allem mit Blick auf die USA. Analysten rechnen mit einer Outperformance defensiver Aktien, „wobei europäische Aktien vor dem Hintergrund höherer Turbulenzen und Marktvolatilität besonders attraktiv erscheinen“. Zudem seien Teile des Aktienmarkts hoch bewertet, die bei defensiven Strategien tendenziell untergewichtet werden.
Mit weniger Risiko in den amerikanischen Aktienmarkt investieren: Das ist das Ziel des passiven Amundi MSCI USA Minimum Volatility Factor ETF. Der ETF bildet den gleichnamigen Index ab, der sich auf das Investmentuniversum des MSCI USA stützt. Ins Portfolio kommen 180 der 570 Aktien – neben niedrigen Schwankungen spielt die Performance eine Rolle.
Zu den Top-Aktien zählen aktuell die Entsorgungsunternehmen Republic Services und Waste Connections, Einzelhändler Walmart sowie die Tech-Firmen Microsoft, IBM und Cisco. Die Standardabweichung ist zwar mit 12 Prozent über fünf Jahre vergleichsweise hoch, liegt allerdings deutlich unter der von MSCI-USA-ETFs (etwa 15 Prozent).
Die Ruhe-Spezialisten
Am anderen Ende des Spektrums operieren DWS und Xtrackers. Sowohl der aktiv gemanagte DWS Invest ESG Qi Low Vol World als auch der ETF Xtrackers MSCI World Min Vol orientieren sich dabei am Index MSCI World Minimum Volatility. Das aktive Produkt nutzt allerdings zusätzlich eine sogenannte „Qi Attraktivitätseinschätzung“, um einen Mehrertrag zu erzielen. Dieser eigene Ansatz soll bei Aktien „fundamentale Unternehmensdaten mit quantitativen Methoden systematisch, objektiv und mehrdimensional“ auswerten. So zumindest die Aussage der DWS. In unserer Auswertung ist das Ergebnis auch besser als beim ETF – allerdings nur in der Tranche für institutionelle Anleger.
Das Portfolio enthält momentan 167 Aktien, eine „moderate Übergewichtung“ gibt es in risikoarmen Sektoren wie beispielsweise Basiskonsumgütern, Gesundheitswesen und Kommunikation. Beim Länderanteil liegt der Schwerpunkt mit 61 Prozent eindeutig bei den USA, gefolgt von Japan (8,7 Prozent) und Deutschland (6,4 Prozent). Klumpenrisiken sieht man bei der DWS dennoch nicht – das Portfolio sei mit seinen mehr als 160 Titeln breit diversifiziert genug. Zudem würden innerhalb jedes Sektors die jeweils risikoarmen Titel bevorzugt – was insbesondere bei heterogenen Sektoren wie Kommunikationswerten wichtig sei.
Interessant: Im Portfolio sind laut Aussage der DWS Goldwerte enthalten. Diese weisen zwar für sich genommen ein hohes Risiko auf – haben aber eine negative Korrelation zum restlichen Markt und senken dadurch das Portfoliorisiko. Seit Anfang des Jahres muss der Fonds jedoch ein leichtes Minus hinnehmen. Die Investoren hat dies allerdings nicht gestört: In den letzten Monaten habe es Zuflüsse gegeben. Wie hoch diese sind, dazu wollte sich der Asset Manager allerdings nicht äußern. Derzeit liegt das Fondsvolumen bei 197,5 Millionen Euro.
Das gesteigerte Interesse an Low-Volatility-Produkten kann Sturmius Schneider, Senior Product Specialist bei Xtrackers, bestätigen: „Wir haben in 2025 bis zum 30. Mai Nettomittelzuflüsse von circa 200 Millionen Euro in unserem Xtrackers MSCI World Minimum ETF gesehen. Diese sind auf einem ähnlichen Level wie 2024 und höher als die Nettozuflüsse und Nettoabflüsse von 2020 bis 2023.“
Auch ihr Produkt musste seit Anfang des Jahres ein leichtes Minus hinnehmen, zumindest in Euro (-3,08 Prozent). Wenig verwunderlich, da das Produkt in seiner Zusammensetzung dem aktiven Pendant ähnelt: Top-Holdings sind Deutsche Telekom, Republic Services, McKesson Corp, Walmart sowie T-Mobile US. Der USA-Anteil ist mit 63 Prozent noch etwas höher, es folgen Japan (10,6 Prozent) und die Schweiz (6,3 Prozent).
Generell ziele der Index darauf ab, die Wertentwicklung von Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus Industrieländern weltweit risikooptimiert abzubilden. Dafür wird laut Schneider der Optimierer von MSCI Barra verwendet. Diese Softwarebibliothek hilft bei der Konstruktion von Portfolios. Aktuell seien daher Japan, Schweiz und Hongkong und Gesundheitswesen, Basiskonsumgüter und Versorgungsunternehmen übergewichtet.
Das erklärt laut Schneider auch die Outperformance von 3 Prozent gegenüber dem klassischen MSCI World seit Jahresbeginn: Diese sei etwa zur einen Hälfte Selektionseffekten und zur anderen Hälfte Allokationseffekten zuzurechnen. „Größte Treiber des Allokationseffekts sind das Untergewicht bei Nicht-Basiskonsumgütern und das Übergewicht von Versorgungsunternehmen. Zum positiven Selektionseffekt trugen zum Beispiel ein Übergewicht von Novartis, ein Untergewicht von Thermo Fisher Scientific und ein Untergewicht bei Tesla bei“, erklärt Schneider.
Was Anleger daraus lernen
Low-Volatility-Fonds halten ihr Grundversprechen: Sie dämpfen Verluste in Crashs tatsächlich ab. Die ruhigsten Fonds verbuchten auch bei den großen Börseneinbrüchen der vergangenen Jahre – teils deutlich – geringere Verluste als der breite Markt. Im Corona-Crash verloren die Strategien mit der niedrigsten Standardabweichung über 5 Jahre zwischen 25 und 34 Prozent. Bei den Performance-Siegern lagen die Verluste mit -31 bis -39 Prozent merklich höher. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim jüngsten deutlichen Markteinbruch rund um Trumps Liberation Day.
Low-Volatility-Fonds lösen also ihre Defensivversprechen ein, Anleger sollten jedoch realistische Erwartungen haben. Denn insbesondere die ruhigsten Fonds liefern auch in Aufschwüngen nur moderate Renditen. Allerdings zeigen die Robeco-Strategien, dass sich defensive Ansätze und gute Erträge nicht ausschließen müssen.
Entscheidend ist, wie so oft, die richtige Dosierung: Als Beimischung von bis zu 40 Prozent des Aktienanteils können Low-Volatility-Fonds das Portfolio stabilisieren, ohne die Renditechancen komplett zu verspielen. In unsicheren Zeiten – mit unberechenbaren Politikern und fragilen Märkten – dürfte das für viele Anleger eine gute Strategie sein. Denn eines ist sicher: Ob durch Zölle, Zinsen oder Zusammenbrüche – der nächste Crash kommt bestimmt. Nur wann, das weiß niemand.
Hannah Dudeck schreibt seit Oktober 2019 für DAS INVESTMENT und das private banking magazin. Zuvor arbeitete sie als Online- und Finanz-Redakteurin für unterschiedliche Medien.
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Birte Penshorn ist seit September 2023 Redakteurin bei DAS INVESTMENT. Zuvor war sie zuletzt Chefredakteurin eines B2B-Wirtschaftsmagazins für die Bauwirtschaft.
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