Themen-Experte
Strategien für nachhaltige Erträge

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Strategien für nachhaltige Erträge

Jacob Vijverberg betreut den Mischfonds Aegon Global Diversified Income Foto: Aegon Asset Management

Flexibler Multi-Asset-Ansatz

„Die asiatisch-pazifischen Märkte stehen vor einem Boom“

Herr Vijverberg, Tech-Aktien haben sich seit Beginn der Pandemie gut entwickelt, nach der US-Wahl starteten Wasserstoffwerte durch. Wie sah die Entwicklung bei Anleihen aus?

Jacob Vijverberg: In der Tat verliefen die vergangenen Monate für die von Ihnen genannten Sektoren herausragend. Sowohl Technologie als auch Wasserstoff sind Profiteure der Covid-19-Krise. Andere Sektoren haben sich ebenfalls ausgezeichnet entwickelt. Die Versuchung ist für viele Anleger natürlich groß, angesichts der bereits stark gestiegenen Kurse hier eine Übergewichtung im Portfolio einzugehen und Prinzipien der Diversifikation nicht ganz so genau zu nehmen.

Auf der anderen Seite haben sich aber auch Anleihen gut entwickelt. Denken Sie nur an Hochzinsanleihen, die zuletzt bessere Renditen als europäische Aktien erzielten. Auch Staatsanleihen liegen gut im Rennen. Chancen sehen wir ebenfalls bei Nachrang-Anleihen, die gute Erträge abwerfen. Und auch Anleihen im Bereich der Infrastruktur bleiben weiterhin eine wichtige Säule unserer Portfolio-Allokation. Gute Aussichten ergeben sich nicht zuletzt im Segment der erneuerbaren Energien.

Warum kommen Anleger ungeachtet der Zuwächse in einzelnen Sektoren und Anlageklassen Ihrer Meinung nach um eine breite Diversifizierung im Portfolio nicht herum?

Vijverberg: Für uns als Asset Manager geht es immer darum, auf mittel- bis langfristige Sicht gute risikoadjustierte Renditen zu erzielen. Das schaffen wir, indem wir strategisch auf langfristig tragende Trends, unter anderem im IT-Sektor, setzen und uns gleichzeitig ein hohes Maß an Flexibilität sichern. Wir haben damit stets die Möglichkeit, taktische Umschichtungen im Portfolio vorzunehmen, um auf sich ändernde Marktlagen reagieren zu können.

Wie vermeiden Sie eine zu ausgeprägte Korrelation einzelner Portfoliosegmente?

Vijverberg: Korrelation lässt sich nicht vollständig vermeiden. Wir versuchen in unseren Fonds mit der Beachtung der Duration gegenzusteuern, haben also im Blick, wie die Kurse unserer Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen auf Änderungen des Marktzinses reagieren. Auch durch die Beobachtung von Währungsentwicklungen lässt sich Korrelation abfedern. Derzeit profitieren wir beispielsweise von den Bewertungsaufschlägen des Japanischen Yen.

Bei starken Kurseinbrüchen wie im März ist es ratsam, sich nicht von der allgemeinen Panik anstecken zu lassen. Solange die langfristigen Szenarien für die Assets im Portfolio intakt bleiben, sollten sich über kurz oder lang mit der Rückkehr der Liquidität in den Markt die erwarteten Renditen einstellen. Zur Stabilität des Portfolios tragen bei uns nicht zuletzt Aktien mit hoher Dividendenausschüttung bei. Daher hat der Fonds auf Sicht von sechs Monaten eine Rendite von 10,48 Prozent erzielt, während die Wertentwicklung seit Fondsauflegung im April 2016 23,92 Prozent beträgt (Stand für beide Angaben: 30. November 2020).

Alternative Anlagen, einschließlich Immobilien, die als unkorrelierte Beimischung im Portfolio gelten, sind durch Covid-19 unter Druck geraten: Wie reagieren Sie darauf?

Vijverberg: Wir haben eine ganze Reihe von alternativen Anlagen, die für Anleger nicht leicht zugänglich sind, im Portfolio. Schon vor Covid-19 zeigte sich, dass der Onlinehandel immer mehr Marktanteile gewinnt. Wir setzen daher schon seit längerem beispielsweise auf Logistikimmobilien, die von diesem Trend profitieren. Homeoffice hat durch Corona einen ungeheuren Aufschwung erfahren – wir gehen davon aus, dass der Trend auch nach der Pandemie anhalten wird, der Markt für Bürogebäude daher angespannt bleibt. Wir haben uns in diesem Bereich von Anlagen getrennt – und stattdessen die Positionierung bei Wohngebäuden aufgestockt. Investiert sind wir hier via Real-Estate-Investment-Trusts.

Wie sieht es bei Infrastrukturanlagen aus, die stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind?

Vijverberg: Infrastrukturanlagen wie Flughäfen und Häfen sind in diesem Jahr unter die Räder gekommen, auf mittel- bis längerfristige Sicht werden diese Ertragsbringer für Fixed-Income-Investoren jedoch wieder liefern. Nicht nur, weil der Vollbetrieb wieder aufgenommen wird, sondern auch, weil Anleger sich die Chancen bei diesen begehrten alternativen Investments, die unter normalen Bedingungen mit einem kontinuierlichen Einkommensstrom aufwarten, nicht entgehen lassen wollen. Im Bereich der alternativen Anlagen sind wir darüber hinaus in erneuerbaren Energien investiert.

Wie ist der Fonds Aegon Global Diversified Income in den Schwellenmärkten positioniert?

Vijverberg: Die wirtschaftliche Macht der Schwellenländer nimmt immer weiter zu. Wir messen daher den aufstrebenden Volkswirtschaften im Portfolio ein großes Gewicht bei. Allerdings fokussieren wir uns hier ganz klar: Die asiatisch-pazifischen Märkte stehen vor einem Boom. Hier haben viele Zulieferer für den Tech-Sektor ihren Sitz, darunter Chip-Hersteller. Viele Unternehmen profitieren zudem von der wirtschaftlichen Stabilität und der weiteren Konjunkturentwicklung Chinas. Das Land ist hervorragend durch die Corona-Krise gekommen und seine Wirtschaft zieht weiter an. Sollten jetzt vor dem Hintergrund von Handelskonflikten die internationalen Lieferketten neu ausgerichtet werden, dürften viele asiatischen Staaten profitieren. Die neue Freihandelszone RCEP zeigt, wohin die Entwicklung geht.

Wie sehen Ihre Erwartungen für die Zukunft von Multi-Asset-Ansätzen aus?

Vijverberg: Anleger können mit diversifizierten Investments auf stetige Wertschöpfung bei vergleichsweise hoher Sicherheit im Hinblick auf das eingesetzte Kapital rechnen. Fondsmanager können flexibel auf unterschiedliche Marktlagen und politische Entwicklungen reagieren. Für Anleger entstehen dadurch optimale Ergebnisse.

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