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Schlimme Finger im Juni 2024
Die Bafin warnt: Vorsicht vor diesen Finanzdienstleistern
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Schlimme Finger im Juni 2024 Die Bafin warnt: Vorsicht vor diesen Finanzdienstleistern

Ein Dieb flüchtet
Geld einsacken und nichts wie weg: Das ist auch die Devise vieler schwarzer Schafe am Finanzmarkt. | Foto: Canva

Optimieren Sie IhTrading mit XY“ oder „Betreten Sie mit YZ selbstbewusst die Handelsarena“ . Solche Sprüche tauchen immer wieder auf den Webseiten bestimmter Finanzanbieter auf. Manch einem Mitarbeiter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kommen sie mittlerweile bekannt vor. Denn manch ein schwarzes Schaf am Finanzmarkt gibt nicht einfach klein bei, wenn er von der Bafin gerügt wurde. Er zieht  vielmehr mit der gesamten Internetseite einfach auf eine andere Domain um.

Ihre Warnungen vor bestimmten Finanzakteuren veröffentlicht die Bafin als Kurzmeldungen auf ihrer Internetseite und versendet sie auf Wunsch per E-Mail. Fehlende Wertpapierprospekte, Geldgeschäfte ohne Lizenz oder sogar unter falschem Namen, diverse windige Angebote: Wir haben zusammengetragen, wen die Behörde im Monat Juni gerüffelt hat. Manch ein schlimmer Finger entpuppte sich dabei als Wiederholungstäter. 

Bank- oder Wertpapiergeschäft ohne Lizenz

Das Unternehmen LFP Global FZCO mit Sitz in Dubai und – damit verbunden auch Herr Alexander Dralle aus Groß Nordende – betreiben Investmentgeschäft, ohne die dafür nötige Erlaubnis zu besitzen, warnte die Bafin im Juni. Alle Parteien sollten das Geschäft unverzüglich einstellen und abwickeln. Ebenso soll der Hamburger Fabian Sören Jedmin den Vertrieb unerlaubter Investmentgeschäfte über LFP Global FZCO unterlassen, fordern die Finanzaufseher.

Der genannte Dralle, hatte einen Fonds namens „Lexmo-Investment“ verwaltet und diesen über LFP Global FZCO in Dubai vertrieben. Nach einer einjährigen Vertragslaufzeit seien Anleger dazu ermuntert worden, das vermeintlich erwirtschaftete Geld erneut anzulegen, anstatt es sich auszahlen zu lassen. Um das Vertriebsnetz habe sich Jedmin gekümmert. Die Bafin hat den Rechtsanwalt Gerhard Brinkmann (Görg Rechtsanwälte) damit beauftragt, die Investmentgeschäfti von Dralle und der LFP Global FZCO abzuwickeln.

 

Die Finanzaufsicht warnte auch vor Genesis Capitals (Webseite: Genesis-capitals.com). Das Unternehmen stellt sich demnach unter dem Namen MMS Singular LTD mit Sitz in London vor. Allerdings wurde ein Unternehmen jenes Namens bereits im Juni 2023 aus dem britischen Handelsregister gelöscht, wie die Bafin herausfand. Insgesamt tauchten zuletzt vermehrt Webseiten mit nahezu identischem Inhalt auf. Alle werben mit der Formel Optimieren Sie Ihr Trading mit [Name der Website]“. Die Bafin weist darauf hin, dass es sich dabei oft um unerlaubtes Geschäft handelt – so wie bei Genesis Capitals.

Auch vor der Tether Invest Corporation (tether-invest.com) hat die Bafin zuletzt gewarnt. Das Unternehmen bietet Anlagen in Kryptowährungen, Aktien, Rohstoffen und Indizes sowie Geschäfte mit hochriskanten Differenzkontrakten (Contracts for Difference - CFD) an – ohne eine Erlaubnis dafür zu besitzen.

Unerlaubtes Geschäft, in dem Fall Finanztransfers, betrieb auch die Rataj Consult GmbH. Die Gesellschaft möge das sofort einstellen, fordert die Bafin. Gleiches gilt für:

  • den Krypto-Wertpapieranbieter Bitcoin Synergy (bitcoinsynergy.biz).
  • den Anbieter Bitox, der im Internet seine Rechtsform verschweigt. Er wirbt mit dem auch auf anderen Webseiten verwendeten Slogan „Betreten Sie mit [Name der Website] selbstbewusst die Handelsarena“
  • eine Firma namens eFundCrypto (efundcrypto.com), die die Bafin der Plattform tdcryptotrade.com zurechnet, vor der sie ebenfalls schon gewarnt hat. Auch diese wirbt mit „Betreten Sie mit [Name der Website] selbstbewusst die Handelsarena“
  • die Betreiber der Webseite Tonarix.ai, die Kryptohandel mit Einsatz künstlicher Intelligenz bewirbt, und wahlweise auch auf den folgenden Webseiten auftritt: tgxai.com – tatoro.ai – oilbitoro.ai – finvexor.com – firstaibankx.com – brinkxbankx.com – bgx.ai – profitrono.com – cashmaxa.com –fintrixo.com.
  • die Betreiber der Webseite profxdesk.com, die dort Finanz- und Wertpapiergeschäft anbieten und sich teils als Sanbarnet Group ausgeben, teils als ProFX Desk. Sie geben auch unterschiedliche Firmensitze an: Mal soll es die Karibikinsel St. Lucia sein, mal die Karibikinsel Insel Nevis
  • die angeblich in Potsdam und Paris ansässige Finanzanker AG. Diese bietet auf finananker.ag unerlaubtes Bank- und Finanzdienstleistungen an, hat die Bafin herausgefunden
  • einen Anbieter, der auf der Webseite Chiliz Finanzen.com unerlaubte Bank- Finanz- und Wertpapierdienstleistungen verkaufen möchte
  • die Betreiber der Website fargoconsulting.ltd, die ebenfalls ohne Erlaubnis Finanz- und Wertpapierdienstleistungen anbieten
  • die Betreiber von vortexcapital.ltd, die sich Vortex Capital nennen und als Firmensitz London angeben. Diese bieten ebenfalls Finanz- und Wertpapiergeschäft ohne Lizenz an
  • die Betreiber der Online-Handelsplattform MBTC. Auf mbtc.ai werden ohne Erlaubnis Bank und/oder Finanzdienstleistungen angeboten
  • Limitrex mit der Webseite limitrex.com
  • ightStocksFX (lightstocksfx.com), die behaupten, in Irland, Großbritannien und auf St. Vincent und die Grenadinen reguliert zu sein – was nicht stimmt
  • die Webseite iventiumpro.io der angeblich in Dallas ansässigen Iventium pro Investment Company, die mit mit dem schon genannten Slogan „Betreten Sie mit [Name der Website] selbstbewusst die Handelsarena“ wirbt
  • die die angebliche Gesellschaft Bit-Wise, die auf ihrer Webseite bit-wise.co Bankgeschäfte und/oder Finanzdienstleistungen ohne Erlaubnis anbietet
  • Quanta Capital, das über die Internetseite quantacapital.co Bankgeschäft und nicht lizenzierte Finanzdienstleistungen anbietet
  • den Anbieter HighTrustCapital und dessen Webseite brokerinteraktive.com, der darüber Bank-/ und /oder Finanzdienstleistungen anbietet, ohne eine entsprechende Erlaubnis zu besitzen
  • die Anbieter von Finanz- und Wertpapierdiensten auf iqcapitalinvest.org. Die Betreiber bieten ihren Kunden zudem an, an Ort und Stelle auch ein Wertpapierhandelskonto anlegen zu können
  • die Betreiber der Website agallianz.de, die dort Finanz- und Wertpapierleistungen anbieten. Deren Werbespruch „Erweitern Sie Ihr Trading mit [Name des Betreibers]“ kam den Finanzaufsehern von vergangenen Warnungen bereits bekannt vor
  • Angebote von IQ Capital Invest. Es bestehe der Verdacht, dass die unbekannten Betreiber auf der Website iqcapitalinvest.org ohne Erlaubnis Finanz- und Wertpapierdienstleistungen anbieten
  • das Unternehmen Bit-Wise, das auf Bit-wise.io Bankgeschäfte und/oder Finanzdienstleistungen ohne Erlaubnis anbietet
  • den Anbieter MayFairCap mit der Webseite mayfaircap.org. In der Vergangenheit hatte die Behörde bereits vor einer identischen Website unter mayfairdap.io gewarnt
  • Angebote von KryptoEU und dessen Webseite kryptoeu.com. Die Bafin konnte keinen Zusammenhang zu einer lizenzierten Kryptoverwahrstelle beobachten
  • Angebote auf agallianz.de, dessen Betreiber behauptet, in London ansässig zu sein. Der Name lässt vermuten, dass der Anbieter sich mit dem Namen des bekannten Versicherers und Asset Managers Allianz einen seriöseren Anstrich geben wollte
  • den Anbieter Immediatecore, der auf der Webseite immediatecore.com, ebenfalls ohne Lizenz, Finanz- und Wertpapierdienstleistungen anbietet
  • den Anbieter Cornelius Capital, der über corneliuscap.com Finanz- und Wertpapiergeschäft angeboten hat – auch das ohne Erlaubnis, wie die Bafin feststellt.

Auch das Unternehmen Financial Asset Management ist ins Fadenkreuz der Bafin geraten: Es hat angeblich Aktien des Autoherstellers Porsche AG angeboten. Eine entsprechende Lizenz besitzt es aber nicht.

Ebenso ermitteln die Finanzaufseher gegen POM-OC, Betreiber der Webseite pom-oc.com, der vor allem Kreditgeschäft anbietet. Eine Lizenz dafür liegt ihm jedoch nicht vor, warnt die Bafin. 

Unerlaubtes Geschäft – auch noch unter falscher Flagge

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Die Firma ActivTrades GmbH (activetrades.live) gibt als Geschäftssitz Düsseldorf und London an. An den genannten Adressen hat jedoch das von der Bafin lizenzierte Wertpapierinstitut Pepperstone GmbH seinen Sitz. Die Bafin vermutet, dass sich die Betreiber hinter der Identität des regulierten Unternehmens verstecken wollten. Ebenso besteht laut Bafin keine Beziehung zu der Luxemburger Active Trades S.A. und der Londoner Active Trades Plc. Auch diese Identität haben die Betreiber entwendet, vermuten die Finanzaufseher.

Die Webseite cmc-market.live hat ebenfalls die Identität anderer entwendet, warnt die Bafin: Sie gibt sich als zugehörig zu den lizenzierten Wertpapierinstituten CMC Markets Germany GmbH und Pepperstone GmbH aus – zu Unrecht.

 

Die Betreiber der Webseite armandia-finanz.de bieten über die Webseite ohne Erlaubnis Festgeld- und Tagegeldkonten sowie individuelle Anlage- und Vermögensberatung an. Ihren Firmensitz haben sie angeblich in Düsseldorf und dem schweizerischen Zug. Sie geben vor, mit lizenzierten Banken zusammenzuarbeiten – was laut der Bafin nicht der Fall ist. Die Bafin warnt: Zu der tatsächlich in Zug ansässigen Armandia Finanz und Verwaltung AG besteht keinerlei Verbindung.

Die Webseite terri-finance.ch hat keinerlei Verbindung zur regulierten Terri Finance AG mit Sitz in Lumnezia, Schweiz. Über die Webseite werden verbotenerweise Festgeld-, Flexgeld- und Festzinsanlagen sowie die individuelle Vermögensberatung in Aktien und Fonds angeboten. 

Ebenso bietet ein Akteur, der sich JPMgroup nennt und seinen Sitz mit Lumnezia, Schweiz angibt, via jpmgroup.pro Bankgeschäfte und/oder Finanzdienstleistungen ohne Erlaubnis an. Das gleiche gilt für das dem Namen nach ähnlich klingende JPM Broker. Dort werden via jpmbroker.com ohne Erlaubnis Finanz- und Wertpapierdienstleistungen angeboten. In beiden Fallen liegt auf der Hand, dass die Betreiber sich den klangvollen Namen der bekannten Investmentbank JP Morgan entliehen haben, vermutlich, um sich selbst seriös erscheinen zu lassen. 

 So lässt sich prüfen, ob ein Finanzdienstleister eine Bafin-Lizenz hat 

Ob ein Unternehmen eine Erlaubnis für Bank-, Finanz- oder Wertpapiergeschäft von der Bafin besitzt, können auch Verbraucher leicht überprüfen, weist die Bafin einmal mehr hin. Auf der Seite der Behörde lässt sich im Unternehmensregister nach einzelnen Anbietern suchen.

Einen ersten Hinweis, dass mit einem Finanzunternehmen etwas nicht stimmt, können jedoch bereits kleine Hinweise geben. So sollten Verbraucher aufhorchen, wenn ein Unternehmen auf seiner Internetseite keine Rechtsform angibt, seinen Geschäftssitz verschweigt oder überhaupt kein Impressum existiert.

Ebenso sollten Verbraucher, die sich informieren möchten, auf die genaue Schreibweise von Namen und Internetadressen achten – und dabei immer auch einen Blick auf die Domain-Endungen werfen. Dort fallen Abweichungen vom Original besonders wenig auf. 

Prospektpflicht verletzt

Schließlich hat die Bafin im Juni auch zweimal beanstandet, dass für bestimmte Finanzangebote der gesetzlich erforderliche Wertpapierprospekt fehlte. So haben die Finanzaufseher die Fyshr AG aus dem schweizerischen Baar im Verdacht, in Deutschland Wertpapiere ohne Prospekt angeboten zu haben. Die Bafin rügt in dem Zusammenhang ein Angebot für Aktien mit Nennwert von 1,0166 Euro und einem Anlagebetrag von 1,50 Euro.

Ebenso fehlt ein Prospekt bei nachrangigen Namensschuldverschreibungen, die die asuco Immobilien-Sachwerte GmbH & Co. KG offeriert hat. Die Angebote heißen „ZweitmarktZins 35-2023“ und „ZweitmarktZins 43-2023“.

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