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„Die Bank an Ihrer Seite“ SZ hat nachgezählt: So viele Filialen hat die Commerzbank dicht gemacht

Screenshot des Commerzbank-Spots auf Youtube
Screenshot des Commerzbank-Spots auf Youtube

„Immer mehr Banken schließen Filialen. Aber wir bleiben an Ihrer Seite“, wirbt die Commerzbank in einem witzigen Werbespot. Weniger witzig ist allerdings die Tatsache, dass die Commerzbank selbst zu den von ihr im Werbespot angeprangerten Finanzinstituten gehört. 

So will Commerzbank 1.500 ihrer weltweit 5.000 Filialen dicht machen. Das erfuhr das Handelsblatt im Januar aus Insider-Kreisen. Damit wollte das Kreditinstitut die hohen Strafzahlungen ausgleichen, die ihm die US-Aufsicht wegen Handelsgeschäften mit dem bis vor kurzem mit Sanktionen belegten Iran auferlegt hat.

Auch in Deutschland setzt die Commerzbank-Führung den Rotstift an. Recherchen der Süddeutschen Zeitung (SZ) zeigen, dass die Bank die Zahl ihrer Zweigstellen ausdünnt und auch Rechentricks anwendet. 

Nach der Fusion mit der Dresdner Bank im Jahr 2010 unterhielt die Commerzbank laut Geschäftsbericht 1.535 Filialen, schreibt die SZ. Im Rahmen der Umstrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen fuhr das Finanzinstitut diese Anzahl bis 2013 auf 1.200 Filialen herunter. Vor einem Jahr zählte die Commerzbank offiziell nur noch 1100 Filialen.

Laut SZ-Recherchen stimmt diese Zahl jedoch nicht ganz. Der Redakteur Heinz-Roger Dohms zählte selbst nach - und kam auf nur 1.039 Zweigstellen. Und damit nicht genug. In vielen hundert Zweigstellen werde der Kunde zwar noch beraten, eine Kasse sucht er allerdings vergeblich, schreibt Dohms. Als Beispiel nenn der Redakteur den Großraum Hannover: Dort sollen die Kunden in zwei Dritteln aller Filialen herkömmliche Bankdienstleistungen nur noch am Selbstbedienungsautomaten erledigen können. In ländlichen Regionen sollen Kunden bis zur nächsten Commerzbank-Vollfiliale auch mal einen Weg von 50 Kilometern in Kauf nehmen müssen. 

Die Commerzbank selbst bezieht ihre rund 40 Wealth-Management-Standorte in die Rechnung ein. „Was solch ein Anlaufpunkt für Superreiche mit einer Filiale zu tun hat, ist schleierhaft“, moniert Dohms. Zudem weist er darauf hin, dass die meisten Wealth-Management-Büros sich laut seiner Stichprobe an einer der Filialadressen. „Soll man einen Standort wirklich als zwei Filialen zählen?“

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