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betriebliche Altersversorgung Die bAV ist tot – es lebe die bAV!

Manfred Baier
Manfred Baier: Der Berater zur betrieblichen Altersversorgung sieht einen „Boom im versicherungsfreien bAV-Durchführungsweg“. | Foto: Bundesverband pauschaldotierter Unterstützungskassen

Zuletzt war es die Nachricht der Allianz, die im Markt für betriebliche Altersvorsorge einschlug wie eine Bombe: Die Nummer zwei in diesem einst so lukrativen Versicherungssegment wird das bAV-Neugeschäft einstellen.

Die Allianz war es auch, die seinerzeit als erster Player aus einer führenden Position heraus das Neugeschäft mit Kapitallebensversicherungen beendete. Die Konzernleitung wird sich diese Schritte gut überlegt haben – und das sollte bAV-Beratern eine eindringliche Warnung sein.

Allianz zieht die Notbremse

Zu niedrig die Kapitalmarktzinsen auf noch lange Zeit. Zu groß die Gefahr, imageschädigende Schlagzeilen zu produzieren. Zu schlecht die Aussichten auf ausreichende Umsatzvolumina. Der Allianz-Schritt wirkt wie eine Notbremse, um nicht selbst in eine ähnliche Notsituation wie die vieler anderer Marktteilnehmer zu geraten.

Rund ein Drittel der Pensionskassen steht unter „intensivierter Aufsicht“ der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Manch eine Versorgungseinrichtung auf Versicherungsbasis ist bereits zum Sanierungsfall geworden. Die BaFin sieht „dieses Geschäftsmodell mit Sorge“. 

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) sollte der bAV neuen Schwung verleihen, es verpuffte weitgehend. Die Anreize für Unternehmen, für ihre Belegschaft eine bAV einzurichten, sind schlicht zu gering.

Es war vielleicht auch ganz gut so, dass das BRSG zum Rohrkrepierer wurde; so blieb manchem Arbeitnehmern und ihren Arbeitgebern Schaden erspart. Und: Die bAV-Berater haben nicht noch zusätzlich verbrannte Erde hinterlassen. Die bAV ist tot.

Neugeschäft nicht zu machen

Doch was wird jetzt aus den vielen bAV-Beratern? Neugeschäft ist für sie nicht zu machen, auch wenn etliche Versicherer sie mit Durchhalteparolen bei Laune halten wollen – selbst jetzt noch in der Corona-Krise, in der die Unternehmen alles daran setzen, ihre Liquidität beisammen zu halten anstatt ihr gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen.

Und: Können sich bAV-Berater angesichts der Misere bei ihren früheren Kunden noch blicken lassen? Nur mit einem neuen Beratungsansatz. Und den finden sie in dem Vorschlag, die bAV-Versicherungen beitragsfrei zu stellen und in den fünften – versicherungsfreien – bAV-Durchführungsweg zu wechseln.

Anreize sorgen für Boom

Dieser bietet den Unternehmen genau die Anreize, die die versicherungsförmigen Durchführungswege vermissen lassen:

  • Die Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern verbleiben über die so genannte pauschaldotierte Unterstützungskasse im Unternehmen als Innenfinanzierungsvehikel, sie stärken in Krisenzeiten die Finanzausstattung des Unternehmens.
  • Daraus ergeben sich diverse betriebswirtschaftliche Vorteile: Vermeidung und Ablösung von teuren Bankkrediten, Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes auch in Krisenzeiten und viele andere mehr.
  • Pauschaldotierte Unterstützungskassen sind staatlich als soziale Einrichtungen anerkannt und daher steuerbegünstigt.
  • Die Leistungsansprüche fallen als Einmalbetrag an und sind somit für den Arbeitgeber wie bei einem Sparbuch genau kalkulierbar. Zudem sind sie durch den Pensionssicherungsverein a.G. abgesichert.

Die Vorteile für Arbeitgeber sind so umfangreich, dass die Unternehmen anstatt der gesetzlich vorgeschriebenen 15 Prozent Arbeitgeberzulage – freiwillig – 30 bis 50 Prozent hinzugeben oder - wenn finanziert durch eine kluge Nettolohnoptimierung - auch mal 100 Prozent beisteuern. Betriebliche Altersvorsorge zum Nulltarif.

Die Unternehmen erkennen, wie sehr das U-Kassenmodell zur Krisenprävention nützlich sein kann. Während das versicherungsförmige bAV-Geschäft während der Corona-Krise nahezu zum Erliegen gekommen ist, erleben die U-Kassenberater (sie arbeiten gegen Honorar) einen wahren Boom. Manche haben seit dem Sommer so viel Geschäft geschrieben wie sonst in zwei Jahren. Die bAV lebt!

Über den Autor:

Manfred Baier ist Gesellschafter-Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Authent-Gruppe und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes pauschaldotierter Unterstützungskassen.

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