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Experten-Produktcheck Unfallversicherung der Bayerischen: Gute Leistungen, aber schwer zu vermitteln

Pierre Esser
Pierre Esser ist der nächste Neuzugang in der Expertenriege von DAS INVESTMENT. Er kümmert sich um Produkte der Unfallversicherung. | Foto: Pierre Esser / Josephina Rollinger mit Canva

Nachdem Hausratversicherung und Privathaftpflicht bei der Versicherungsgruppe die Bayerische ein Facelift erhalten haben, möchte der Anbieter jetzt auch durch einen modernen Anstrich mit der hauseigenen Unfallversicherung und deren Tarifen „Smart“, „Komfort“,  „Prestige“ und „Prestige Plus“ bei Maklern punkten. 

Unfallkunden sind eine dankbare Klientel, nach der Entscheidung für eine Gesellschaft beziehungsweise Tarife bleiben sie im Schnitt 11,5 Jahre beim Unternehmen, meist sogar bis zur Volljährigkeit der Kinder. Der Makler hier umso mehr Zünglein an der Waage, was seine Empfehlung beim Kunden betrifft.

Sinnvolle Leistungsverbesserungen

Mit dem Produkt-Update haben die Münchener das „Unfall-Rad“ nicht neu erfunden, passen sich aber mit hohen Progressionen und Mindest-Unfallrenten (ab 500 Euro) dem aktuellen Marktgeschehen der besten Gesellschaften an.

Die optionalen Zusätze sollen den Unterschied zu Mitanbietern definieren: So kann ein eigenständiges Existenz-Budget zur Unfallversicherung abgeschlossen werden, dass Eigenheimbesitzer, Selbständige oder den Nachwuchs ansprechen soll, wenn der Unfall zur dauernden Arbeitsunfähigkeit führt beziehungsweise bei Kindern zu eingeschränkter Lebensqualität. Wir sprechen hier wirklich von einem Zusatz mit sinnvoller finanzieller Leistung in Form von zehn Millionen Euro, die zum Beispiel für Rentenausgleich, Schmerzensgeld oder Unfallfolgekosten dienen sollen.

 

Positiv zu erwähnen ist, dass das Vorsorge-Budget für präventive Leistungen, im „Prestige Plus“-Tarif automatisch mitenthalten ist. Dort gibt es immerhin alle drei Jahre 100 Euro für Protektoren, Helme, Schwimmkurse und andere Vorsorgemaßnahmen. Die Bayerische dazu: „Unsere Vision ist es, das Versichern langfristig überflüssig zu machen. Vorsorge und Prävention stehen dabei im Vordergrund“ heißt es dazu in der Pressemitteilung zur neuen Unfallversicherung.  

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Erklärungsbedürftige Zusatzbausteine

Wie sich dies zu anderen gesetzlichen Ansprüchen nach einem (Berufs) Unfall rechtlich und steuerlich verhält und vielleicht dann auch zu Gegenkürzungen führen könnte, bleibt aber erklärungsbedürftig. Parallel existiert auch noch die reguläre Unfallleistung in Form der versicherten Invaliditätssumme. So schreibt die Bayerische im Produktinfoblatt nur dazu „Das Existenz Budget ersetzt bei Invalidität den entstandenen Schaden nach den Regeln der gesetzlichen Haftpflicht-Bestimmungen.“

Ebenso verhält sich es mit dem Zusatz „Multi Protect“, der in Form einer Rente Organverletzungen, Grundfähigkeiten, Pflegebedürftigkeit oder Krebserkrankungen berücksichtigen soll. Auch hier bedarf es mehr rechtssicherer Erklärungen im Zusammenspiel verschiedener Leistungsparametern von Unfall, Pflege und Krankheiten.

Relativ hohe Prämie

Das Rechenbeispiel für einen männlichen 36-jährigen Kaufmann mit adäquater Versicherungssumme (Grundsumme ab 75.000 Euro, 1.000 Prozent Progression und Zusätzen wie Unfallrente, Todesfall, Übergangsleistungen, Bergungskosten etc.) ergibt inklusive Existenz-Budget einen monatlichen Beitrag von 48,70 Euro. Damit liegt man im Vergleich zu ähnlich gestalteten Produkten der Sparte, wie sie Inter Risk, Basler, VHV oder Haftpflichtkasse anbieten, teilweise deutlich über deren Prämienniveau. Aus meiner Sicht lässt sich die Bayerische gerade die Zusatzleistungen sehr gut bezahlen.

Gemischtes Fazit

Die Bayerische kann vom Bedingungswerk überzeugen und schließt zur Mark spitze auf. Technik und Ausführung sind aber verbesserungsfähig. Die Nutzung es eigenen Berechnungsprogramms und die Beschaffung von Informationen ist bei der Bayerischen umständlich. Vermittler mögen es gerne einheitlich. Gesamtvergleiche und ein einzelnes Angebot sind gegenüber dem Kunden erklärungsbedürftig, auch im Sinne der eigenen Neutralität. Die Bayerische wird somit zwingend in Zukunft in so manchem Vergleichsrechner erscheinen müssen, um vertrieblich mit dem neuen Produkt erfolgreich zu sein.

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