Susanne Woda, Portfoliomanagerin bei MERITO Asset Management

Susanne Woda, Portfoliomanagerin bei MERITO Asset Management

Die Bernanke-Achterbahn: Ende der lockeren Geldpolitik?

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Susanne Woda ist Portfoliomanagerin bei der MERITO Asset Management GmbH in Dreieich

Nach der jüngsten Fed-Sitzung herrscht relative Ruhe an den Märkten, die Aussagen zurweiterführung des Anleihekaufprogramms wirken wie eine Beruhigungspille. Doch wann erleben wir den nächsten Looping in der Bernanke-Achterbahn? Mit einer Belebung der US- Wirtschaft erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines Ausstiegs stetig und das wird wohl noch öfter für Unruhe an den Märkten sorgen.

Die Zinsen werden aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau bleiben. Höhere Zinsen und ein starker Dollar würden das zarte Konjukturpflänzchen in den USA zu sehr gefährden und Wirtschaftswachstum benötigt die USA dringend, um die enorme Schuldenlast weiterhin tragen zu können.

Als Ben Bernanke vor einem Monat die Ergebnisse der Fed-Sitzung präsentierte, schlugen die Märkte Kapriolen. Die Ankündigung vom Ende der lockeren Geldpolitik kam bei den Anlegern gar nicht gut an und sorgte für erhebliche Verwerfungen bei Anleihen, Aktien, Währungen und Rohstoffen. Diese waren weitestgehend vorübergehender Natur, nach dem Zurückrudern fingen sich die Märkte. Hartnäckigere Spuren blieben nur an den Anleihemärkten. Doch wie geht es nun weiter?

Wo der Schuh für die Fed drückt, zeigte sich vor einem Monat in der Entwicklung von Zins und Währung, den Schlüsselfaktoren für das weitere Vorgehen. Die Zinsen für US- Treasuries zogen sprunghaft an, der Dollar gewann massiv an Wert. Für die US-Wirtschaft sind das Rahmenbedingungen, die es unbedingt zu vermeiden gilt.

Steigende Kreditzinsen und eine starke Währung sind Gift für die Konjunktur. Insbesondere der heimische Immobilienmarkt und die Exportwirtschaft würden darunter leiden und die aufkeimende Erholung abgewürgt werden. Es liegt daher im Interesse der Notenbank, die Zinsen niedrig zu halten und damit auch der Aufwertung des Dollars entgegenzuwirken.

Auch das mögliche Einsetzen einer durch Niedrigzinsen herbeigeführten Inflation würde den USA nicht schaden, haben sie es in den vergangenen Jahrzehnten doch wiederholt geschafft, sich auf diese Weise zu entschulden. Das Bernanke gestern erstmals auch die Inflation als Maßstab für die weitere Geldpolitik nannte, ist jedoch neu. Und insbesondere die Aussage, eine Teuerungsrate unter zwei Prozent wäre dauerhaft schädlich für die Wirtschaft, lässt tief blicken.

Viele Analysten rechnen dennoch in diesem Jahr mit dem Ende der Anleihekäufe. Rational betrachtet wäre das auch kein Problem, denn dies würde noch lange nicht ein Ende der Niedrigzinspolitik bedeuten. Doch der Spielraum der Fed ist aktuell begrenzt, denn die Märkte geben aktuell den Ton beim Zinsniveau an. Wie brisant die Situation ist, hat sich mit Bernankes Testballon gezeigt, nicht ohne Grund ruderte er wenige Tage später wieder zurück.

Viele Anleger müssen auf der Suche nach Rendite im Niedrigzinsumfeld ungewöhnlich hohe Risiken eingehen, entsprechend nervös handeln sie – zum Ausstieg bereit. Die Konsequenz: Beim leisesten Anzeichen für einen Positionswechsel schießen die Zinsen bereits in die Höhe und das kann gefährlich werden. Zwar sendet die US-Wirtschaft seit geraumer Zeit Erholungszeichen und auch das Wachstum von 1,7 Prozent im letzten Quartal gibt weiter Hoffnung für eine nachhaltige Verbesserung. Ein zu schneller Richtungswechsel kann die Erholung nicht nur abwürgen, sondern auch weit zurückwerfen.

Bernanke bleibt also erst einmal nichts anderes übrig, als die Märkte mit weiterer Liquidität zufriedenzustellen. Doch der Zug rollt weiter und gewinnt damit nur an Fahrt. Bleibt zu hoffen, dass der Steuermann geschickt genug ist, die nächsten Kurven und Loopings zu meistern.

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