Die besseren Aktienfonds

Long-Short-Aktienfonds senken das Risiko gegenüber klassischen Aktienfonds. An die besten transparenten Fonds kommen Anleger ohne Millionen-Konto zwar nur schwer heran. In einige Produkte können sie aber problemlos investieren. „Wenn Sie mir eine Million Euro geben, kann ich rund die Hälfte der Fonds auf der Liste beschaffen“, sagt Thorsten Pörschmann, Hedge-Fonds-Experte von der Bremer Vermögensverwaltung Nordtreuhand. Die Liste, das sind rund 40 Long-Short-Fonds mit Fokus auf die globalen oder europäischen Aktienmärkte, die Steuerdaten liefern und sich damit prinzipiell für deutsche Anleger eignen.
Long-Short-Equity-Manager wetten sowohl auf steigende als auch auf fallende Aktienkurse. Weil sie beides gleichzeitig tun, senken sie im besten Fall das Risiko gegenüber klassischen Aktienfonds und erwirtschaften auch in schwachen Börsenzeiten Erträge. Zu den erfolgreichsten Fonds dieser Kategorie mit deutschen Steuerbescheiden zählt etwa der GLG European Long Short, mit einem Volumen von mehr als 2 Milliarden Dollar Flaggschiff der britischen Fondsgesellschaft GLG Partners. GLGGründer Pierre Lagrange investiert in europäische Aktien, wobei sich Wetten auf steigende und fallende Aktienkurse weitgehend ausgleichen sollen, sodass der Fonds nicht von den Bewegungen des breiten Marktes abhängt.
Ein Ziel, das Lagrange kurzfristig nicht immer erreicht. Mitte August machte der Fonds zum wiederholten Mal Schlagzeilen, weil der Manager allein an den ersten zehn Augusttagen 4,4 Prozent verloren hatte. Ähnlich schlecht war die Bilanz bereits nach den Korrekturen im Mai 2006 ausgefallen. Doch bislang hat Lagrange der- artige Verluste – in der Spitze bis zu 9,5 Prozent – im Jahresverlauf stets wieder aufgeholt. Noch hat der Fonds seit 2001 jedes Kalenderjahr im Plus beendet. Vor allem während der Baisse hat Lagrange bewiesen, dass er mit seinem Fonds Geld verdienen kann.
Ähnlich gut entwickelten sich der von Stephen Pearson gemanagte Jupiter Europa Hedge von der britischen Gesellschaft Jupiter und der Theorema Europe von Theorema Asset Management, der von Giovanni Govi managt wird. „GLG und Jupiter sind etablierte Namen, die für solide Fonds stehen“, kommentiert Andreas Rühl von der Vermögensverwaltung IFL Rühl.
Auch Darrell O’Dea, deutschen Anlegern vor allem als langjähriger Manager des europäischen Aktienfonds Threadneedle European Select Growth bekannt, hat 2000 und 2001 gezeigt, dass er mehr herausholen kann, wenn er auch auf fallende Kurse setzen darf. Anders als den European Select, der 2001 über 19 Prozent und 2002 27,4 Prozent einbüßte, hielt der Threadneedle- Manager den Hedge-Fonds European Crescendo stets im Plus.

Elisabeth Weisenhorn: Starke Schwankungen

Mit einem maximalen Verlust von 7,4 Prozent im Sommer dieses Jahres steht O’Dea zwar nicht besser da als Lagrange. Langfristig überzeugen die zwei Fonds aber viel mehr als andere Fonds der Kategorie mit ähnlich langer Geschichte. So verlor etwa die ehemalige DWS-Managerin Elisabeth Weisenhorn mit ihrem European Pearl Fund 2002 fast 21 Prozent. Auch wenn sie im folgenden Jahr mit einer Performance von über 50 Prozent glänzte: Derartige Schwankungen sind nicht das, was Anleger von einem Long-Short-Fonds erwarten sollten. Zumal ein Investment teuer ist: Weisenhorn verlangt 500.000 Euro, Threadneedle die Hälfte, Jupiter und GLG wollen je 100.000 Euro.
Günstiger kommen Anleger an zwei in Deutschland auf - gelegte Long-Short-Fonds. Der vom ehemaligen Union-Investment-Manager Christoph Bruns gemanagte Loys Global MH ist bereits ab 5.000 Euro zu haben, den DWS Hedge Long-Short Opportunistic gibt es ohne Mindestanlage.
Konzentriertes Portfolio mit hohem Risiko

Bruns managt den Hedge-Fonds der Oldenburger Fondsgesellschaft Loys im gleichen Stil wie seinen globalen Aktienfonds Loys Global fürs breite Publikum. Beim Loys Global MH profitiert er aber von den größeren Freiheiten, die ihm die Hedge-Fonds-Regeln lassen: Bruns setzt mit seinem Hedge-Fonds auf ein noch konzentrierteres Portfolio, als er es mit dem globalen Aktienfonds ohnehin tut. Short-Positionen sind dagegen die Ausnahme.
Daher ist der mit drei Goldmedaillen von Sauren Fonds Research ausgezeichnete Hedge-Fonds-Manager abhängig von den Trends an den Aktienmärkten. Im August und September verlor er 5,8 Prozent; im vergangenen Jahr verhagelten ihm Verluste von 8,1 Prozent, die er zwischen April und Juli einfuhr, das Jahresergebnis (2,7 Prozent). Eckhard Sauren, der mit seinen Dachfonds für gut ein Drittel des Volumens des Bruns-Fonds gesorgt hat, bescheinigt Manager Bruns denn auch ein „signifikantes Marktexposure“.
Etwas weniger von Börsentrends beeinflusst ist der DWS Hedge Long-Short Opportunistic. Der Fonds, dessen Manager Jan Viebig immerhin zwei von Saurens Medaillen bekommt, ist ein deutlich defensiveres Produkt. Viebig managt den Fonds zwar etwas offensiver als das marktneutrale Pendant DWS Hedge Equity Market Neutral, geht aber auch mit dem gelegenheitsorientierten Fonds keine allzu großen Wetten ein. „Der Unterschied zwischen den beiden Fonds ist, dass ich mit dem Opportunistic auch mal direktionale Marktwetten eingehen darf, also je nach Markteinschätzung überwiegend Kauf- oder Verkaufspositionen tätigen darf.“ Doch auch da gelten Grenzen: Maximal 50 Prozent darf der Nettoanteil von Long- oder Short-Positionen betragen. Ist Viebig zu 100 Prozent in den Aktienmarkt investiert, muss er mit 50 Prozent des Fondsvolumens auf fallende Kurse wetten.
Folge: deutlich geringere Verluste als Bruns im Sommer, dafür aber auch ein bislang magerer Ertrag von gerade 2,7 Prozent seit Jahresbeginn. Mit seinem marktneutralen Fonds, den Anleger ebenfalls problemlos kaufen können, hat Viebig sein Ziel im laufenden Jahr allerdings nicht erreicht. Trotz der Marktunabhängigkeit ist er mit dem Fonds deutlich ins Minus gerutscht, sodass dieser trotz eines fulminanten Starts 2005 nur begrenzt als Alternative zu den Top-Long-Short-Fonds taugt.

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