Sven Stoll
18.03.2024

Nebenwerte im Rampenlicht Die besten Fonds und ETFs für die heimlichen Börsenzwerge weltweit

Comeback-Chance für Aktienzwerge
Comeback-Chance für Aktienzwerge: An den globalen Börsen steht eine Vielzahl von Small Caps im Schatten weniger Mega Caps. Dieses Missverhältnis bietet nach Ansicht von Experten Chancen.
© Sven Stoll mit Canva KI

Der deutsche Leitindex Dax hat in der vergangenen Woche Börsengeschichte geschrieben: Erstmals knackte er die Marke von 18.000 Punkten. Seit dem Tiefpunkt während des Corona-Crashs hat sich der Wert der deutschen Top-Konzerne verdoppelt. Und auch in anderen Regionen der Welt jagen die Indizes immer neuen Höchstständen entgegen.

Historisch günstige Nebenwerte: Potenzial im Schatten der Giganten

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Allerdings wird die aktuelle Rally ungewöhnlich stark von einigen wenigen Aktien getrieben, vor allem von Blue Chips aus dem Technologiesektor. Viele andere Titel haben daher Aufholpotenzial. Das gilt vor allem für die Börsenzwerge aus der zweiten und dritten Reihe. So ist der M-Dax, der die mittelgroßen deutschen Unternehmen abbildet, noch weit von neuen Rekordmarken entfernt. Aktuell notiert der Nebenwerteindex mit rund 26.330 Punkten fast 20 Prozent niedriger als noch vor drei Jahren. Seinen bisherigen Höchststand hatte der M-Dax im August 2021 mit einem Stand von 36.427 Punkten markiert.

Weltweit sieht es nicht viel besser aus. Während der MSCI World über drei Jahre ein Plus von fast 40 Prozent aufweist, liegt der MSCI World Small Cap mit einem Plus von 9 Prozent rund 30 Prozentpunkte zurück. Erschwerend kommt hinzu, dass kleinere Werte auch anfälliger für konjunkturellen Gegenwind sind. Deshalb notieren viele der Börsenzwerge weit unter ihren einst erreichten Höchstständen. „Normalerweise werden Small & Mid Caps aufgrund ihrer höheren Wachstumschancen am Markt mit einem Aufschlag gegenüber Large Caps gehandelt“, betont Charlotte Friedrichs, Managerin des CT Global Smaller Companies. Aktuell werden sie jedoch mit einem Abschlag gehandelt.

Dies lässt sich unter anderem am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ablesen. So liegt das des MSCI World bei 21,68, das des MSCI World Small Cap nur bei 15,24.

Doch werden die Unternehmen aus der zweiten Reihe, die immer etwas zeitverzögert, dafür aber etwas stärker reagieren, den Kurssprüngen der Blue Chips folgen?

Die Experten von Columbia Threadneedle halten das Zinsumfeld mit den in Aussicht gestellten Zinssenkungen der Notenbanken jedenfalls für förderlich. „Die Unternehmen in unserem Portfolio haben keine Refinanzierungsprobleme und sind attraktiv bewertet. Aufgrund dieser Faktoren sind wir insgesamt sehr optimistisch für Aktien im Nebenwertesegment“, betont Friedrichs.

Frühindikatoren deuten auf Wachstum hin

Auch Stéphanie Bobtcheff, Fondsmanagerin des Nebenwertefonds Echiquier Agenor SRI Mid Cap Europe, ist überzeugt, dass wichtige Frühindikatoren für eine positive Entwicklung der Nebenwerte sprechen. Die rückläufige Inflation in der Eurozone, steigende Kapitalzuflüsse und eine Belebung des M&A-Marktes (Fusionen und Übernahmen) deuten auf eine mögliche Aufwärtsbewegung hin. Small Caps könnten ebenso wie Large Caps von wichtigen Trends wie der Digitalisierung und steigenden Gesundheits- und Energieausgaben profitieren.

 

Aktive Fonds oder ETFs für Nebenwerte: Vor- und Nachteile

Anleger stehen oft vor der Entscheidung, ob sie in aktive Fonds oder in ETFs für Nebenwerte investieren sollen. Beide Anlageinstrumente bieten Vorzüge und Nachteile, die es zu beachten gilt.

  • Aktive Fonds, die von professionellen Fondsmanagern verwaltet werden, bieten die Möglichkeit, von deren Expertise und Analysefähigkeiten zu profitieren. Studien haben gezeigt, dass aktives Management in bestimmten Märkten oder Sektoren, wie zum Beispiel bei Nebenwerten, häufiger in der Lage ist, die zugrunde liegende Benchmark zu schlagen. Dies ist vor allem dort möglich, wo Informationsungleichgewichte bestehen und somit nicht alle Marktinformationen allen Marktteilnehmern unmittelbar zur Verfügung stehen. Allerdings sind damit auch höhere Kosten wie Managementgebühren und Transaktionskosten verbunden. Zudem besteht das Risiko, dass nicht alle Fondsmanager den Markt übertreffen können und die Performance von der Qualität des Managements abhängt.
  • Indexfonds bieten eine breite Streuung von Nebenwerten zu vergleichsweise niedrigen Kosten. ETFs bilden einfach die Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index ab und benötigen keine teuren Fondsmanager. Allerdings reagieren ETFs nicht aktiv auf Marktentwicklungen und können daher weniger flexibel sein. Ihre Performance ist direkt an die des Index gekoppelt, was bedeutet, dass sie den Markt nicht unbedingt übertreffen.

Letztendlich hängt die Wahl zwischen aktiven Fonds und ETFs von den individuellen Anlagezielen, der Risikobereitschaft und den Präferenzen ab. Einige Anleger bevorzugen die potenzielle Outperformance und das aktive Management von Fondsmanagern, während andere die breite Diversifikation und die niedrigeren Kosten von ETFs vorziehen. Eine sorgfältige Abwägung der Vor- und Nachteile kann helfen, die richtige Entscheidung für die eigene Anlagestrategie zu treffen. Es kann auch sinnvoll sein, beide Anlageinstrumente zu kombinieren, um von den jeweiligen Vorteilen zu profitieren.

Die besten Small-Cap-ETFs der Welt:

Die besten Small-Cap-Fonds der Welt:

Lerne die genannten Fonds und ETFs auf den folgenden Seiten im Detail kennen und finde heraus, in welchen Regionen ETFs oder aktive Fonds besser abgeschnitten haben. Die Rangliste ist nach Regionen und der Performance der vergangenen fünf Jahre geordnet. Ein Klick auf die ISIN bringt dich zu den Fondsporträts mit mehr Facts zu jedem Fonds.

Stand der Daten: 18. März 2024

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