Anleihen werfen wieder Renditen ab und feiern ihr Comeback in globalen Anlageportfolios. Ein guter Grund, nach längerer Zeit einmal wieder einen Crashtest zu globalen Rentenfonds durchzuführen. Konzentriert haben wir uns dabei auf die Euro-Varianten von globalen Staatsanleihenfonds mit gemischten Laufzeiten. Die Gruppe ist mit acht Teilnehmern sehr klein, aber dennoch vielfältig, wie schon die drei Gewinner-Fonds zeigen. Eine Gemeinsamkeit ist ihre Klassifizierung nach Artikel 8, wobei einer der drei Fonds das Thema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt gerückt hat.

Trichter November

Rang Fondsname ISIN Punkte Gesamt Punkte Performance Punkte Stresstest Punkte Aktives Management Performance 5 Jahre Maximaler Verlust 5 Jahre Fondsvolumen in Mio EUR
1 Bluebay Global Sovereign Opportunities EUR LU1354249358 56 21 11 24 13.01 19.51 385
2 Ampega Global Rentenfonds DE0008481086 51 18 25 8 -1.74 12.42 81
3 Warburg Global Fixed Income DE0009784736 48 20 13 15 -0.62 14.05 14
4 DPAM Bonds Government Global LU1515112016 28 13 9 6 -4.48 18.14 300
5 JPM Global Government Bond LU0406674076 24 10 13 1 -8.01 18.99 2929

>>Zum Gesamt-Ranking des Crashtests mit 3 weiteren Fonds  

Auf Platz 1 landet der Bluebay Global Sovereign Opportunities. Der Fonds hat zwar den höchsten Volatilitätswert, bei der Performance lässt er den Rest des Feldes allerdings weit hinter sich. Selbst im üblen Aktien- und Rentenmarktjahr 2022 hat der Fonds von RBC Bluebay, einer Tochter der Royal Bank of Canada, seinen Anlegern ein Plus beschert. Möglich macht dies die flexible Strategie. Fondsmanager Russel Matthews verfolgt eine Global-Macro-Strategie mit Absolute-Return-Ansatz. Er fokussiert sich auf globale Staatsanleihen inklusive Emerging-Markets sowie auf globale Zinsen und Währungen. Er kann den gesamten Instrumentenkasten aus klassischen Anleihen und Derivaten nutzen und diese für Long- und Short-Positionierungen einsetzen.

Dank dieses flexiblen Ansatzes hatte der Fonds im Gegensatz zu klassischen Rentenfonds keine Probleme mit den steigenden Zinsen. „Uns ist egal, ob Renditen und Spreads steigen oder fallen, auch ihre Höhe spielt für uns keine Rolle. Wir ziehen Alpha aus der Volatilität der Märkte“, erläutert Matthews, der Marktschwankungen als Freund betrachtet. Dazu gehört aber auch das richtige Händchen – und das hatte der Fondsmanager 2022.

So hat beispielsweise die Short-Duration-Ausrichtung zur Outperformance beigetragen, aber auch der Kauf von Staatsanleihen aus dem Oman sowie Short-Positionen auf europäische Peripherie-Anleihen. „Mithilfe unseres hauseigenen Researchs können wir Gewinner und Verlierer von Marktentwicklungen identifizieren und die Chancen von beiden nutzen“, so Matthews.

In der aktuellen Phase hoher Ungewissheit ist er bei großen direktionalen Wetten im Makrobereich sehr zögerlich. „Wir tendieren zu einer kurzen US-Duration, da wir hinsichtlich der Entwicklung der US-Leitzinsen grundsätzlich negativ eingestellt sind“, sagt Matthews. Eine klarere Chance sieht er in Japan, wo die Bank of Japan die Zinsen künstlich niedrig gehalten hat: „Wir gehen davon aus, dass die japanischen Zinssätze mittelfristig steigen werden, und setzen daher dort auf kurze Duration.“ Insgesamt wählt er im aktuellen Umfeld Gewinner und Verlierer lieber bottom-up aus, etwa in den Emerging Markets oder europäischen Peripherieländern.

Der zweitplatzierte Ampega Global Rentenfonds investiert traditionell in Anleihen öffentlicher Emittenten und ist mit der geringsten Volatilität und dem niedrigsten Maximum Drawdown Sieger im Teilbereich Stresstest. Seit dem Jahr 2020 rückt das Thema Nachhaltigkeit immer stärker in den Fokus des Fonds. Seitdem investiert Fondsmanager Oliver Jepsen zunehmend in Green Bonds, Social Bonds und Sustainable Bonds, die eine Mischung aus ökologischen und sozialen Projekten finanzieren. Ihr Anteil liegt mittlerweile bei rund 85 Prozent. Für 2024 ist angestrebt, dass der Fonds alle notwendigen Anlagekriterien für einen Artikel-9-Fonds erfüllt.

Jepsen investiert auch in Staatsanleihen, bevorzugt jedoch staatsnahe Adressen. „Supranationale Emittenten sowie diverse Entwicklungs- und Förderbanken bieten häufig einen attraktiven Renditeaufschlag gegenüber reinen Staatsanleihen“, so der Fondsmanager. Währungsseitig dominieren im Fonds Euro, US-Dollar und Britisches Pfund. Andere Währungen, auch aus den Emerging Markets, werden beigemischt.

 

 

 

Mit einer aktiven Durationssteuerung in den drei Kernwährungen will Jepsen die Performance optimieren. „Der Fonds war in den vergangenen Jahren mit Blick auf das Zinsänderungsrisiko im Vergleich zu globalen Rentenindizes vorsichtig positioniert. Im Zinsanstieg 2022 haben wir die Duration im vierten Quartal zeitweise deutlich unter 4 Jahre reduziert“, so Jepsen. In diesem Jahr hat er die Duration wieder um bis zu 2 Jahre verlängert. 

Ähnlich wie der Ampega-Fonds hat auch der drittplatzierte Warburg Global Fixed Income seine Ausrichtung in den vergangenen Jahren geändert. Bis 2020 investierte er unter dem Namen Warburg Renten Plus schwerpunktmäßig in europäische Unternehmensanleihen, die durch Wandelanleihen ergänzt wurden. Jetzt setzt der Fonds global auf den Staatsanleihemarkt, vornehmlich auf Industrieländer.

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Die Allokation, inklusive der Laufzeit- und Währungsallokation, erfolgt nach klar definierten Parametern. Inflationsgeschützte Anleihen gehören zum Repertoire des Fonds. Fremdwährungsanlagen werden sowohl gesichert als auch ungesichert eingesetzt. „Derzeit bieten währungsgesicherte Anleihen, beispielsweise in Schweizer Franken, für einen Euro-Investor einen guten Pick-up“, sagt Fondsmanager Martin Hattwig. Neben direktionalen Strategien kommen auch Relative-Value-Strategien zum Einsatz.

Auf die Zinswende war der Fonds früh vorbereitet. Schon im August 2021 wurden die Laufzeiten verkürzt. „Seit Umsetzung der neuen Strategie haben wir die Duration zwischen 9 und 1,5 Jahren ausgesteuert“, so Hattwig. Zudem nutzte er 2020 die günstige Bewertung, um inflationsgeschützte Anleihen zu kaufen. Ihr Anteil lag in der Spitze bei rund 10 Prozent. Beide Aktionen sowie frühzeitige Wetten auf die Inversion der Zinsstrukturkurve in den USA und Deutschland trugen zur vergleichsweise guten Wertentwicklung des Fonds bei.

Mittlerweile hat Hattwig das Gewicht der inflationsgeschützten Anleihen heruntergefahren. Die Duration steuert er im aktuellen Umfeld weiter aktiv und hat sie jüngst auf rund sechs Jahre angehoben. Die Qualität im Portfolio wurde über Bundesanleihen und US-Staatsanleihen erhöht. Ein Investment in Staatanleihen hält der Warburg-Manager derzeit für attraktiv – insbesondere dank der sehr günstigen Bewertungen. „Aktuell beträgt die Dividendenrendite im S&P 500 rund 1,6 Prozent. Zehnjährige US-Staatsanleihen hingegen bieten eine Nominalrendite von 4,3 Prozent und eine Realrendite von etwa 2 Prozent“, begründet er.