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Tops und Flops Die besten und schlechtesten Fonds im ersten Halbjahr

Tops und Flops
Tops und Flops: Bitcoin, Technologie und Griechenland sorgten im ersten Halbjahr für satte Gewinne. Schlecht lief es für Anleger, die in China und der Türkei investierten. | Foto: Sven Stoll mit Canva

Das Börsenjahr 2023 ist bisher erstaunlich gut verlaufen. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man die Ereignisse der zurückliegenden Monate betrachtet. Die Inflation zeigt sich hartnäckiger als erwartet und dies trotz des schnellen Zinserhöhungszyklus der wichtigsten Notenbanken weltweit.

Börsen sind erstaunlich stabil

„Obwohl die Fed die Zinsen seit März 2022 um nicht weniger als 5 Prozentpunkte angehoben hat, halten sich die Volkswirtschaften relativ gut. Angesichts der robusten Verfassung der Wirtschaft gehen wir davon aus, dass die erwartete Lockerung der Zinsen erst im nächsten Jahr kommen wird“, schätzt Rentenfondsmanager Mark Nash von Janus Henderson. Entscheidend für das endgültige Zinsniveau ist seiner Ansicht nach die Entwicklung am Arbeitsmarkt. „Hier wird sich entscheiden, wie der aktuelle Zinserhöhungszyklus endet, da Faktoren wie das Lohnwachstum, die Inflation, die Hauspreise und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage alle mit dem Arbeitsmarkt zusammenhängen“, so Nash.

Dass sich die Börsen so gut gehalten haben, ist auch deshalb erstaunlich, weil die Weltwirtschaft im März nur knapp an einer neuen Bankenkrise vorbeigeschrammt ist. Die Krise wurde durch die Schieflage der Silicon Valley Bank ausgelöst, weitete sich aus und führte schließlich zur Zwangsübernahme der Crédit Suisse durch die UBS. Die Silicon Valley Bank geriet in Schwierigkeiten, weil sie in der Niedrigzinsphase viel Geld in langlaufende US-Staatsanleihen investiert hatte, die mit der Zinswende dramatisch an Wert verloren. Gleichzeitig zogen vor allem vermögende Kunden der Bank in kurzer Zeit viel Geld ab. Für den breiten Aktienmarkt war der März daher eine der schwierigsten Phasen des bisherigen Börsenjahres.

 

Dax im Aufwärtstrend: Kurzer Einbruch und neues Allzeithoch

Der Dax, der sich seit Herbst 2022 in einem steilen Aufwärtstrend befand, brach zu dieser Zeit kurzzeitig bis auf rund 14.700 Punkte ein. Danach setzte jedoch eine kräftige Aufwärtsbewegung ein, die den deutschen Leitindex auf ein neues Allzeithoch von über 16.300 Punkten hievte. Im Juni betrug das Plus gut 3 Prozent und im ersten Halbjahr sogar 16 Prozent. Viele aktive Fonds konnten mit dieser Entwicklung nicht mithalten. Vor allem Nebenwertefonds wie der Allianz Nebenwerte Deutschland, der Berenberg Aktien Mittelstand oder der pfp Aktien Mittelstand Deutschland hinken der Entwicklung mit einstelligen Resultaten hinterher.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Zu den besten deutschen Aktienfonds im laufenden Jahr zählt mit einem Plus von 15 Prozent der S4A Pure Equity Germany. Das Team um Fondsmanager Christian Funke arbeitet mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Kapitalmarktforschung. Für den Fonds konzentriert sich das Team auf rund 180 deutsche Aktien. Zu den Auswahlkriterien gehören zum einen Faktoren wie die Bewertung, die Profitabilität und das Insolvenzrisiko der Unternehmen. Auf der anderen Seite fließen Ereignisse wie Akquisitionen, Übernahmen und Kapitalerhöhungen in die Anlageentscheidungen ein. Das systematische und regelgebundene Modell der Frankfurter nutzt diese Kriterien, um unattraktive Aktien auszusortieren. Aktuell sind die Aktien von Hannover Rück, Symrise und MTU Aero Engines in den Top 10 vertreten. Der im Dezember 2013 aufgelegte Fonds hat einen Dax-ETF seit seiner Auflage um fast 20 Prozentpunkte übertroffen.

Hype um Chat GPT und künstliche Intelligenz treibt Technologiewerte an

 

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Globale Aktien, gemessen am MSCI World, verteuerten sich in der ersten Jahreshälfte um 13 Prozent. Viele Anleger spekulierten in der ersten beiden Quartalen darauf, dass die Notenbanken zur Jahresmitte ihren Zinsgipfel erreichen würden und erste Zinssenkungen bevorstehen könnten. In einer Art Vorfreude legten vor allem Technologieaktien kräftig zu. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da senkten viele Analysten den Daumen für den Sektor. Ihr Argument: Die hohen Zinsen kämen den oft auf Fremdkapital angewiesenen Wachstumsunternehmen teuer zu stehen. Doch auch Experten irren sich manchmal.

Der Technologieindex Nasdaq stieg im Jahresverlauf um fast 40 Prozent und damit so stark wie noch nie in seiner 38-jährigen Geschichte, getrieben vom Hype um Chat GPT und künstliche Intelligenz. „Offensichtlich haben die Investoren nach dem wilden Boom der Jahre 2020 und 2021 noch nicht genug von der Jagd nach heißen Stories. Langfristig ist das aber ein schlechtes Geschäft. Die meisten dieser Aktien generieren keine freien Cashflows und verschwinden irgendwann sang- und klanglos wieder in der Versenkung“, kommentiert Value-Investor Peter Frech das Börsentreiben.

Statt Wachstumsstars hinterherzujagen, sucht und kauft der Fondsmanager des Quantex Global Value niedrig bewertete Unternehmen, da er davon überzeugt ist, dass die meisten Anleger den wahren Wert dieser Unternehmen unterschätzen. Derzeit ist der Fonds vor allem in Öl- und Gasunternehmen, Tabakfirmen, Kohleunternehmen und Brauereien investiert. Die größten Positionen sind Petrobras, Shell und Ambev. Das Thema Nachhaltigkeit spielt für den Value-Fonds also keine Rolle. Über zehn Jahre gehört der Fonds mit einem Plus von 324 Prozent zu den Top-3-Fonds in diesem Zeitraum. In diesem Jahr liegt er mit plus 5 Prozent im unteren Mittelfeld und kann mit den derzeit wieder gefragten Growth-Fonds nicht mithalten. Wachstumsorientierte Portfolios wie der Morgan Stanley Global Opportunity und der DWS Artificial Intelligence legten im Jahresverlauf um rund ein Drittel zu. Die beiden Fonds belegen in der Statistik der globalen Aktienfonds über zehn Jahre die Plätze eins und zwei.

Branchenfonds als Wettspiel: Chancen und Risiken im Auge behalten

Noch besser lief es für reine Technologiefonds, insbesondere wenn sie Aktien von Nvidia oder Tesla im Portfolio hatten. Viele Fonds, darunter auch die der bekannten deutschen Tech-Investoren Jan Beckers und Frank Thelen, legten um 50 Prozent und mehr zu. In ihren Portfolios setzen sie auf mögliche Megatrends der Zukunft wie Blockchain, 3D-Druck oder künstliche Intelligenz. Ihr Ziel: Mega-Erfolgsunternehmen zu finden, die das Potenzial haben, das nächste Google, Apple oder Facebook zu werden. Doch wer jetzt mit den Gewinnerfonds oder ETFs des ersten Halbjahres liebäugelt, sollte dies mit einer gesunden Portion Skepsis tun. Denn wer in reine Sektorfonds investiert, sei es Wasserstoff, künstliche Intelligenz, Robotik oder was auch immer, geht immer auch eine Wette ein, dass genau dieser Bereich in den nächsten Jahrzehnten weiter boomen wird.

Die Fondsindustrie schürt das Interesse und den Hype, indem sie entsprechende Themen- und Sektorfonds prozyklisch und nicht selten nahe am Peak auflegt. Mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit liegen die meisten Anleger damit langfristig falsch. Der einfache Grund: Die hohen Renditeerwartungen der Anleger sind bereits in den Kursen eingepreist. Um weiterhin überdurchschnittliche Renditen zu erzielen, müsste die Branche noch besser abschneiden als ohnehin schon erwartet. Wie das enden kann, zeigen unzählige Beispiele aus der Vergangenheit und meist ein Blick auf die Gewinner des Vorjahres: Fondsportfolios, die in einem Jahr exorbitante Gewinne erzielen, um im nächsten Jahr unter die Räder zu kommen und umgekehrt sind eher die Regel als die Ausnahme.

Neben dem Technologiesektor gehörten zyklische Konsumgüter und Kommunikation zu den am besten performenden Branchen im ersten Halbjahr 2023. Auf Länderebene schnitten Aktien aus Griechenland (+36 Prozent), Mexiko (+25 Prozent), Italien (+22 Prozent), Taiwan (+17 Prozent) und Frankreich (+17 Prozent) sehr gut ab.

 

Bitcoin dominiert die Märkte: Krypto-Währung übertrifft klassische Anlageklassen

Und dann ist da noch der Bitcoin. Kaum eine klassische Anlageklasse konnte der digitalen Währung in den ersten beiden Quartalen das Wasser reichen. Der Kurs hat sich mit einem Plus von über 80 Prozent mehr als verdoppelt. Und das, nachdem noch im November 2022 mit der FTX eine der größten Kryptobörsen in die Knie ging und Anleger verschreckte. Besonders gefragt sind derzeit Blockchain-ETFs, die auf Investitionen in Kryptoassets spezialisiert sind, wie der Vaneck Crypto and Blockchain Innovators ETF. Auf Wochensicht legte der passive Fonds um 13 Prozent zu, seit Jahresbeginn sind es mittlerweile 168 Prozent. Welche ETFs am besten abgeschnitten haben, erfährst du in diesem Ranking.

Vieles, was 2022 wirklich gut lief, ob Energie, Türkei, Versorger oder Gesundheit, findet sich 2023 dagegen auf den hinteren Rängen wieder.

Diese aktiven Fonds waren in diesem Jahr bislang keine gute Idee:

Fondsname ISIN Wertentwicklung im 1. Halbjahr
IQuam Strategic Commodity Fund AT0000A04UL2 -21,2 Prozent
Akbank Turkish Equities LU0366551272 -21,1 Prozent
China Healthcare Fund DE000A2P37G3 -20,9 Prozent
Cansoul Hanf Aktien Global LI0514446843 -20,5 Prozent
BNP Paribas Ecosystem Restoration LU2308191738 -19,6 Prozent
Carmignac China New Economy LU2295992320 -18,1 Prozent
Meag Euro Balance DE000A2N8GN0 -16,4 Prozent
Odey Swan Fund IE00B988MM46 -15,0 Prozent
Morgan Stanley China Equity Fund LU2025529517  -14,8 Prozent

China-Fonds als Verlierer: Politische Unsicherheit und Volatilität belasten

Zu den Verlierern seit Jahresbeginn gehören auch viele China-Fonds. Die ständige Gefahr einer Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Reich der Mitte schreckt von Investitionen in chinesische Unternehmen ab. Zuletzt sorgte das von den USA verhängte Exportverbot für neueste Chiptechnologie für Aufsehen. Die US-Regierung scheint davon überzeugt zu sein, das Wachstum Chinas auf diese Weise wirksam bremsen zu können. Dass aber China am längeren Hebel sitzt, weil es diese Chips ohne die Rohstoffe aus China gar nicht gäbe, scheint man nicht zu Ende gedacht zu haben. Die Reaktion Chinas ließ nicht lange auf sich warten und trifft möglicherweise nicht nur die USA, sondern den gesamten Westen.

China wird ab August die Ausfuhr von seltenen Erden beschränken (Gallium und Germanium). Für die Ausfuhr dieser Rohstoffe sind dann Lizenzen erforderlich, die vom Handelsministerium ausgestellt werden. Um dies zu begründen, hat sich China von der Argumentation der USA inspirieren lassen und behauptet, dass es um die nationale Sicherheit gehe. Das ist insofern richtig, als seltene Erden nicht nur für Elektrofahrzeuge und Solarmodule benötigt werden, sondern auch für Waffensysteme. Letzteres ist vor allem mit Blick auf den drohenden Taiwan-Konflikt interessant. Denn mit der neuen Regelung bestimmt China ein Stück weit, wer weltweit noch moderne Waffensysteme produzieren darf. Der Handelskrieg zwischen den Supermächten geht damit in die nächste Runde. Die politische Unsicherheit bleibt also. Andererseits sind chinesische Aktien günstig bewertet und die Wirtschaft rückt nach den Lockdown-Maßnahmen wieder in den Vordergrund.

 

Der Internationale Währungsfonds rechnet für das Reich der Mitte in diesem Jahr mit einem Wachstum von 5,2 Prozent. Eine Stütze der Konjunktur ist auch der Konsum. In den Corona-Jahren haben die Chinesen fleißig Geld auf die hohe Kante gelegt. Und auch das langfristige Wachstumspotenzial ist enorm: In China lebt ein Fünftel der Weltbevölkerung. Es ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Experten rechnen damit, dass China in den kommenden Jahren die USA als weltweit größte Wirtschaftsmacht ablösen wird.

Market Access China Minimum Variance: Einer der besten China-Portfolios

 

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Zu den besten China-Portfolios zählt derzeit der Market Access China Minimum Variance ETF. Im laufenden Jahr liegt der ETF mit über 6 Prozent im Plus, auf Jahressicht sind es immerhin fast 20 Prozent. Die Strategie zielt darauf ab, das Portfoliorisiko zu minimieren, negative Marktphasen abzufedern und so langfristig höhere Renditen zu erzielen. Aus dem chinesischen Aktienuniversum werden nur diejenigen Titel ausgewählt und kombiniert, die in ihrer Risikokombination das geringste Rückschlagpotenzial gegenüber dem Markt erwarten lassen. In der risikooptimierten Strategie zählen derzeit Finanzwerte, Basiskonsumgüter und Industriewerte zu den Top-Sektoren. Hoch gewichtete Einzeltitel sind China Construction Bank, Bank of China, Foxconn sowie Daqin Railway.

Doch wie wird das restliche Jahr?

Weltweit kratzen die Aktienindizes an ihren Höchstständen oder haben diese bereits überschritten. Die Verluste des Vorjahres sind vielfach bereits Geschichte. Der Höhenflug, insbesondere in den USA, wird jedoch von wenigen Titeln getragen, was den Markt anfällig für Korrekturen machen könnte. Zudem sind gerade diese Titel nicht mehr günstig. „Rein statistisch ist ein Rücksetzer des S&P 500 überfällig. Im Durchschnitt fällt er seit dem Zweiten Weltkrieg alle 47 Handelstage um mehr als drei Prozent unter sein jeweiliges Zwischenhoch. Seit Mitte März ist das aber nicht mehr passiert“, sagt Frank Fischer, Fondsmanager des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen.

In seinem aktuellen Marktkommentar verweist der Experte auf die Sentimentanalyse von Sentix. Das Institut habe in seiner jüngsten Umfrage festgestellt, dass bereits bei leichten Rückschlägen im S&P 500 schnell Angst unter den Anlegern aufkomme. Statistisch gesehen sei dieses Stimmungsniveau ein klares antizyklisches Kaufargument - insbesondere auf Sicht der nächsten acht Wochen. Ein Stimmungseinbruch von minus 35 Prozentpunkten innerhalb einer Woche sei bereits als Warnsignal zu werten. Ähnlich vorsichtig ist die Umfrage auch für den Dax und die Indizes in der Euroland-Region. Hierzulande lassen zumindest die Bewertungen noch Spielraum nach oben. So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Dax mit gut 11 immer noch unter dem langfristigen Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Viele Analysten sehen für die Aktienmärkte bis zum Jahresende aber keine großen Chancen mehr. Für den S&P 500, der aktuell bei 4.449 Punkten steht, wird ein durchschnittliches Kursziel von 4.050 Punkten erwartet, was einem Rückgang von rund 7 Prozent entsprechen würde. Auch für den Dax haben die Analysten keine großen Erwartungen mehr. Das Kursziel für Dezember liegt bei 15.600 Punkten, wie Bloomberg berichtet.

Nachfolgend präsentieren wir die 20 besten aktiv verwalteten Fonds des ersten Halbjahres. Der Spitzenreiter konnte seinen Einsatz glatt verdoppeln. Ein Plus von immerhin 35 Prozent schaffte der Fonds auf Platz 20. In Fremdwährung gehedgte und institutionelle Fondsklassen haben wir nicht berücksichtigt

Stand aller Daten: 03. Juli 2023

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