Der Krieg in der Ukraine dauert an, der Nahe Osten ist in Aufruhr und Europa rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Diese Gemengelage schlägt sich unmittelbar an den Kapitalmärkten nieder: Aktien-ETFs auf den Rüstungssektor gehören 2026 zu den meistgefragten Themeninvestments überhaupt.

Der Morningstar Global Aerospace & Defense Index legte von Jahresbeginn bis zum 19. März in Euro um 7,8 Prozent zu. Zum Vergleich: Der breite Morningstar Global Markets Index stieg im gleichen Zeitraum um lediglich 0,7 Prozent. Schon 2025 hatte der Rüstungssektor mit einem Plus von 36,8 Prozent beeindruckt.

Zeitenwende als Katalysator

Den entscheidenden Impuls gab die Politik – auf europäischer wie auf nationaler Ebene. Anfang März 2025 stellte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Plan „ReArm Europe“ vor, der bis 2030 bis zu 800 Milliarden Euro für europäische Verteidigungsausgaben mobilisieren soll. Der Europäische Rat billigte den Plan noch im selben Monat.

Parallel dazu verabschiedete der Deutsche Bundestag am 18. März 2025 eine Grundgesetzänderung, die Verteidigungsausgaben weitgehend von der Schuldenbremse ausnimmt. Die Zeitenwende, die Bundeskanzler Olaf Scholz kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 ausgerufen hatte, bekam damit auf nationaler wie europäischer Ebene eine neue finanzielle und rechtliche Grundlage.

Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten. Seit März 2025 flossen laut Morningstar-Daten rund 10,5 Milliarden Euro an Nettomitteln in europäische Rüstungs-ETFs. Allein im Januar 2026 waren es 1,1 Milliarden Euro, im Februar weitere 900 Millionen – und das trotz zwischenzeitlicher Marktverwerfungen.

Angebot verdreifacht, Volumen vervielfacht

Mit den Zuflüssen wuchs auch das Produktangebot. Seit der Beschleunigung des politischen Kurses vor einem Jahr kamen zwölf neue Verteidigungs-ETFs in Europa auf den Markt. Europäische Anleger können inzwischen aus 19 verschiedenen Produkten wählen – die meisten davon erst 2025 aufgelegt. Das verwaltete Vermögen im Segment stieg von 3,7 Milliarden Euro Ende Februar 2025 auf heute rund 17,5 Milliarden Euro – getrieben nicht nur durch Zuflüsse, sondern auch durch die starke Kursentwicklung der zugrunde liegenden Aktien.

Größter Rüstungs-ETF in Europa ist derzeit der Vaneck Defense ETF mit einem verwalteten Vermögen von rund 8 Milliarden Euro. Dahinter folgt der Wisdomtree Europe Defence ETF mit rund 4,9 Milliarden Euro – obwohl er erst Anfang März 2025 aufgelegt wurde.

Globale Ausgaben auf Rekordkurs

Den wichtigsten Investitionsanreiz beschreibt Morningstar-Analyst Valerio Baselli schlicht: Mehr geopolitische Spannungen führen zu höheren Verteidigungshaushalten – und damit zu mehr Umsatz für Rüstungsunternehmen. Laut dem Marktforschungsunternehmen Forecast International werden die weltweiten Verteidigungsausgaben bis Ende 2026 voraussichtlich 2,6 Billionen US-Dollar erreichen, ein Anstieg von 8,1 Prozent gegenüber 2025.

Morningstar zufolge hat sich der Sektor inzwischen gewandelt: von einem zyklischen Segment, das allein auf geopolitische Spannungen reagiert, zu einem strukturellen Bestandteil globaler Portfolios. Zu den größten Kursgewinnern auf Einzeltitelebene zählen GE Aerospace, RTX Corp sowie Rolls-Royce, nach Marktkapitalisierung der größte an der Londoner Börse notierte Rüstungskonzern.

Die besten Verteidigungs-ETFs 2026

Auf den folgenden Seiten stellt DAS INVESTMENT die zehn Verteidigungs-ETFs mit der besten Wertentwicklung seit Jahresbeginn vor – zusammengestellt auf Basis des Morningstar-Rankings vom 19. März 2026. Grundlage ist die Morningstar-Kategorie „Aktien – Industriematerialien“, als Vergleichsindex dient der Morningstar Global Grundstoffe Target Market Exposure Index.

Die Wertentwicklung seit Jahresbeginn stammt von Morningstar, die übrigen Fondsdaten von Fund Web World (FWW). Sortiert sind die Fonds aufsteigend nach dieser Kennzahl.