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Gothaer-Vorstand Oliver Brüß „Die bKV kommt direkt beim Mitarbeiter an“

Oliver Brüß
Oliver Brüß: Der Vorstand Vertrieb und Marketing beim Kölner Versicherer Gothaer spricht im Interview über die aktuellen Vertriebschancen der betrieblichen Krankenversicherung (bKV).. | Foto: Gothaer

DAS INVESTMENT: Die Gothaer erwartet dank zunehmender Nachfrage 2021 das erfolgreichste Jahr seit Einführung der bKV. Doch infolge der Corona-Pandemie sind auch viele Erwerbstätige vom neuen Krankheitsbild Long-Covid betroffen. Inwiefern ist das ein Thema für Ihre Zielgruppe der mittelständischen Unternehmen? Und welche Rolle kann hier die betriebliche Krankenversicherung spielen?

Oliver Brüß: Firmenkunden, darunter viele mittelständische Unternehmen, bekommen die Auswirkungen der Corona-Pandemie in vielerlei Hinsicht zu spüren. Fast jeder fünfte Mittelständler fühlt sich durch die Krise in seiner Existenz bedroht, auch wenn sich die finanzielle Situation gerade wieder stabilisiert. Darüber hinaus hat das Thema Mitarbeitergesundheit im betrieblichen Kontext stark an Bedeutung gewonnen.
Ein neuer Service der Gothaer Krankenversicherung richtet sich deshalb auch an Mitarbeitende, die über ihr Unternehmen eine Absicherung in der arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Krankenversicherung genießen. Für Long-Covid Betroffene stellen wir eine spezielle Hotline bereit. Mit diesem kostenfreien Serviceangebot wollen wir pragmatisch unterstützen, Sicherheit zurückgeben und deutlich machen, dass wir ein verlässlicher und starker Partner für unsere Firmenkunden sind.

Trotz vieler Vorteile der betrieblichen Krankenversicherung gilt für Deutschlands sogenannte KMUs, also kleine oder mittelständische Unternehmen: Erst ein Zehntel nutzt die bKV als Instrument des Personalmarketings. Woran könnte das liegen?

Brüß: Richtig. Unsere aktuelle KMU-Studie zeigt, dass nach wie vor zwar 40 Prozent dieser Firmen Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal für ihr Unternehmen zu gewinnen und langfristig an sich zu binden. Aber dennoch bieten bislang nur 10 Prozent von ihnen eine betriebliche Krankenversicherung an. Vermutlich treibt die Angst vor zu viel Aufwand und zu hohen Kosten die Chefs dazu, auf eine bKV zu verzichten. Aber diese Sorge ist unbegründet. Dank digitaler Verwaltung können auch kleine Unternehmen eine betriebliche Altersvorsorge und Krankenversicherung ohne großen Verwaltungsaufwand anbieten und damit auch bei der Gewinnung von Fachkräften punkten. 

Welche Rolle spielt der Fachkräftemangel speziell für kleine und mittelgroße Unternehmen? Und wie können Versicherungsmakler ihren KMU-Kunden bei der Mitarbeitergewinnung und -bindung hilfreich zur Seite stehen?

Brüß: Neben speziellen Qualifikationen, die besonders nachgefragt werden, spielen häufig auch regionale Besonderheiten eine Rolle. Im Großraum Stuttgart werben beispielsweise kleine und mittelständische Automobilzulieferer um dieselben Kräfte wie große Autokonzerne. In solchen Fällen ist es für die Unternehmen besonders wichtig, potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern attraktive Zusatzleistungen anzubieten. Wer sich am Markt als attraktiver Arbeitgeber positioniert, hat es in diesem Kampf um die Talente leichter.
Versicherungsleistungen können diese Attraktivität steigern. Das Spektrum reicht von der bKV und der Gesundheitsförderung über die bAV und eine kollektive Berufsunfähigkeitsversicherung bis hin zur Gruppenunfallversicherung. Die Produkte müssen schnell und einfach durchschaubar sein. Außerdem sollte das Angebot des Arbeitgebers an die Belegschaft erkennbar mehr bieten als eine private Vorsorge oder Absicherung. Nur so entfaltet es eine positive Wirkung im Wettbewerb um qualifiziertes Personal. Maklern bieten wir im Geschäft mit dem Mittelstand eine professionelle Unterstützung und Begleitung, zum Beispiel durch unser bKV-Beratungstool, das den Makler bei der Beratung eines Firmenkunden unterstützt.

Als weitere Unterstützung im bKV-Geschäft könnte die erhöhte Freigrenze für Sachlohn-Zuwendungen wirken: Ab 2022 sind bKV-Beiträge bis 50 Euro monatlich für den Arbeitnehmer steuer- und sozialabgabenfrei. Wie können Vermittler davon profitieren?

Brüß: Aus vielen Gesprächen mit Firmenkunden wissen wir, dass auch die aktuell geltende Freigrenze von 44 Euro monatlich häufig noch nicht ausgeschöpft wird. Die Erhöhung um 6 auf dann 50 Euro ab Januar gibt den Unternehmen weiteren Raum, entweder erstmals etwas für die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu tun. Oder den erweiterten Steuervorteil zu nutzen, um einen gegebenenfalls bereits bestehenden Versicherungsschutz zu erhöhen.

Die Sozialleistung betriebliche Krankenversicherung kommt im Rahmen dieser Freigrenze direkt bei den Mitarbeitenden an. Und zwar ohne eigene finanzielle Beteiligung beziehungsweise Belastung. Hinzu kommen weitere Vorteile wie der vollständige Verzicht auf eine Gesundheitsprüfung. Bei der Gothaer gelten damit alle Vorerkrankungen und laufenden Behandlungen mitversichert. Auf diese Möglichkeit sollten Vermittler ihre Firmenkunden aktiv ansprechen.

Im ersten Teil unserer Interview-Reihe erklärt Gothaer-Vorstand Oliver Brüß, warum ein im Geschäft mit der betrieblichen Altersversorgung (bAV) aktiver Vermittler seinen Firmenkunden auch die betriebliche Krankenversicherung (bKV) anbieten sollte.

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