Vermögensverwalter sieht Parallelen zur Dotcom-Blase „Vorsicht bei Börsengängen unprofitabler Unternehmen wie Uber“

Guido vom Schemm ist Geschäftsführer des Vermögensverwalters GVS Financial Solutions aus Dreieich. | © GVS Financial Solutions

Guido vom Schemm ist Geschäftsführer des Vermögensverwalters GVS Financial Solutions aus Dreieich. Foto: GVS Financial Solutions

Wie schon um die Jahrtausendwende streben heute vor allem in den USA zahlreiche gehypte, mit viel Zukunftsfantasie angereicherte Technologie-Unternehmen an die Börse. Damals wie heute sind viele dieser so genannten "Einhörner" nicht profitabel und haben massive Schulden angehäuft.  Im Jahr 2018 haben mehr als 80 Prozent der Unternehmen, welche in den USA an die Börse gegangen sind, noch keinen müden Cent verdient. In Zeiten der Dotcom-Blase waren es 81 Prozent.

IPO: Diskrepanz zwischen USA und Europa

Während im Jahr 2018 der chinesische IPO-Markt sogar einen Rückgang um fast die Hälfte auf 307 Transaktionen verzeichnete und die IPO-Aktivitäten in Europa um 16 Prozent nachgab, legte der US-amerikanische Markt gegen den weltweiten Trend zu – um 14 Prozent stieg die Anzahl der Börsengänge. In diesem Jahr setzt sich der Trend fort, vor allem aber beim Volumen. Mit dem IPO von Uber wird das zweite Quartal 2019 gemessen am IPO-Volumen massiv ausfallen. Alleine der Gang aufs Parkett von Uber brachte 82 Milliarden US-Dollar.

In Europa zeichnet sich ein komplett anderes Bild. Zum Jahresauftakt gab es am europäischen IPO-Markt lediglich 12 Transaktionen, die es insgesamt auf ein Volumen von knapp 800 Millionen Euro brachten. Dies war das schwächste Quartal seit Jahren. Man muss bis ins Jahr 2011 zurückgehen, um einen Dreimonatsabschnitt zu finden, in dem das Volumen noch geringer ausfiel. Im vierten Quartal 2011 wurden lediglich 592 Millionen Euro erlöst. Im Vergleich zum ersten Quartal 2018 ist der Rückgang enorm. Damals kamen 52 Transaktionen mit einem Volumen von ungefähr 14 Milliarden Euro an den Markt.

Ein Grund für diese Zurückhaltung in Europa ist die ungewisse politische Situation rund um das Thema Brexit. Am 26.05.2019 findet zudem die Europa Wahl statt. Hier warten wohl auch einige Unternehmen ab, wie es sowohl politisch als auch wirtschaftlich weitergeht.

Phantasie-Bewertung am Beispiel von Uber

Statt des erwarteten 100 bis 120 Milliarden Dollar IPO-Volumen wurde Uber mit dem Ausgabepreis von 45 Dollar pro Aktie mit rund 82 Milliarden Dollar bewertet – was aber immer noch dem gemeinsamen Börsenwert von GM und Ford entspricht.