Die Bohrmeister

Für Dienstleister rund ums Öl läuft es wie geschmiert. Ebenso für die Zertifikate, die auf diese Gesellschaften setzen


3.800 Meter tief bohrt sich der Deepsea Driller in den Golf von Mexiko. 15.000 Tonnen an Gerät kann die hochhausgroße Riesenpumpe auf ihr Deck laden. Die Tanks fassen rund 150.000 Barrel Öl. Die schwimmende Bohrinsel ist ein sogenannter Floater. Wenn die Lage des Öls es erfordert, kann das Monster sich über 12.000 Meter durchs Wasser und in den Meeresgrund bohren. Trotz seiner gigantischen Ausmaße ist ein Floater mobil. Ist ein Ölfeld leer gepumpt, wird die Plattform zum nächsten Feld gezogen.

Rund 600 Bohrinseln sind auf den Weltmeeren im Einsatz. Viele davon sind immobil und fest verankert, etwa in der Nordsee. Einsatzort für die Floater sind die Tiefseegebiete am Golf von Mexiko, das Gebiet 80 Kilometer südöstlich von Rio de Janeiro und die tiefen Meeresgründe vor den westafrikanischen Ländern Angola und Nigeria. Diese drei Gebiete nennen Experten das „goldene Dreieck“. Für Öl-Servicegesellschaften sind sie ein Dorado.

Öl-Servicegesellschaften, wie Schlumberger, Haliburton, Transocean oder Noble, die mit 75 Jahren älteste Bohrgesellschaft weltweit, sind Dienstleister für die großen Ölproduzenten wie BP, Shell, Total oder die brasilianische Petrobras. Sie besitzen keine eigenen Ölfelder und produzieren auch kein eigenes Öl. Im Auftrag der internationalen Ölgesellschaften führen diese Firmen Bohrarbeiten auf aussichtsreichen Feldern durch. Sie bauen Plattformen, Pipelines und Raffinerien. Sie liefern seismologische Analysen. Oder sie vermieten die Ultratiefwasser-Ölplattformen. 425.000 Dollar Miete kostet solch ein Deepsea Driller – pro Tag. Noch vor drei Jahren lag der Tagessatz bei rund 70.000 Dollar.

„Dank der deutlich gestiegenen Mieten für ihre Plattformen schwimmt die Industrie förmlich im Geld“, sagt Matthew Conlan, Analyst bei dem US-Finanzhaus Weeden & Co. Für die kommenden zwei Jahre sind nahezu alle verfügbaren Floater ausgebucht. Größter Anbieter der Hightech-Bohrer ist die US-Gesellschaft Transocean. Ihre Flotte umfasst 141 Floater, und erst jüngst hat Transocean die Nummer 2 der Branche, Global Santa Fe, übernommen. 15 Milliarden Dollar in bar wechselten den Besitzer.

Leistungen rund um das schwarze Gold sollten auch Anlegern einen guten Dienst erweisen. Die Börsenweisheit von Mark Twain, nach der im Goldrausch nicht die Goldgräber, sondern die Schaufelverkäufer verdienen, gilt auch in der derzeitigen Ölpreis-Hausse. Neben dem zu erwartenden Investitions-Boom und den hohen Margen im Verleihgeschäft machen mögliche weitere Firmenübernahmen den Bereich zusätzlich lukrativ. Außerdem sind die Aktien der Serviceunternehmen nach wie vor extrem günstig: Die mehrheitlich amerikanischen Servicegesellschaften weisen aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7 bis 9 auf. Diese Kennziffer gibt an mit dem welchem Multiplikator des erwarteten Gewinns das entsprechende Unternehmen an der Börse bewertet ist. Zum Vergleich: Das durchschnittliche KGV aller im US-Index S&P-500 vertretenen Unternehmen liegt derzeit bei 12.

Positive Voraussetzungen, von denen auch Zertifikateanleger profitieren können. Die niederländische Bank ABN Amro bietet derzeit Partizipationszertifikate mit unbegrenzter Laufzeit auf drei unterschiedliche Indizes an. Der S&P Oil & Gas Drilling Index bildet die Entwicklung der zehn größten Öl- und Gasförderunternehmen ab. Dazu gehören unter anderem die Schwergewichte Transocean, Nabors Industries und Noble. Im S&P Oil & Gas Refining & Marketing Index sind indes nur fünf Unternehmen vertreten. Diese sind für die Weiterverarbeitung des Öls in Raffinerien und den Vertrieb zuständig. Indexschwergewichte sind Aktien von Valero Energy und Sunoco.

Der interessanteste Index ist der Philadelphia Oil Service Sector Index. Er ist mit 15 Indexmitgliedern nicht ganz so stark konzentriert und setzt gleichermaßen auf die großen Verleihunternehmen und die Servicegesellschaften. Neben Transocean, Noble und Nabors Industries sind auch Titel von Schlumberger, Cameron und Weatherford International im Index enthalten. Der Philadelphia-Index lässt Anleger am besten an der gesamten Wertschöpfungskette des Energieträgers profitieren; von der Entdeckung über die Förderung, die Veredelung bis hin zur Vermarktung. Weiterer Pluspunkt: Die vergangenen drei Jahre ist der Index nicht so stark gestiegen, wie die beiden S&P-Indizes. Er hat also noch das nötige Aufholpotenzial.

Anleger, die an die Performance der Öl-Sucher glauben, aber dennoch etwas Schutz vor Rückschlägen suchen, finden mit einem Bonuszertifikat (WKN: GS0 Z01) von Goldman Sachs, das richtige Werkzeug. Das Zertifikat hat den Philadelphia-Index als Basis und läuft noch bis zum 4. September 2012. Allerdings ist es nicht währungsgesichert, sodass sich auch der künftige Dollarkurs auf die Entwicklung auswirkt.

Wenn der Philadelphia-Index während der Laufzeit nicht die Sicherungsschwelle von 121,62 Punkten berührt, zahlen die Emittenten am Laufzeitende mindestens 314,19 Dollar (umgerechnet zurzeit 225 Euro) zurück. Aktuell notiert der Index bei 280,29 Punkten und das Zertifikat kostet 133 Euro (Stand: 18. September 2007). Der Index kann also noch fast 60 Prozent fallen, ohne dass der Bonus verloren geht. Selbst wenn der Markt sehr gut läuft und der Index über die Bonusschwelle von 314 Punkten steigt, können Anleger weiterhin profitieren. Erst ab 506,75 Punkten ist Schluss. Mehr als 506,75 Dollar, umgerechnet 364 Euro, sind bis 2012 pro Zertifikat nicht zu verdienen. Dieser Cap ist der Preis dafür, dass Anleger auch bei fallenden und seitwärts laufenden Indexkursen einen attraktiven Bonus bekommen. Kritisch wird es für Anleger erst, wenn der Index die 121-Punkte-Grenze reißt. Dann verliert das Zertifikat seine Bonusstruktur und gleicht einem reinen Partizipationszertifikat mit allen Vor- und Nachteilen.

Glaubt man Experten, ist dieses Szenario eher unwahrscheinlich. Der aktuelle Ölsuch-Boom könnte, so Analyst Conlan, bis weit in das kommende Jahrzehnt hinein andauern – und mit ihm die satten Gewinne der Ölsucher. Die großen Energiekonzerne vermuten die letzten großen Ölvorräte unter dem Meeresgrund. Für die Hoch- und Tiefsee-Bohrer sind das beste Voraussetzungen.

Doch auch jenseits der Tiefsee, auf dem platten Land, können die Servicegesellschaften trefflich Geld verdienen. Da noch bis vor wenigen Jahre viele Marktbeobachter von Ölpreisen von unter 20 Dollar ausgingen, taten sich die großen Ölkonzerne schwer, langfristig zu investieren. Vielfach ging man von einer sehr moderat steigenden Nachfrage aus und baute in geringem Maße neue Pipelines, Tankschiffe und Raffinerien. In den USA wurde seit mehr als 20 Jahren keine neue größere Ölraffinerie gebaut. Conlan: „Diese Trägheit führte dazu, dass es heute weltweit Engpässe gibt. Das ist für die Ölkonzerne ein Nachteil, für die Servicegesellschaften ein großer Vorteil“. Auf insgesamt 4,3 Billionen Dollar beläuft sich nach Schätzungen der Internationalen Energie Agentur (IEA) der weltweite Investitionsbedarf in den gesamten Öl-Servicesektor.