Eine herzliche Umarmung? Damit hatte so mancher Zeitgenosse bereits vor Corona seine Schwierigkeiten: Wie lange soll ich denn drücken? Und wie fest eigentlich? Besser soll es der „HuggieBot“ hinbekommen. Die „Umarmungsmaschine“ ist das Vorzeigeprojekt der Abteilung Haptische Intelligenz des Max-Planck-Instituts in Stuttgart.

Der Roboter in Form eines menschlichen Körpers vermisst mit Hilfe von Sensoren den zu umarmenden Menschen. So sollen Fehlgriffe des mit weich gepolsterten Händen und höchst sensiblen Armen ausgestatteten Huggies vermieden werden. Gleichzeitig soll der KI-Roboter lernen, wann es genug ist – beispielsweise, wenn sich der Mensch zurücklehnt oder anders erkennen lässt, dass es genug der Liebkosungen ist.

Die Weltbevölkerung wächst

Das Forschungsprojekt hat einen durchaus ernsten Hintergrund: Den demografischen Wandel! Die Weltbevölkerung wächst. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen dürfte sie im Jahr 2050 von heute 7,8 Milliarden auf 9,7 Milliarden Menschen wachsen. Im Jahr 2100 soll unser Planet dann fast 11 Milliarden Bewohner beheimaten. Mehr Menschen brauchen natürlich mehr Wohnraum, Energie und vor allem ausreichend Lebensmittel. Laut Fondsmanagerin Aneta Wynimko von Fidelity steigt der Bedarf an Nahrung, vor allem aufgrund des Bevölkerungswachstums in den Schwellenländern, bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent.

Gesellschaft wird immer älter

Gleichzeitig nimmt die Zahl älterer Personen stetig zu. Sie wird sich Prognosen zufolge in den nächsten 25 Jahren verdreifachen. Bereits jetzt sind weltweit rund 150 Millionen Menschen älter als 80 Jahre. Dass die Lebenserwartung global steigt, ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Die Tatsache bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Wenn die Menschen immer älter werden, steigt der Betreuungsbedarf. Gleichzeitig wird das Reservoir an Arbeitskräften kleiner. Und hier sind wir wieder bei Huggie und seinen Robokollegen: Für sie wird es künftig deutlich mehr Jobs geben – zum Beispiel in der Pflege, wo sie das Personal von körperlich anstrengenden Aufgaben entlasten können.

Die Veränderung der Demografie ist einer der Megatrends schlechthin – und leicht zu prognostizieren. Anders als bei gehypten Technologie- und Wachstumsaktien, denen eine glorreiche Zukunft nicht selten nur herbeigewünscht wird, ist die Entwicklung unumkehrbar und bereits heute schon Realität. Denn die Senioren von morgen oder übermorgen sind längst geboren.

Senioren eine wichtige Konsumentengruppe

Riesige Chancen bieten sich vor diesem Hintergrund in vielen Bereichen, beispielsweise der Konsumgüterindustrie. Viele ältere Menschen sind fit, aktiv und konsumfreudig. Sie wollen verreisen, Sport treiben oder Haustiere halten. Und natürlich mit anderen darüber kommunizieren. Sie nutzen Unterhaltungselektronik, tragen Markenkleidung und nehmen touristische Angebote wahr. Das Gesundheitswesen gehört ebenso zu den Profiteuren der alternden Gesellschaft. Immer mehr Menschen benötigen Medikamente und regelmäßige ärztliche Versorgung.

Beispiel Diabetes: Bereits heute ist es eine Volkskrankheit und wird mit der zunehmenden Überalterung zu einem noch akuteren Thema werden. Laut der Internationalen Diabetes Federation waren im letzten Jahr weltweit 537 Millionen Menschen davon betroffen. In den nächsten 25 Jahren wird die Zahl der Patienten Schätzungen der Organisation zufolge um 45 Prozent auf 784 Millionen steigen.

Das dürfte dem Geschäft beispielsweise von Novo Nordisk zugutekommen. Der dänische Konzern ist mit einem Marktanteil von 50 Prozent Weltmarktführer und in einer exzellenten Position bei Diabetesarzneien. Allein für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen ein Umsatzplus von 6 bis 10 Prozent. Weitere Bereiche, die vom demografischen Wandel profitieren dürften, sind der Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur, insbesondere mit Blick auf die ebenfalls fortschreitende Urbanisierung und dem steigenden Energiebedarf.