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Nick Parsons über ESG in Asien „Die Chancen Indiens sind so groß wie sein Ehrgeiz“

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Welche konkreten Ziele hat sich Indien für die Erzeugung erneuerbarer Energie gesetzt?

Parsons: Das Land macht sich die Tatsache zunutze, dass Anlagen für erneuerbare Energien kostengünstiger und schneller zu errichten sind und weniger in die Umwelt eingreifen als Kohlekraftwerke, und dass es bereits über die viertgrößte installierte Windkapazität der Welt verfügt. Indien strebt nun an, bis 2022 175 Gigawatt an erneuerbaren Energien zu installieren: 100 Gigawatt aus Solarenergie, 60 Gigawatt aus Windkraft, 10 Gigawatt aus Biomasse und weitere 5 Gigawatt aus kleinen Wasserkraftwerken.

Warum ist die Solarenergie dabei so wichtig?

Parsons: Indien profitiert von einer hohen Sonneneinstrahlung, insbesondere im Nordwesten und im zentralen Süden (den Bevölkerungszentren), wodurch große Mengen an Strom erzeugt werden können. Diese Werte sind deutlich höher als der mögliche Durchschnitt in europäischen Ländern – mehr als doppelt so hoch wie in Südeuropa – wodurch die Anlagerenditen entsprechend höher ausfallen als in den europäischen Ländern.

Dank politischer Unterstützung, zukunftsorientierter Führung und der offensichtlichen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Vorteile, macht Indien das Beste aus diesem natürlichen Solarvorteil.

Wie ist der aktuelle Stand beim Ausbau der Solarenergie in Indien?

Parsons: Fast die gesamte derzeitige Solarkapazität wurde in den letzten zehn Jahren installiert, und zwar in einer Geschwindigkeit, die weltweit führend ist. Das ursprüngliche Ziel der Regierung, bis 2022 eine Kapazität von 20 Gigawatt zu erreichen, wurde vier Jahre früher als geplant verwirklicht, wobei die Branche zwischen 2015 und 2020 eine Verzehnfachung erzielte.

Und wer finanziert den Ausbau?

Parsons: Finanziert werden die neuen Solarfarmen auf dem indischen Subkontinent zum Beispiel von privaten und institutionellen Kapitalanlegern. Dabei handelt es sich um Fonds, die mit Projekten rund um erneuerbare Energien nicht nur Rendite erwirtschaften, sondern auch eine erhebliche Wirkung für die Umwelt und die Bevölkerung erzielen.

Unter dem Strich ist der indische Markt für erneuerbare Energie eine interessante Investment-Möglichkeit: Das Land hat eine ansehnliche Erfolgsbilanz in der Solarenergie und ist heute ein etablierter und hoch angesehener Investitionsstandort mit erheblicher Dynamik. Die zukünftigen Möglichkeiten sind so groß wie sein Ehrgeiz, angetrieben durch den technologischen Fortschritt, den geografischen Vorteil und den demografischen Wandel.

Und jetzt kommen Sie ins Spiel. Wie ist Thomas Lloyd konkret im indischen Solarmarkt investiert?

Parsons: Im vergangenen Jahr hat Thomas Lloyd sein bislang größtes Solarkraftwerk in Indien gebaut: Uttar Pradesh 1. Das Projekt umfasst 190.000 Solarmodule auf einer Fläche von 809.372 Quadratmetern und versorgt als 75-Megawatt-Solarkraftwerk mehr als 109.000 Menschen in der Region mit sauberer und erneuerbarer Energie, reduziert 41.200 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr und schuf 900 direkte Arbeitsplätze während der Bauphase mit einem erheblichen Multiplikatoreffekt für die lokale Wirtschaft.

Die größten Solaranlagen Indiens befinden sich in Karnataka, wo wir zwei Anlagen besitzen und betreiben (Karnataka I mit 40,5 Megawatt und Karnataka 2 mit 27 Megawatt), zudem sind wir in Madhya Pradesh 1 (200 Megawatt), Maharashtra 1 (67,2 Megawatt) sowie Telangana 1 und 2 (jeweils 12 Megawatt) engagiert.




Über den Interviewten:
Nick Parsons verantwortet Recherche und ESG-Themen bei Thomas Lloyd in London. Der Brite arbeitete zuvor als Leiter Recherche Europa und Großbritannien bei der National Australia Bank. Davor war er unter anderem bei der Commerzbank als Leiter Makro-Recherche tätig.

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