Die drei Fragezeichen

Kaufen? Halten? Verkaufen? Wenn an den weltweiten Aktienmärkten Unsicherheit und Panik herrschen, liegt in der Ruhe die Rendite. DAS INVESTMENT nennt die besten Strategien und Produkte für die Chaostage.

„Da haben keine Menschen gehandelt, das waren Maschinen“, sagt Fondsmanager und Vermögensverwalter Hendrik Leber angesichts der massiven Kursverluste weltweit im Januar. Von Profi-Anlegern gesetzte Stopp-Marken, die vor Verlusten schützen und einen Verkauf auslösen sollen, wurden der Reihe nach gerissen und zogen, einem computergesteuerten Dominoeffekt gleich, die Kurse immer tiefer herunter.
Der Januar, seit 1960 bester Börsenmonat mit einem durchschnittlichen Kursanstieg deutscher Aktien um 2,25 Prozent, endete dieses Jahr tiefrot; minus 1.216 Punkte oder 15 Prozent beim Dax. Der MSCI Welt Index gab auf Euro-Basis um 9,6 Prozent nach. „Allianz, Deutsche Bank und Münchener Rück – alle sind derzeit sensationell günstig. Oder Eon – warum fällt diese Aktie? Das ergibt gar keinen Sinn“, so Leber, Chef der Frankfurter Vermögensverwaltung Acatis, im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Vorbei ist die Krise für ihn jedoch noch nicht. Besonders Privatanleger stehen derzeit vor der Frage, wie sie sich angesichts massiver Verluste verhalten sollen. Nur selten waren die internationalen Kapitalmärkte so stark von Nervosität und Unsicherheit geprägt. „Starke Gefühle wie Angst oder Gier sind die ärgsten Feinde der Vermögensbildung“, sagt Reinhard Hellmuth von der I.C.M. Investmentbank in Berlin. Wer in ein breit aufgestelltes Portfolio investiert ist, sollte Ruhe bewahren.

Panikverkäufe lohnen sich nicht

Natürlich haben Gewinnmitnahmen noch niemandem geschadet, in der Panik jedoch zu verkaufen, ist kein probates Mittel für einen langfristigen Anlageerfolg. Zu Recht wirbt die Fondsgesellschaft Fidelity daher mit Durchhalteparolen und warnt in einer Untersuchung vor der „Panikfalle“: Anleger, die durchgehend in den vergangenen 15 Jahren in deutsche Aktien investiert waren, erzielten bis Ende Dezember 2007 einen Ertrag von über 300 Prozent. Verpassten sie die zehn besten Börsentage, kamen sie nur auf 110 Prozent. Wer sich über die 40 besten Tage vom deutschen Aktienmarkt verabschiedete, liegt derzeit 40 Prozent im Minus. „Privatanleger verhalten sich leider meist prozyklisch: sie verkaufen, wenn alle verkaufen und umgekehrt“, sagt Winfried Walter, Partner der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie.
Und wie sollten sich Neueinsteiger verhalten? Einsteigen, obwohl die Gefahr eines erneuten Börsen-Bebens nicht auszuschließen ist? Experten-Ratschläge fallen zurückhaltend und verhalten aus: „Anleger können jetzt schwache Kurse für vereinzelte Käufe nutzen, für weitergehende Investitionen sollten sie jedoch abwarten“, rät Bert Flossbach, Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch.
Hochinteressant ist die wechselhafte Stimmung für Sparplananleger. Sie werden langfristig von den kräftigen Ausschlägen profitieren. Denn sie kaufen jetzt zu besonders günstigen Preisen mehr Anteile als im Börsenhoch. Auch die derzeitige Krise wird Geschichte werden. Die Märkte werden sich erholen. Bereits bestehende Sparpläne sollten daher auf gar keinen Fall ausgesetzt werden, sondern Anleger sollten weiter Monat für Monat auf Schnäppchentour gehen. Auch bei größeren Einzelinvestments raten Experten jetzt zur Scheibchen-Taktik: „Sinnvoll ist es in jedem Fall, in Etappen zu investieren, also Käufe möglichst über die nächsten Monate zu verteilen“, rät Volker Schilling, Portfoliomanager bei Greiff Capital. Wer beispielsweise einen Betrag von 10.000 Euro anlegen möchte, ist derzeit besser beraten, in fünf 2.000er-Schritten über die kommenden Monate einzusteigen. Erneute Korrekturen können dann zu einem preiswerten Kauf genutzt werden. Ein Einstieg lohnt zurzeit vor allem in Qualitätsunternehmen mit einem weltweiten Geschäft, einer soliden Bilanz und einer attraktiven Dividende. „Wer jetzt investieren will, sollte in Aktien mit solider Bilanz, wie BASF oder Siemens, investieren“, rät Vermögensverwalter Flossbach.

27 Milliarden Euro Dividenden

27 Milliarden Euro wollen die 30 großen Dax-Konzerne im Laufe dieses Jahres an Dividenden ausschütten; so viel wie noch nie. Setzt man die Dividendenzahlungen ins Verhältnis zu den Kursen, ergibt sich für alle Dax-Unternehmen eine durchschnittliche Dividendenrendite von 2,4 Prozent. Bei einzelnen Unternehmen, wie der Lufthansa, der Deutschen Bank und der Deutschen Telekom, liegt die Rendite bei über 5 Prozent. Mit einigen deutschen Nebenwerten, wie den Hamburger Finanzdienstleistern HCI und MPC, lassen sich sogar fast 10 Prozent erzielen. „Dividendenstarke Titel bleiben bei geschickter Auswahl sehr aussichtsreich“, sagt der Vermögensverwalter und Fondsmanager Jens Ehrhardt. „Sie vermindern zugleich das Risiko einer Anlage.“ Die jährlichen Zahlungen stellen einen Puffer gegenüber künftigen Kursverlusten dar. DAS INVESTMENT stellt drei aussichtsreiche, dividendenstarke Aktien vor. Wer die geschickte Auswahl lieber professionellen Investoren überlässt, ist in internationalen Aktienfonds, die gezielt in dividendenstarke Unternehmen investieren, gut aufgehoben. Die Zusammensetzung der Fonds gleicht einem Potpourri kerngesunder Börsenwerte: solide Bilanzen, vergleichsweise niedrige Schulden und idealerweise ein hoher und konjunkturunabhängiger Cashflow. Darunter versteht man regelmäßige Zahlungsströme, wie sie die Deutsche Telekom oder der Energie-Riese Eon haben; telefoniert und geheizt wird immer.

Dividendenfonds kaufen Banken

Einer der besten Fonds dieser Kategorie trägt die Vorteile auch gleich im Namen: der DJE Dividende & Substanz. Das nur leichte Minus der vergangenen zwölf Monate ist besonders dem rechtzeitigen Abbau von Finanztiteln geschuldet. Sie zählen zwar zu den weltweit größten Dividendenzahlern, standen und stehen aber wegen der Immobilienkrise unter Druck.
Das ist ein Grund dafür, dass ein Großteil der globalen Dividendenfonds ein schwieriges und verlustreiches Jahr hinter sich hat. „Wir halten auch künftig an der Untergewichtung des Finanzsektors fest, da wir nicht glauben, dass die niedrigen Zinsen das Kreditgeschäft stärken werden“, so Manager Jan Ehrhardt. Attraktiv sind für ihn derzeit die Münchener Rück und Schweizer Versicherungen. Den Banktiteln treu geblieben ist hingegen Schroders- Managerin Sonja Schemmann. Die Dividendenexpertin der britischen Gesellschaft ist mit 25 Prozent ihres Schroder Global Equity Yield in Banken und Versicherungen investiert. Das kostete in den vergangenen Monaten viel Performance. Angesichts des Ausverkaufs einzelner Finanzwerte ist ein Investment in den Fonds eine antizyklische Wette wert.
Für weniger risikobereite Anleger bietet die Zertifikatebranche zahlreiche Lösungen. Mit Bonuszertifikaten profitieren Anleger von wieder steigenden Kursen. Sie gewinnen aber auch, wenn die Börsen ohne klaren Aufwärtstrend nervös hin und herspringen – und sie sind gegen Kurseinbrüche abgesichert. So erzielen Anleger mit Bonuszertifikaten auf den Dax oder den europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50 jährliche zweistellige Renditen, auch wenn die Indizes bis 30 Prozent einbrechen. DAS INVESTMENT hat einige Zertifikate auf den Dax und Euro Stoxx mit unterschiedlich starken Sicherheitspuffern ausgewählt. Je höher der Sicherheitspuffer ist, desto niedriger ist zwar die Gewinnchance. Wer aber schon ein Netz spannen will, sollte dann auch auf Nummer sicher gehen.

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