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Aktualisiert am 23.04.2024 - 02:12 Uhrin VersicherungenLesedauer: 10 Minuten

Nach dem Hype Die größten Insurtechs Deutschlands – und ihr Erfolgsgeheimnis

Beratungsgespräch: Laut Wefox schließt Insurtech persönliche Beratung nicht aus.
Beratungsgespräch: Laut Wefox schließt Insurtech persönliche Beratung nicht aus. | Foto: Imago Images / Westend61

„Gründertum und warum Scheitern so wichtig ist“ – unter diesem Titel lädt Dominik Groenen Mitte Januar zu einem Treffen für potenzielle Start-up-Gründer in Hildesheim ein. Groenen muss es wissen. Schließlich hatte der geprüfte Versicherungsfachmann, der mehrere Projekte, darunter den Nischenversicherer und Finanzdienstleister Mass-Up, erfolgreich zum Laufen brachte, 2020 eine grandiose Bauchlandung hingelegt.

Es fing 2016 an. Zusammen mit John David Scharnofske rief Groenen mit Flypper einen digitalen Versicherer, auch Insurtech genannt, ins Leben. Ihr Projekt bezeichneten Scharnofske und Groenen selbstbewusst als „Versicherer der Zukunft“. Als Startdatum hatten die beiden Gründer das erste Quartal 2018 anvisiert. Bis dahin wollten sie nach eigenen Angaben 125 Millionen Euro von Geldgebern einsammeln.

Das grosse Fintech-Sterben

Doch nach den großen Ankündigungen wurde es immer ruhiger um Flypper. Im Januar 2020 kam dann das Aus: Groenen und Scharnofske gaben bekannt, nicht genügend Mittel eingesammelt zu haben.
Peter Loisel und Herbert Sedlmair, die Flypper leiten sollten, wechselten zum ebenfalls neu gegründeten Sachversicherer Selosc, der später in Scira umgenannt wurde. Doch auch dieses Projekt der Gothaer und der Flypper-Muttergesellschaft Scira Unternehmensberatung scheiterte: Noch bevor es zu einer Genehmigung der Finanzaufsicht Bafin kam, nahmen die beiden Gesellschaften den Gründungsantrag Anfang 2022 zurück.

Damit folgen Flypper und Selosc/Scira einem regelrechten Trend: dem großen Fintech- und Insurtech-Sterben, das auf den Gründungs-Hype folgte. So berichtete Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei WTW Deutschland, im Jahr 2020 von insgesamt 184 Start-ups, die zwischen 2017 und 2020 den Geschäftsbetrieb einstellen mussten. Auf der anderen Seite wurden aber auch viele Start-ups gegründet. So zählte die Beratungsgesellschaft Capgemini im Jahr 2018 gerade einmal 120 Insurtechs in Deutschland. 2020 wuchs diese Zahl auf 160, 2022 waren es 155 Unternehmen.

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Investorenliebling Wefox

Ein Beispiel für ein in der Finanzierung erfolgreiches Insurtech-Start-up ist Wefox. Das Unternehmen wurde 2015 unter der Marke Financefox von Julian Teicke, Dario Fazlic und Fabian Wesemann gegründet und 2017 in Wefox umbenannt. Nach zwei Jahren zählte das Insurtech bereits über 100.000 Endkunden. 2018 rief Wefox den digitalen Versicherer One Insurance ins Leben, der 2021 zu Wefox Insurance wurde.

Während Konkurrenten wie Flypper an der Finanzierung scheiterten, schaffte es Wefox immer wieder, neue Investorengelder einzusammeln. Nach einer größeren Finanzierungsrunde im Jahr 2019 wurde Wefox erstmals mit über einer Milliarde Euro bewertet und stieg damit als erstes deutsches Insurtech zu den sogenannten Einhörnern auf. Als Einhorn bezeichnet man Start-up-Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar oder Euro, deren Anteile nicht an einer Börse gehandelt werden. In den Jahren 2021 bis 2023 folgten mehrere weitere Finanzierungsrunden sowie ein Kredit der Großbanken JP Morgan und Barclays. Seit 2022 wird das Unternehmen mit 4,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Sein Umsatz lag 2022 bei 580 Millionen US-Dollar. Heute bedient Wefox nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Kunden in Österreich, Deutschland, Italien, Polen, den Niederlanden und der Schweiz.