Didier Saint-Georges

Didier Saint-Georges

„Die europäische Krise bleibt uns in ihrem ganzen Ausmaß erhalten“

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Die Ende Dezember durch die EZB zu einem Zinssatz von 1 Prozent über drei Jahre gewährte umfangreiche Liquidität stelle für die Banken zwar eine willkommene Finanzspritze dar, meint Saint-Georges. Jedoch warnt der Carmignac-Experte davor, den Umfang dieser Maßnahme zu überschätzen.

„Zum einen beträgt der gewährte zusätzliche Nettobetrag – ohne die Verwertung bestehender kurzfristigerer Finanzierungen – unseren Schätzungen zufolge lediglich etwa 180 Milliarden Euro“, erklärt Saint-Georges. Allein der Refinanzierungsbedarf der Staaten werde sich im ersten Quartal jedoch bereits auf 650 Milliarden Euro belaufen. Zum anderen sei diese Maßnahme nicht geeignet, um das Insolvenzrisiko der staatlichen Emittenten in den Griff zu bekommen.

„Die europäische Krise bleibt uns mit Beginn des Jahres 2012 in ihrem ganzen Ausmaß erhalten“, sagt der Carmignac-Experte. Schuld daran seien vor allem die horrenden Schulden vieler europäischer Staaten. So müsse beispielsweise Portugal derzeit für seine Schulden Zinszahlungen in Höhe von 4,2 Prozent des BIP leisten, während sein Primärdefizit 1,5 Prozent betrage und seine Wirtschaft um 2 Prozent schrumpfe. „Folglich wird Portugal das Jahr 2012 7,7 Prozent von einem ausgeglichenen Haushalt entfernt starten“, erklärt Saint-Georges. An eine Rückzahlung der Schulden sei da nicht zu denken.

Die Banken sind laut Saint-Georges auch keine große Hilfe. Denn um ihre Bilanzen zu stärken, bemühen sie sich, ihre ausstehenden Beträge zu verringern und ihre Risiken zu mindern. Dadurch verlieren sie jegliches Interesse an Staatsanleihen und beschleunigen so den wirtschaftlichen Umschwung.

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