„Die europäische Mutter ist attraktiver als die indische Tochter“

Mark Glazener

Mark Glazener

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DAS INVESTMENT.com: Holland ist die erste europäische Mannschaft, die sich für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika qualifiziert hat. Gehört das Oranje-Team zu den Favoriten? Mark Glazener: Nein, sicher nicht. Im Angriff und auch im Mittelfeld ist unser Team ganz gut besetzt, aber wir haben zu wenige kompromisslose Verteidiger. Und die braucht man, um ein Turnier wie die WM zu gewinnen. Vielleicht klappt es 2018, wenn eine neue Generation an Spielern herangewachsen ist. DAS INVESTMENT.com: In den 70er Jahren stand Holland zweimal im Finale, hat aber beide Male verloren und außer bei der EM 1988 noch nie einen wichtigen Titel geholt. Spielt die Mannschaft zu schön, um erfolgreich zu sein? Glazener: Vielleicht. Holland spielt ein bisschen wie Barcelona. Um mit dieser Art Fußball etwas zu gewinnen, braucht man wirklich sehr talentierte Leute, und zwar auf jeder einzelnen Position. Daran ist Holland in der Vergangenheit immer wieder gescheitert. Aber wer weiß, vielleicht mogeln wir uns ja in Südafrika trotzdem irgendwie bis ganz nach vorne durch. Die Deutschen haben uns ja einige Male vorgemacht, wie das geht. DAS INVESTMENT.com: Bleiben wir noch einen Moment in Südafrika. Ist das ein Land, für das Sie sich auch als Fondsmanager begeistern können? Glazener: Definitiv. Wir haben bei Robeco einen Afrika-Fonds, der unter anderem dort investiert. In Ländern wie Südafrika, Angola, Mozambique oder Simbabwe liegen die Rohstoffquellen der kommenden Generation. Die Vorräte an Kupfer beispielsweise sind wesentlich reichhaltiger und leichter zu fördern als in Lateinamerika oder Südostasien. Das politische Risiko ist zwar etwas höher, aber die Chancen sind dennoch immens. Was im übrigen für fast alle Schwellenländer gilt. DAS INVESTMENT.com: Trotzdem spielen Emerging Markets im international ausgerichteten Robeco N.V. praktisch keine Rolle. Glazener: Das hat mit der Produktwahrheit- und –klarheit zu tun. Wir sehen die Börsen der Schwellenländer als eigenes Universum, das wir mit einem eigenen Fonds abdecken. Im Robeco N.V. beschränken wir uns auf Industrieländer, sind aber dennoch ständig auf der Suche nach Unternehmen, die vom Boom in den Schwellenländern profitieren. DAS INVESTMENT.com: Wer ist da Ihrer Meinung nach ganz vorne mit dabei? Glazener: Zum Beispiel Unilever. Der Nahrungsmittel–Multi erzielt rund 60 Prozent seiner Erträge in den Emerging Markets, und wenn man die Bewertung in die Überlegungen mit einbezieht, ist die europäische Mutter sogar attraktiver als die indische Tochter Hindustan Unilever. Ein anderes Beispiel ist Holcim in der Schweiz, einer der weltweit größten Zementproduzenten. Dort beträgt der Schwellenländer–Anteil an den Erträgen fast 65 Prozent. Holcim ist in Regionen wie dem Nahen Osten oder Lateinamerika wesentlich aktiver als in den Industriestaaten.