Fed-Chef Jerome Powell Foto: IMAGO / MediaPunch

Bluebay-Investmentchef

„Die Fed wird ihren Kurs noch vor dem Sommer ändern“

Das zunehmend Fahrt aufnehmende Reflationsthema ließ die US-Anleiherenditen in den vergangenen Tagen weiter aufwerten: Die Covid-19-Fallzahlen gehen zurück und Schritte zur Lockerung der Beschränkungen der wirtschaftlichen Aktivitäten sind absehbar.

Veränderte Risikobereitschaft

Nachdem die Renditen für langfristige US-Anleihen bereits die Zwei-Prozent-Marke überschritten haben, ist auffällig, dass die Renditen für kürzere Anleihen ebenfalls leicht gestiegen sind. Interessant dabei: Der Trend beginnt sich auf die Risikobereitschaft der Anleger im Hinblick auf andere Vermögenswerte auszuwirken.

Die fiskalpolitischen Lockerungen dürften das US-Wachstum nach einem Rückgang um 2,5 Prozent im Jahr 2020 in Richtung eines Wachstums von 7 Prozent im Jahr 2021 treiben. In diesem Fall erwarten wir, dass sich die pandemiebedingte Produktionslücke vor Ende des laufenden Jahres schließt. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass die PCE-Kerninflation (Personal Consumption Expenditures) im Frühjahr durchaus die Marke von 2,5 Prozent überschreiten könnte. Infolgedessen dürfte die US-Notenbank nicht umhinkommen, noch vor dem Sommer mit einer Änderung ihres Kurses zu beginnen.

Steigen die Zinsen früher als gedacht?

Derzeit rechnen die Futures-Märkte für Mitte 2023 mit einer ersten Zinserhöhung der Federal Reserve (Fed). Uns würde es allerdings nicht überraschen, wenn der Schritt schon früher erfolgt – vor allem dann, wenn wir mit unserer Einschätzung richtig liegen, dass dem fiskalischen Covid-19-Hilfspaket noch im Verlauf dieses Jahres weitere Initiativen in Bezug auf Infrastruktur und grüne Technologien folgen werden. Insgesamt gehen wir davon aus, dass der fiskalische Stimulus auch in den Jahren 2022 und 2023 das Wachstum stützen wird, weil die Biden-Administration die Staatsausgaben im Kontext der Gesamtwirtschaft zu steigern beabsichtigt.

Die nächsten Wochen sind entscheidend

Unserer Einschätzung nach gibt es derzeit Spielraum für einen kurzfristig weiteren Anstieg der Renditen. Die Entwicklung der US-Renditen in den nächsten Wochen wird eine entscheidende Rolle bei der Beantwortung der Frage spielen, in welche Richtung die allgemeine Marktstimmung tendiert. Risikoanlagen könnten gemieden werden, sobald die Renditen kürzerer Laufzeiten steigen.

Dennoch: Wir sind der Meinung, dass die US-Notenbank darauf bedacht ist, eine zu schnelle Verschärfung der Finanzierungsbedingungen zu unterbinden. Weil die US-Wirtschaft sich immer noch sehr schwach zeigt, wird die Fed alles in ihrer Macht stehende tun, um die Nachfrage zu stimulieren. Daher sind wir überzeugt, dass bei weiter steigenden Anleiherenditen die Fed auf den Plan treten wird.

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