Leopold Seiler

Leopold Seiler, Seiler Asset Management

„Die Finanzkrise ist das Beste, was uns passieren konnte“

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„Ganz und gar nicht“, sagt Leopold Seiler, Asset Manager aus Wien und Mitglied im Verwaltungsrat des Dual Return Vision Microfinance Fund (ISIN: LU 023 678 284 2). Im Interview mit DAS INVESTMENT.com erklärt er, warum die Asset Klasse Mensch auch in Krisenzeiten eine stabile Rendite liefert.

DAS INVESTMENT.com: 6,3 Prozent Rendite bei einer Volatilität von 0,3 Prozent in 2008, wie ist das möglich?

Leopold Seiler: Ganz einfach: Das Fondsmanagement des Dual Return Vision Microfinance vergibt Darlehen an Mikrofinanzinstitute, kurz MFIs. Die wiederum verleihen das Geld in kleinen Häppchen von 20 bis 1.500 Dollar für sechs bis 36 Monate an Kleinstunternehmer aus den Schwellenländern.

DAS INVESTMENT.com: Damit sind die MFIs im Sub-Sub-Subprime-Sektor tätig, wie Muhammad Yunus, Pionier auf dem Gebiet der Minikredite, bereits feststellte. Die Finanzkrise müsste sie doch eigentlich mit voller Wucht erwischen? 2008 war davon nichts zu sehen, kommt das dicke Ende in diesem Jahr?

Seiler: Nein, auf keinen Fall. Die Krise hat keine Auswirkungen auf die Institute. Es gibt keine messbaren Risiken.

DAS INVESTMENT.com: Dafür aber nicht messbare?

Seiler: Die Investoren bewerten die Mikrofinanzinstitute derzeit wieder als Emerging-Market-Investment und fordern darum höhere Risikoprämien. Doch die MFIs halten die Credit Spreads niedrig, indem sie ihre Kredite vorzeitig zurückzahlen.

DAS INVESTMENT.com: Und was bedeutet das?

Seiler: Weil die Refinanzierung für die Institute schwieriger wird, vergeben sie weniger Kredite an die Mini-Unternehmer und sind noch strenger bei der Auswahl der Darlehensnehmer. Probleme für die MFIs ergeben sich daraus nicht.

DAS INVESTMENT.com: In der Krise werden die Armen noch Ärmer. Wer seinen Unterhalt als Straßenkoch, Gemüsebauer oder Näher verdient, hat aber doch sowieso schon nicht viel Geld für Zinsen. Steigen jetzt die Ausfallraten?

Seiler: Nein, schließlich werden keine Konsumkredite vergeben, sondern nur Darlehen für die Deckung eines lokal messbaren Bedarfs. Diese Produkte haben eine ganz geringe Nachfrageelastizität. Das sind Basics, die man nicht substituieren kann, Krise hin oder her. Und wie gesagt, jetzt wird sogar noch kritischer geprüft, wer einen Kredit bekommt.

DAS INVESTMENT.com: Sie rechnen also auch in diesem Jahr mit einer Rendite zwischen 5 und 6 Prozent bei minimaler Volatilität?

Seiler: Ja, die Mikrofinanz-Schuldner sind definitiv die Repräsentanten einer neuen Asset Klasse, der Asset Klasse Mensch. Das ist übrigens die einzige Asset Klasse, die sowohl lachen als auch weinen kann.

DAS INVESTMENT.com: Die gute Rendite dürfte Anlegern derzeit die Freudentränen in die Augen treiben. Was macht Sie so sicher, dass die Performance nicht doch noch für Traurigkeit sorgt?

Seiler: Die zugrundeliegenden Parameter ändern sich nicht. Die Mikrofinanzinstitute verlangen von ihren Schuldnern im Schnitt 20 Prozent Zinsen im Jahr. Das ist übrigens günstig: 20 Prozent pro Tag sind bei den heimischen Geldverleihern keine Seltenheit. Wir bekommen von den MFIs rund 9 Prozent, abzüglich unserer Kosten bleiben 5 bis 6 Prozent für unsere Anleger.

DAS INVESTMENT.com: Die Finanzkrise macht sich bei Ihnen also überhaupt nicht bemerkbar?

Seiler: Doch, positiv. Die Finanzkrise ist das Beste, was uns passieren konnte. Die Sehnsucht nach Sicherheit treibt immer mehr Investoren zu uns. Zumal wir neben der stabilen Rendite auch einen sozialen Mehrwert bieten: Die Armutsbekämpfung.




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