Modern Monetary Theory Die Folgen der geldpolitischen Bazooka

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Gesamtwirtschaftlich beurteil lässt sich derzeit feststellen, dass ein rückläufiges Bruttoinlandsprodukt auf Gesamtjahresbasis in zahlreichen Ländern unvermeidlich ist. Die gestiegene Arbeitslosigkeit wird nicht nur temporär verbleiben. Die oben auszugsweise genannten international konsolidiert vorgetragenen Maßnahmen haben die Folgen des wirtschaftlichen Herunterfahrens zwar eingedämmt. Jedoch bleibt die Frage offen, welches die langfristigen Folgen sein werden.

Erschwerend kommt aktuell hinzu, dass der zweite Lockdown für manche Branchen im November 2020 gerade erst begonnen hat. Es erscheint fraglich, ob es damit tatsächlich möglich ist, einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen zu bremsen. Überdies kann noch nicht beurteilt werden, was demgegenüber an weiteren wirtschaftlichen Einbußen zu beklagen ist.

In Folge der Geldmengenausweitungen sind die Maßnahmen der MMT eng verbunden mit der Erwartung steigender Inflationstendenzen. Solange die Wirtschaft die zwischenzeitliche Verringerung jedoch nicht vollständig kompensiert hat, kann Wachstum auch ohne überproportionale Preissteigerungen erfolgen. Auch die Konsumsteigerungen in den Sommermonaten führten nicht zu Inflationsdruck.

Eine endgültige Bewertung der geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen wird schwer sein: Niemand kann folgern, wie tief die Einschnitte ohne ein derartiges Vorgehen gewesen wären. Die zunehmend zu vernehmende Kritik zahlreicher Wirtschaftswissenschaftler bezieht sich derzeit nicht auf die Maßnahmen, welche mit der MMT in Verbindung gebracht werden können, sondern vielmehr grundsätzlich auf die Lockdown-Politik, welche öffentliche Kapital- und Liquiditätsbereitstellungen erst nötig macht.

Für die Notenbanken wurde der Weg heraus aus der aktuellen, historisch einmaligen Nullzinspolitik in den letzten Monaten deutlich verlängert. Problematisch ist weniger die Verschuldung privater Haushalte, welche einen Zinsanstieg nicht kompensieren könnten, sondern vielmehr die Haushaltsverschuldung unzähliger Länder. Sollten die Notenbankzinsen irgendwann in weiter Ferne ansteigen, nimmt der Druck auf deren wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu, und die Tragfähigkeit der Haushalte gerät ins Wanken. Anleger dürfen sich daher sicher sein, dass günstige Finanzierungsbedingungen und die Liquiditätsversorgung der Kapitalmärkte auch zukünftig sichergestellt sind. Diese Rahmenbedingungen sprechen für steigende Aktienkurse. Diese werdn allerdings – aufgrund zahlreicher Unsicherheiten – mit erhöhter Volatilität einhergehen.


Über den Autor:
Andreas Schyra ist Vorstandsmitglied des Essener Vermögensverwalters PVV. Darüber hinaus lehrt er an der Frankfurter FOM Hochschule.



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