Malte Dreher (Herausgeber)Lesedauer: 8 Minuten

Fidelity-Marketing-Chef Alexander Barion „Die Fonds-Branche hat noch einen weiten Weg zu gehen“

Alexander Barion
Alexander Barion, Marketing-Verantwortlicher bei Fidelity | Foto: Fidelity International

DAS INVESTMENT: Es gibt eine Zeit vor Corona und es wird die Post-Covid-Zeit geben. „Es wird nichts mehr so wie es mal war“, richtig?

Alexander Barion: Wenn man sich die Probleme anschaut, die wir politisch, gesellschaftlich und sozial lösen müssen, wäre das wünschenswert. Bildungswesen, Digitale Infrastruktur, Klimawandel, Gesundheitswesen…  die Dinge neu denken, neue Wege gehen, um bekannte Probleme nicht mit alten Methoden lösen zu wollen. Das wäre jetzt eigentlich dran. Ich fürchte nur, hier wird es recht schnell wieder ein Zurück in alte Muster geben.

Ich halte es auch für falsch zu sagen „jetzt lasst uns erst mal die Krise bewältigen, dann kümmern wir uns wieder um alles andere“. Wir müssen sicher Prioritäten setzten. Aber Teil dieser Krise ist es ja gerade, dass wir uns seither eben nicht um diese Dinge gekümmert haben. Und gerade in Krisen muss man Gestaltungsspielräume neu definieren und sie nutzen, um wirklich notwendige Veränderungen anzustoßen.

Im beruflichen Kontext glaube ich, dass wir uns durchaus einiges bewahren werden. Eine deutlich agilere Arbeitswelt zum Beispiel, dynamischere Arbeitszeitmodelle, mehr Flexibilität am Arbeitsplatz, mehr virtuelle Interaktion mit Kunden und eine deutlich höhere Akzeptanz für digitale Angebote.

Fidelity International setzt konsequent darauf digitale Touchpoints mehr und mehr auszubauen und zu vertiefen. Das wird weitergehen. Und das wird unsere Arbeit spannender machen – denn wir haben so noch mehr Möglichkeiten wirklich relevant zu sein für unserer Kunden. Gerade im Marketing.

Was macht ein so starker Bruch mit Menschen?

Barion: Ich bin kein Soziologe oder Psychologe. Dennoch bin ich mir sehr sicher, dass wir noch sehr lange an den Folgen der letzten 20 Monate zu knabbern haben. Gesundheitliche Spätfolgen durch Isolation, wenig Bewegung, wenig Bildung, wenig Impulse und Stimulation von außen – es ist klar, dass das etwas mit einer Gesellschaft macht und zu erhöhten Ausgaben im Gesundheits- und Bildungswesen führen wird. Dies ganz losgelöst von den direkten Kosten für Vakzine und den Corona-Wirtschaftshilfen.

Was war persönlich für Sie der größte Schmerz?

Barion: Es ist schwer vorstellbar, die Politik hätte parteiübergreifend Kinder und Jugendliche so eklatant vernachlässigt in der Krise, wenn alle Bürger dieses Landes wahlberechtigt gewesen wären – unabhängig vom Alter. Schulen wären mit Luftfilter ausgestattet worden, Testkonzepte viel früher eingeführt worden und sportliche Aktivitäten im Freien erlaubt worden. Stattdessen haben wir Jugendliche bis zu fünf  Monate am Stück nicht in die Schule gelassen und ihnen den Kontakt mit Gleichaltrigen untersagt.

Zum gleichen Zeitpunkt haben wir zugesehen, wie man sich munter im Büro getroffen hat und wie unglaublich schwer sich die Politik damit getan hat Homeoffice verpflichtend einzuführen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind komplett aus dem Radar der politisch Verantwortlichen geflogen. Mein größter Schmerz ist die Bestätigung, dass Familienpolitik und Bildung in unserem Land keinerlei Priorität haben. Sehr schade. Und nicht klug.

Hören Sie gern Musik? Gibt es „Ihr“ Lied zu Corona?

Barion: Ich habe keinen speziellen Song. Empfehlen kann ich jedoch alle Titel von Justin Timberlake.

Das beste Buch der vergangenen 18 Monate?

Barion: Eher ein Büchlein: „Jeder Mensch“ von Ferdinand von Schirach. Ein großartiges Manifest für Menschenrechte und die Würde jedes einzelnen im Kontext der Probleme dieser Zeit. Und die Bibel. Großartiges Kompendium vieler Bücher, das mir gerade in schwierigen Zeiten Orientierung bietet.

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