Oliver Rahe

Oliver Rahe

„Die Frage ist nicht, ob Schwellenländer ins Altersvorsorge-Portfolio gehören, sondern zu welchem Teil“

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DAS INVESTMENT.com: Sie wollen jetzt die Versicherungswelt erobern?

Oliver Rahe: Wir sind dort eigentlich schon sehr stark. Wir sind einer der größten Asset Manager für diese institutionellen Kunden und gerade bei großen Versicherungen und Pensionskassen sehr gut vernetzt. Wir verwalten dort zweistellige Milliardenbeträge. Und diese Kontakte wollen wir jetzt nutzen, um auch bei Vermittlern und Privatkunden zu punkten. Das ist strategisch gesehen eine wichtiger Schritt für uns.

DAS INVESTMENT.com: Inwiefern?

Rahe: Wir verstärken derzeit unsere Geschäftsbasis weltweit. Wobei Deutschland der Kernmarkt für Europa ist. Deshalb haben wir in Frankfurt 20 Leute, die sich nur um den Vertrieb unserer Fonds kümmern. Aufgeteilt sind sie auf die drei Gruppen Banken, Privatbanken und Finanzdienstleister. Das Finanzdienstleister-Team allein hat fünf Mitarbeiter in der Region. Der Altersvorsorge-Markt ist wichtig für uns, weil er Stabilität in die Geschäftsbeziehung bringt.

DAS INVESTMETN.com: Welche Themen möchten Sie in der Altersvorsorge gerne spielen?

Rahe: Wir können grundsätzlich die ganze Klaviatur spielen. Wir haben 80 Publikumsfonds, darunter Aktien- und Rentenfonds, alternative Anlagen und Absolute-Return-Produkte. Derzeit legen wir den Fokus aber ganz klar auf die Schwellenländer. Das ist unserer Ansicht nach der größte Investment-Trend der kommenden Jahre. Mitte September haben wir eine repräsentative Studie zu Investments in den Ländern Brasilien, Russland, Indien und China, kurz BRIC, durchgeführt. Die hat gezeigt: Alle reden über die Schwellenländer, aber die wenigsten haben mit ihrem Geld schon einmal ein BRIC-Produkt gekauft.

DAS INVESTMENT.com: Und woran liegt das?

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Rahe: Der Anleger weiß zu wenig darüber. Es ist die Frage, ob das an mangelndem Interesse liegt, an der Angst vor Risiken oder an Beratern, die das Thema gar nicht aufgreifen. Letzteres scheint dabei ein entscheidender Punkt zu sein. Bei Gesprächen mit Marktteilnehmern haben wir erfahren, dass bei vielen Altersvorsorge-Verträgen nicht aktiv mit dem Kunden gearbeitet wird. Deshalb versuchen wir, Berater zu erreichen. Denn wenn der Kunde überall die gleichen Produkte bekommt, wo bleibt dann für ihn der Mehrwert? Das Thema Schwellenländer ist ein langfristiges mit großem Potenzial – gerade für lang laufende Verträge. Die Frage ist nicht, ob Schwellenländer ins Portfolio gehören, sondern zu welchem Teil. Der Kunde wird von einer besseren Performance profitieren und das wiederum fällt auf den Berater als Dienstleister des Kunden zurück. 

DAS INVESTMENT.com: Mit welchen Schwellenländer-Fonds gehen Sie dabei auf die Versicherer zu?

Rahe: Mit unserem BRICs-Portfolio-Fonds, der vorwiegend in Aktien brasilianischer, russischer, indischer und chinesischer Unternehmen investiert. Und dem Global Emerging Markets Debt Portfolio. Schwellenländer-Anleihen sind eine sehr stark wachsende Anlageklasse. Vom Marktwert her haben sie Hochzins-Anleihen bereits überholt. In den Schwellenländern hat es keine Finanzkrise gegeben. Die Menschen dort freuen sich über steigende Einkommen und fangen an, Geld anzulegen. Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährung sind also nicht nur für Europäer interessant, sondern auch für die Ortsansässigen selbst. Wir schätzen, dass diese Anleihen bis 2030 rund 30 Prozent des gesamten Bond-Markts ausmachen werden. Derzeit liegt der Anteil der Schwellenländer-Anleihen bei 11 Prozent. 

DAS INVESTMENT.com: Sie legen sich aber nicht auf das Schwellenländer-Thema fest, oder?

Rahe: Nein. Wenn Versicherer Lücken in ihrer Fondspalette ausmachen, schauen wir, ob wir diese schließen können. Themen, die immer wieder in Gesprächen fallen, sind Ablaufmanagement, Einmalpolicen, Garantien. Wir sind da sehr offen. Obwohl wir uns mit strategischen Partnerschaften, bei denen wir Produkte für Versicherer entwerfen, noch ein wenig Zeit lassen wollen.

DAS INVESTMENT.com: Zu welchen Produktgattungen passen Ihre Fonds denn am besten?

Rahe: Weil Garantien derzeit eine wichtige Rolle spielen zum Beispiel zu Produkten, die über den Versicherungsmantel schon eine Garantie beinhalten oder Modelle mit CPPI-Mechanismen. Aber auch da sind wir offen. Das ist ja oft eine Frage der Philosophie. Manche Versicherer finden CPPI-Modelle toll, andere bevorzugen Variable Annuities. Da wollen wir nicht belehren. Das entscheidet der Versicherer.

DAS INVESTMENT.com: Mit welchen Gesellschaften reden Sie – sind zuerst die Großen dran?

Rahe: Nur aufgrund der Größe eines Anbieters kann man kaum einschätzen, wie erfolgreich die Zusammenarbeit verlaufen wird. Am Ende entscheidet das gemeinsame Engagement.

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