„Die Freihandelszone mit den USA bringt nicht das erhoffte Wachstum“

Martin Hüfner von Assénagon

Martin Hüfner von Assénagon

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Die Nachricht kommt zum richtigen Zeitpunkt. Gerade als sich der deutsch-amerikanische Handel so stark belebt wie schon lange nicht mehr, geben Amerikaner und Europäer bekannt, dass sie ein Freihandelsabkommen anstreben.

Die deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten sind im vergangenen Jahr um 17,7 Prozent gestiegen (Gesamtexporte plus 3,4 Prozent, Exporte nach China plus 2,7 Prozent). Deutsche Unternehmen profitieren ganz offenbar von dem spektakulären Aufschwung in der amerikanischen Industrie seit Mitte 2011. Die USA sind inzwischen wieder unbestrittene Nummer 2 unter den deutschen Exportkunden.

Deutschlands ureigenes Interesse

Könnte eine Öffnung der Grenzen für den Handel zwischen EU und USA dem einen weiteren Schub geben? Vor allem die Deutschen sind von der Perspektive eines Freihandelsabkommens mit den USA angetan. Einmal weil für sie Freihandel natürlich besonders bedeutsam ist. Zum anderen weil für sie eine engere Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten auch politisch wichtig ist.

Die Bereitschaft der Amerikaner, darüber zu verhandeln zeigt, dass sie nicht nur nach Asien schauen. Sie nehmen auch den alten Kontinent wieder ernst. Frankreich ist wegen seines Agrarmarktes etwas zurückhaltender.

Des einen Freud, des anderen Leid

Ich möchte hier ein bisschen Wasser in den Wein gießen. Ich halte die Euphorie hinsichtlich eines Freihandelsabkommens so nicht für gerechtfertigt.

Zunächst grundsätzlich: Freihandelsabkommen sind zwar nach dem Scheitern der Doha-Runde sehr en vogue. Sie haben aber immer den Geruch eines verkappten Protektionismus. Der freie Welthandel beruht auf dem sogenannten Prinzip der Meistbegünstigung. Das bedeutet, dass ein Land alle Erleichterungen, die es einem Handelspartner einräumt, automatisch auch allen anderen gewährt.

Bei Freihandelsabkommen ist genau das nicht der Fall. Hier wird der Handel zwischen den betroffenen Partnern notfalls auch zu Lasten des Handels mit Drittstaaten ausgeweitet. Es kommt nicht nur zu einer (wachstumsfördernden) Handelsausweitung, sondern auch zu einer (wachstumsschädlichen) Handelsumlenkung.

Ich vermute, dass China und Japan, aber auch Kanada und Lateinamerika ein solches Abkommen zwischen den USA und Europa nicht so gerne sehen würden.

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