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Vergabe der FNG-Siegel „Die Greenwashing-Diskussion zeigt, wie wichtig externe Prüfung ist“

Roland Kölsch
Roland Kölsch: Geschäftsführer der Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen (QNG) | Foto: QNG

DAS INVESTMENT: Herr Kölsch, vor Kurzem gab es Vorwürfe gegen die DWS wegen angeblichen Greenwashings. Sie soll ihre Fonds nachhaltiger dargestellt haben, als diese sind, was die DWS zurückweist. Erwarten Sie Folgen für die Akzeptanz von Fonds mit ESG-Ansatz durch die Diskussion?

Roland Kölsch: Es war nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem solchen vermeintlichen Skandal gekommen ist. Das hätte übrigens auch jeden anderen großen Anbieter treffen können. Fast überall scheint es inzwischen eine ESG-Integration zu geben – nach hauseigenen Kriterien und mit unzähligen verschiedenen Ansätzen. Die Diskussion zeigt deshalb vor allem, wie wichtig eine externe Prüfung und ein Label wie das Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlagen, kurz: FNG, ist.

Wie groß ist der Marktanteil nachhaltiger Fonds?

Kölsch: Die Anbieter bezeichnen ein Drittel bis 50 Prozent ihrer Produkte als nachhaltig. Wenn der Anteil der ESG-Fonds tatsächlich so hoch wäre, dann hätten wir wohl nicht so viele Probleme in der Welt. Das FNG geht davon aus, dass in Deutschland rund 6 Prozent der Fonds ernsthaft nach nachhaltigen Kriterien gemanagt werden.


Haben Anbieter, die eine lange ESG-Tradition haben, einen Vorteil gegenüber konventionellen Fondsgesellschaften, die dieses Thema erst entdeckt haben?

Kölsch: Wir erleben, dass einige große Anbieter sich in einem Jahr erstmals mit Produkten ums FNG-Siegel bewerben und von den vier möglichen Stufen nur das Basis-Siegel erreichen beziehungsweise sich auch erstmal nur daraufhin bewerben. Sie verbessern sich dann aber in den folgenden Jahren. Andererseits neigt vielleicht ein Haus mit langer ESG-Tradition dazu, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen und ist noch nicht so willens, bereits jetzt EU-Regulatorik umzusetzen. Und wenn die EU eine neue Welt für nachhaltige Kapitalanlagen kreieren möchte, kann es sein, dass ein Anbieter, der sich frisch damit beschäftigt, besser zurechtkommt, als ein Anbieter, der seit Jahrzehnten meint zu wissen, wie es richtig gemacht wird, und der sich nun umstellen soll.

Viele Privatanleger betonen in Umfragen, wie wichtig ihnen Nachhaltigkeit ist. Tatsächlich haben dann aber nur wenige dieser Anleger auch tatsächlich ESG-Fonds im Depot. Woran liegt das?

Kölsch: Bankenvertreter weisen oft darauf hin, dass die Nachfrage vonseiten der Kunden fehlt. Allerdings werden in der Anlageberatung bestimmte Produkte häufig gezielt verkauft – nach Zertifikaten dürften auch die wenigsten Kunden von sich aus fragen. Hier wird sich aber im August 2022 etwas Entscheidendes ändern: Dann sind die Berater dazu verpflichtet, jeden Kunden nach seiner Nachhaltigkeitspräferenz zu fragen.


Über den Interviewten:
Roland Kölsch ist Geschäftsführer der Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen (QNG), einer Tochter des Fachverbands Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Die QNG ist für die Vergabe der FNG-Siegel verantwortlich. Für die Prüfung der Kriterien ist allerdings die Universität Hamburg zuständig, zudem begleitet ein Fachkomitee den Vergabeprozess der FNG-Siegel.

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