Computer-Produktion im chinesischen Guang: Die Wirtschaft in China erholt sich gerade von der Corona-Krise. Foto: imago images / VCG

Die große Analyse

Wie sich Chinas Wirtschaft nach Corona zurückkämpft

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt war knapp drei Monate lahmgelegt, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, nachdem die ersten Fälle von Covid-19 in Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei, aufgetreten waren. Langsam normalisiert sich das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in China wieder, aber es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die chinesische Wirtschaft vollständig erholt. Weltweit gesehen übersteigt die Zahl der Corona-Infektionen zum aktuellen Zeitpunkt über 7 Millionen bei mehr als 400.000 Todesfällen. In vielen Ländern gelten nach wie vor umfassende Beschränkungen des öffentlichen Lebens, um die schnelle Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Angesichts dieser Maßnahmen sind wirtschaftliche Schäden unvermeidbar.

Portfoliomanagerin Wenchang Ma

Unserer Meinung nach hängt es hauptsächlich von drei Faktoren ab, wie schnell sich ein Land von der Corona-Pandemie erholen kann.

Erstens, die Stärke des Gesundheitssystems und die Demografie des Landes, darunter das Alter und der gesundheitliche Zustand der Bevölkerung vor Ausbruch der Krise. In China waren mehr als 50 Prozent der Corona-Todesopfer über 70 Jahre alt. 1)

Zweitens, effektive Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Krise, einschließlich der Mobilisierung von Ressourcen und der Fähigkeit, Quarantäne- und Abstandsregelungen erfolgreich durchzusetzen.

Und letztlich die Fähigkeit, haushaltspolitisch auf die Krise zu reagieren und andere Maßnahmen einzuleiten, um das Finanzsystem zu stützen und die Konjunkturerholung anzukurbeln.

76 Tage Lockdown in Wuhan

Nachdem der Lockdown in der als erstes betroffenen Provinz eine Woche vor den Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest im Januar verhängt wurde, setzte auch der Rest des Landes Notfallpläne der höchsten Warnstufe um. Während der Feiertage gab es anders als sonst keine Familientreffen, keine Besuche bei den Großeltern, keine Ausflüge zur Chinesischen Mauer und keine Abendessen im Restaurant. Man reagierte schnell auf die Krise: 1,4 Milliarden Menschen blieben knapp zwei Wochen zuhause und gingen nur unbedingt notwendigen Aktivitäten nach.

Abbildung 1: Die Erholung von Covid-19 in Regionen außerhalb von Hubei (vergrößern), Quelle: NHC, CEIC, Morgan Stanley research, ‘1Q data: Bottleneck shifted from supply to demand.’

Die ersten Ergebnisse waren vielversprechend. Die Fallzahlen von Covid-19 außerhalb von Hubei erreichten an Tag 11 des Lockdowns ihren Höhepunkt und sanken dann schnell auf unter 100 Neuerkrankungen pro Tag nach Tag 30 (Abbildung 1). An Tag 35 haben die Provinzen, die fast 50 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) erwirtschaften, die Notfallstufe gesenkt und damit die striktesten Ausgangsbeschränkungen gelockert. Die Produktionsleistung stieg auf 65 Prozent des normalen Niveaus. Zwei Wochen zuvor hatte sie noch 40 Prozent betragen. Am 8. April wurde der Betrieb des ersten Hochgeschwindigkeitszugs in Wuhan (einer Stadt mit zirka 11 Millionen Einwohnern) nach 76 Tagen Lockdown wieder aufgenommen.

Mehr zum Thema
China und SRI„Wir spüren den Wind des Wandels“ Investec-Portfoliomanagerin Wenchang Ma„Chinas politische Entscheidungen tragen langsam Früchte“ Völlig losgelöstNinety One nabelt sich endgültig ab