Ekkehard J. Wiek, Vermögensverwalter und Asien-Fondsmanager, Straits Invest in Singapur

Ekkehard J. Wiek, Vermögensverwalter und Asien-Fondsmanager, Straits Invest in Singapur

Die Handelsbilanz bereitet Sorgen

Seitwärtsbewegung in Asien hält an

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Japans Wirtschaft kommt nicht so in Schwung, wie sich die Regierung Abé und die Notenbank das erhofft hatten. Auch die Handelsbilanz bereitet nach den letzten Zahlen Sorgen. Trotz des schwachen Yen sind die Importe stärker gestiegen als die Exporte und so war es nicht verwunderlich, dass die Bank of Japan (BoJ) in ihrer letzten Sitzung die derzeit lockere Geldpolitik bestätigte. Analysten hatten jedoch schon mit einer Ausweitung der stimulierenden Maßnahmen gerechnet.

Japan weiter angeschlagen

Schon im vorherigen Sitzungsprotokoll hatten sich einige Notenbanker besorgt über die Entwicklung der Exporte und der Investitionen gezeigt. Während der BoJ-Vorsitzende weiter davon ausgeht, dass das Ziel, die Inflation bis 2015 auf 2 Prozent anzuheben, erreicht wird, scheinen nicht alle Vorstandskollegen diese Zuversicht zu teilen.

Auch wenn die Hoffnung auf weitere geldpolitische Impulse jetzt also erst einmal enttäuscht wurde, so könnte sich im Jahresverlauf durchaus noch die Notwendigkeit für die BoJ ergeben, die Zügel noch weiter zu lockern.

Der Nikkei kämpft derweil weiter mit der 200-Tage-Linie. Nachdem sich Anfang April ein leichter Abwärtstrend etabliert hatte, konnte sich der Index Anfang Juni wieder über der Trendlinie festigen. Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben ist aber noch nicht zu erkennen. Nach dem steilen Anstieg im vergangenen Jahr scheint in Japan erst einmal die Luft raus zu sein. Wir erwarten auch für die kommenden sechs Monate keine wesentlichen Impulse.

Chinas Wachstum stärker als erwartet

Beruhigung brachten dagegen die chinesischen Wachstumszahlen für das erste Quartal. Zwar lag die BIP-Entwicklung mit plus 7,4  Prozent unter der Entwicklung von plus 7,7 Prozent im Vorquartal, doch Analysten hatten mit einem noch geringeren Anstieg von plus 7,2 Prozent gerechnet. Die asiatischen Märkte reagierten mehrheitlich mit einem Freudensprung auf die Veröffentlichung der Zahlen.

Für die chinesischen Verbraucher erfreulich gering fiel die Inflationsentwicklung aus. Mit einem Preisanstieg von 2,4 Prozent blieb die Marke deutlich unter der regierungsamtlichen Toleranzgrenze von 3,5 Prozent. Die geringe Teuerungsrate zeigt auf der anderen Seite aber auch, dass die wirtschaftliche Entwicklung nicht mehr so stürmisch ist, wie viele sie gerne sehen würden. Es scheint der Regierung aktuell schwer zu fallen, mit ihren Stimulanzien in größerem Umfang neue Wachstumspotentiale zu erschließen.

Breiter Markt weiter unentschlossen, Singapur und Australien mit Chancen

Die meisten asiatischen Märkte bleiben folglich in einer abwartenden Haltung. Größere Kursbewegungen sind nicht zu erkennen. Selbst die politischen Unruhen in Thailand machen sich im Set kaum bemerkbar, im Gegenteil hat sich hier ungeachtet der jüngsten Ereignisse seit Jahresbeginn ein stabiler Aufwärtstrend entwickelt.

China hat sich weiter stabilisiert, eine grundlegende Trendwende steht aber noch aus. Auch der Hang Seng verharrt in seiner nun schon seit zwölf Monaten anhaltenden Seitwärtsbewegung. Interessant entwickeln sich dagegen die Märkte in Singapur und Australien, die in jüngster Zeit wichtige Widerstandslinien nach oben durchbrechen konnten.

In beiden Märkten gibt es zudem eine große Anzahl von konservativen und niedrig bewerteten Aktien, die in den kommenden Monaten für positive Überraschungen sorgen könnten.

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