Felix Zulauf

Felix Zulauf

Die Hausse endet in einem Jahr

Wie sich Felix Zulauf auf den Abschwung vorbereitet

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Liquidität ist nicht das Problem, meint Felix Zulauf. „Wir werden weiterhin in einer Liquiditätsflut schwimmen“, erklärt der Hedgefondsmanager und Investmentstar in einem Interview, das in der Online-Ausgabe von „Finanz und Wirtschaft“ erschienen ist. Trotzdem wird der Aufschwung seiner Meinung nach nicht zu lange währen. Denn er rechnet mit fundamentalen Problemen, die nicht durch einen Liquiditätsschub bekämpft werden können.

„In jedem Wirtschafts- und Börsenzyklus kommt es zu einem Exzess, der den Zyklus nach oben verstärkt, aber auch im Abschwung verstärkend wirkt“, sagt Zulauf. Er erinnert an Blasen, die sich in „gewissen US- und europäischen Häusermärkten“ bildeten sowie an die Technologieblase um die Jahrtausendwende. Diesmal werden die Exzesse aber aus den Schwellenländern - und hier hauptsächlich aus China - kommen, ist Zulauf überzeugt. „Allein 2011 und 2012 hat das Land mehr Zement konsumiert als die USA im ganzen 20. Jahrhundert. In den letzten fünf oder sechs Jahren wurden so viele Kredite vergeben, wie das US-Bankensystem ausstehend hat“. Die Meinung vieler Investoren, die autokratische chinesische Regierung werde das schon steuern können sei naiv, so Zulauf. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, wann die Marktteilnehmer das begreifen - und es zu einer Korrektur an den chinesischen Aktienmärkten kommen würde.

Europäische Finanzmärkte genießen lediglich eine Schönwetterperiode

Eine weitere Blase sieht Zulauf derzeit in Europa. Europäische Peripherie-Anleihen seien derzeit massiv überbewertet, da „diese Länder derzeit nicht über die wirtschaftliche Basis verfügen, ihre Schulden jemals zurückzuzahlen“. So beträgt Spaniens Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) 95 Prozent, in Italien sind es sogar 140 Prozent. Die Steuerschraube lasse sich nicht weiter anziehen, weil sonst die Wirtschaft in eine Rezession abdriften würde.

„Die Eurokrise ist nicht vorbei“, ist Zulauf überzeugt. Die europäischen Finanzmärkte genießen derzeit lediglich eine Schönwetterperiode, die noch eine Weile anhalten wird - bis es zum Absturz kommt.

In den USA sieht es laut Zulauf nicht besser aus. „Der Anteil Aktien am Finanzvermögen ist auf den gleichen Extremwerten wie Ende 1999 und 2007: Der Privatinvestor ist also involviert wie immer am Ende eines Zyklus“. Deshalb verfüge er nicht mehr über die finanziellen Mittel für den finalen Kurssprung, den viele erwarten. „Darum dürfte dieser Zyklus statt mit einer großen Party eher still und leise auslaufen“.

„Beängstigende Korrektur“ im Spätsommer oder im Herbst 2014

Zulauf geht davon aus, dass der Aufschwung sich noch rund ein Jahr fortsetzen wird, „vielleicht mit einer beängstigenden Korrektur im Spätsommer oder im Herbst dieses Jahres, gefolgt von einer weiteren Erholung, die dann den Glauben festigt, man müsse jederzeit investiert sein“. Der abschließende Absturz könnte aber viel schlimmer ausfallen als man glaubt.

In diesem Marktumfeld warnt Zulauf vor hochverzinslichen Anleihen, die er aufgrund niedriger Risikoprämien als „tiefverzinsliche“ bezeichnet. Stattdessen sollen Anleger Bargeld horten, „um später günstiger zu kaufen“, Gold „um es später teurer zu verkaufen“ und hochwertige Anleihen mit langer Laufzeit.

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