Die Renditen von US-Staatsanleihen sind nach dem jüngsten Bericht zur Inflation in den Vereinigten Staaten deutlich gestiegen. Auch die Kerninflation stieg im März um +0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Angesichts dieser Entwicklungen wird es schwieriger, das Narrativ einer in Richtung Zwei-Prozent-Ziel laufenden Inflation am Leben zu halten. Rückblickend ist es erstaunlich, wie deutlich der Konsens des Marktes zu bevorstehenden Zinssenkungen während der vergangenen Monate schien.

Ungeachtet dessen zeigt die Realität der Daten, dass in naher Zukunft wahrscheinlich keine Zinssenkungen nötig werden. Die finanziellen Bedingungen erscheinen zudem nicht restriktiv, sondern eher stimulierend.

Enger Arbeitsmarkt, explodierende Preise

Ein enger US-Arbeitsmarkt deutet weiterhin auf Risiken einer aufsteigenden Lohnspirale hin. Dazu passt die Beobachtung, dass die Servicestandards in den Vereinigten Staaten sinken. Ironischerweise scheint es normal geworden zu sein, für jede Art Dienstleistung einen Serviceaufschlag in Höhe von 20 Prozent zu verlangen.

Interessant ist auch festzustellen, wie etwa die Uber-Fahrpreise allein in den letzten sechs Monaten gestiegen sind. Um sich ein Auto zu sichern muss man jetzt offenbar für teurere Optionen wie “Uber Black“ zahlen, was früher nie der Fall war. Gleichzeitig scheinen reguläre Taxis mit regulierten Tarifen immer schwerer zu finden.

Womöglich Zinserhöhungen nötig

In Washington spricht man trotz der positiven Wirtschaftsentwicklung davon, dass Powell gerne die Zinsen senken würde, sofern es ihm die Daten erlauben. Sollte das Wirtschaftswachstum nicht merklich nachlassen, scheint eine Sequenz mehrerer Zinssenkungen jedoch unwahrscheinlich. Ebenso könnte es sein, dass wir ein Szenario erleben, in dem Zinserhöhungen nötig werden.

Ähnlich wie in der Zeit zwischen den Jahren 2003 und 2007 könnte die Wirtschaft von robusten Bilanzen auf Verbraucherebene und einer kreditfinanzierten Konsumwelle profitieren. Dies allerdings in einem Maße, das Überhitzungsrisiken birgt.