Sitz der Federal Reserve in Washington Foto: IMAGO / Xinhua

Vermögensverwalter über hohe Schulden

Die Inflation muss zur Rettung her

Aufgrund der Corona-Krise haben die weltweiten Notenbanken Billionen von US-Dollar, Euros, Yen oder anderen Devisen ins System gepumpt, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Die weltweiten Schulden klettern von einem Rekordhoch zum nächsten. Bei dieser ungezügelten Geldmengenerweiterung durch die Notenbanken dürfte klar sein, dass eine weitere (Vermögenspreis-)Inflation nicht lang auf sich warten lässt. Die Zinsen dürften in den nächsten Jahren daher sehr niedrig bleiben oder gar negativ werden.

Wie können die Notenbanken diesen enormen Schuldenberg bewältigen? Mit Inflation!

Die Schuldenblase wächst weiter

Die führenden westlichen Notenbanken haben 2020 frisches Geld in ungeheurem, bisher nicht bekanntem Umfang gedruckt. Somit hat sich die Geldmenge in den Industrieländern seit der letzten Finanzkrise im Jahr 2007 extrem ausgeweitet. Die US-Fed schießt dabei den Vogel ab. Die amerikanische Notenbank hat die Geldmenge seit 2007 etwa verneunfacht. Alleine im Jahr 2020  hat die US-Notenbank jeden fünften US-Dollar in der Geschichte gedruckt (siehe Grafik).

Quelle: fred.stlouisfed.org >> Grafik vergrößern

Dabei ist die US-Notenbank in guter Gesellschaft. Die EZB hat die Geldmenge versiebenfacht, die Bank of Japan vervierfacht. Die Summe aller Kredite Ende 2020 lag bei 281 Billionen US-Dollar. Damit entsprach sie mehr als 355 Prozent des Weltbruttoinlandsprodukts, also der Wertsumme aller während eines Jahres auf der Welt produzierten Waren und Dienstleistungen.

Schulden haben kurzfristig Erfolg

Kurzfristig betrachtet scheint diese Schuldenorgie erfolgreich zu sein. Ohne das massive Eingreifen der Notenbanken wäre die Wirtschaft sowohl nach 2007 als auch 2020/21 deutlich schlimmer abgestürzt. Die Notenbanken scheinen aus der Vergangenheit gelernt zu haben. In der Krise 1929 bis 1932 wurde kein frisches Geld gedruckt und die Zinsen nicht gesenkt.

Dieser Fehler der Geldhüter führte die Welt in eine Deflation, welche in der großen Depression und Massenarbeitslosigkeit mündete. Kurzfristig war die Entscheidung, neue Schulden zu machen, sicherlich richtig. Doch was bedeutet dies langfristig für die Kaufkraft? Frei nach dem Karnevalslied aus dem Jahr 1949: „Wer soll das bezahlen?“

Schuldenschnitt oder Inflation – die Tendenz ist vorgezeichnet

Bei nüchterner Betrachtung wird klar, dass diese Gelddruckorgie langfristig nicht gut gehen wird. Das Geld, egal ob US-Dollar, Euro oder Yen verliert zusehends an Kaufkraft. Doch welche Lösungen sind zukünftig denkbar?

Weiteres Gelddrucken gepaart mit Null- oder Negativzinsen kann sicherlich noch eine Weile gut gehen – siehe Japan. Dort ist die Staatsverschuldung auf mittlerweile mehr als 250 Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt gestiegen. Langfristig kann dieser Turmbau zu Babel jedoch nicht aufrechterhalten werden.

Wenn Anleger keine Zinsen mehr bekommen, werden sie sukzessive in andere Sachwerte wie Immobilien, Edelmetalle und Aktien umschichten. In den vergangenen Jahren haben wir einen ersten Vorgeschmack davon erhalten. Vor allem bei Immobilien dürften Probleme auftreten, wenn die Preise immer weiter anziehen. Die Mieten werden ebenfalls nachziehen, sodass „Wohnen“ in Metropolregionen zum Luxusgut verkommt. Vielerorts dürfte das zu sozialen Spannungen führen.

Wächst die Preisblase bei Aktien oder Immobilien immer weiter an, kommt es eines Tages zu einer Bereinigung. Der Auslöser, also die Nadel, die die Blase zum Platzen bringt, kann ein externer Schock sein. So platzten in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Preisblasen wie die Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende oder die Immobilienblase im Jahr 2007.

Die Geldmenge zurückfahren und die Zinsen Schritt für Schritt wieder anzuheben, dürfte unmöglich sein. Einerseits sind Staaten, Unternehmen und Privatpersonen auf das üppig vorhandene Geld angewiesen, andererseits können die Zinsen nicht erhöht werden, um den Schuldnern nicht das Genick zu brechen.

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