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Gefragter Rohstoff Die Jagd nach dem weißen Gold

Prospektoren im Salar de Uyuni
Prospektoren im Salar de Uyuni: In den Anden Boliviens werden die größten Lithiumvorkommen der Erde vermutet. | Foto: imago images / agefotostock

Besitzer von Elektroautos kennen die Vorzüge ihrer fahrbaren Untersätze: Der Wagen rollt lautlos über den Asphalt. Kein Motorgeknatter, kein lästiges Schalten. Versmogte Stadtluft? Fehlanzeige! Dank moderner Hochleistungsbatterien, die enorme Mengen an Strom speichern, kommen die Stromer ohne dreckige Abgase aus. Zudem ersparen sie ihren Besitzern das Reizklima an Deutschlands Zapfsäulen. Der Ukraine-Krieg treibt die Spritpreise auf Rekordniveau. Für das Herzstück der Klimakarossen – den Akkumulator – müssen je nach Modell bis zu 40 Kilo Lithium verbaut werden. Das gefragte Leichtmetall liegt rund um den Globus verteilt in unterirdischem Gestein oder gelöst als Schlacke in Salzseen.

Derzeit kommt es meist mit großen Schiffsladungen aus Australien und Südamerika. Die Gewinnung aus Salzsee-Solen in Chile, Argentinien und Bolivien steht jedoch im Fokus der öffentlichen Kritik, denn abgebaut wird es teils unter erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt. So muss in der chilenischen Atacama-Wüste das mineralhaltige Grundwasser unter enormem Energieaufwand und mit Unmengen an Wasser an die Oberfläche gepumpt werden. Und das in einer ohnehin schon sehr trockenen Region. Beim Abbau bleiben zudem Reststoffe zurück, die in großen Absetzbecken gesammelt werden. Dammbrüche wie 2019 in einer brasilianischen Eisenerz-Mine zeigen, wie risikobehaftet diese Art der Reststofflagerung sein kann.

Dabei steckt der Markt für Elektromobilität noch in den Kinderschuhen. Der globale Marktanteil liegt bei den Neuzulassungen unter 5 Prozent, Tendenz stark steigend. So soll sich dieser Anteil in den nächsten drei Jahren mehr als verdoppeln. Die Bundesregierung fördert den Absatz von E-Mobilen per Umweltbonus. Die Idee: Wenn die Klimarettung vergünstigt wird, dann ist sie für Endverbraucher erschwinglich und lohnend. „Ich glaube, dass dieser Trend wahrscheinlich der am schnellsten wachsende Megatrend ist, den wir aktuell haben. Er ist nicht mehr wegzudenken, da alle politischen Entscheidungsträger engagiert sind und jede unabhängige Untersuchung bestätigt, dass elektrische Fahrzeuge die umweltfreundlichsten für eine nachhaltige Zukunft sind“, sagt Claes Orn, Branchenexperte und Fondsmanager bei Thematica.

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Begrenztes Angebot trifft auf steigende Nachfrage

Das große Problem: Lithium, oft als weißes Gold bezeichnet, kann gar nicht so schnell abgebaut werden, wie die Nachfrage steigt. Das macht insbesondere Autobauern wie Tesla zu schaffen. Tesla-Chef Elon Musk will nun notfalls selbst in den Lithium-Abbau einsteigen. „Der Abbau und die Verarbeitung des Batteriemetalls gehen zu langsam voran“, klagt er.In der Vergangenheit dümpelten die Preise des Leichtmetalls auf niedrigem Niveau. Hauptgrund war die bisher schleppende Nachfrage.

Zahlen des Datensammlers Statista zufolge wurden im Jahr 2018 rund 95.000 Tonnen Lithium abgebaut, nachgefragt wurden hingegen lediglich 7.500 Tonnen. Viele Produzenten legten daraufhin neue Förderprojekte auf Eis, die Minenbetreiber verringerten ihre Produktionsmengen. Prognosen zufolge kehrt sich dieser Trend nun um. Im Jahr 2040 soll der Bedarf auf 380.000 Tonnen steigen. Die künftige Nachfrage trifft dann vermutlich auf ein knappes Angebot. Das dürfte wiederum die Preise langfristig stützen.

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