Die Kunst der Geduld

Ex-Banker steigt auf Weinanbau um

Mark Driver, der einst Banker in London und Hongkong war, bevor er bei der Gründung von Horseman Capital Management mithalf, lernt in diesen Tagen eher die Kunst der Geduld.

Vor vier Jahren hat er einen Hof im englischen South Downs in Sussex gekauft. Dann baute er Wein an - um später englischen Sekt produzieren zu können. Vielleicht wird er im nächsten Jahr damit beginnen, aber es gibt keine Eile. Im Moment begnügt er sich damit, die Trauben wachsen zu sehen. Sein Ziel ist der Aufbau einer internationalen Marke.

“Das ist kein Vergleich mit der Arbeit in der City”, dem Londoner Finanzbezirk, erklärt der 49-Jährige in einem Interview mit Bloomberg News. An seinem jetzigen Arbeitsplatz hört er Vögel zwitschern - statt Busse, die durch London sausen. “Es ist ein komplett anderes Leben. In der Vergangenheit habe ich vor einem Computerbildschirm gesessen. Heute arbeitet ich mehr an der frischen Luft.”

Beim Anbau auf seinem Rathfinny Estate bekommt er Hilfe von Jonathan Medard. Der Franzose ist bei Chateau Mouton Rothschild, Champagne Louis Roederer, Moet & Chandon und Champagne Boizel in die Schule gegangen.

Ursprünglich plante Driver, Trauben der Sorten Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier anzubauen - neben Riesling. Zuletzt fügte er Pinot Gris und Pinot Blanc hinzu, um den Geschmack seines Sektes abzurunden.

“Die Idee ist, etwas leicht Fruchtigeres zu produzieren, aber nicht mit dem Zuckergehalt von Prosecco”, verrät der ehemalige Banker.

In England und Wales gibt es 432 Weinberge und 124 Kellereien. Das geht aus Angaben der English Wine Producers hervor. Rund 60 Prozent der Produktion seien Sekt, 30 Prozent klassischer Weißwein und 10 Prozent entweder Rot- oder Roséwein. Zu den führenden Produzenten zählt Denbies Wine Estate - die Heimat des größten Weinguts im Vereinigten Königreich.

Vor seinem Engagement bei Horseman, wo er einer der Co-Manager beim Horseman Global Fund war, hatte Driver elf Jahre damit verbracht, die asiatischen Märkte zu beobachten. Er half beim Aufbau der asiatischen Aktien-Abteilung in London bei Donaldson Lufkin & Jenrette. Er arbeitete zudem im Sales-Bereich in Hongkong und London bei Société Générale (Crosby) sowie Merrill Lynch. Losgegangen war seine Karriere im Jahr 1985 bei Fidelity Investment Management.

Seine Zeit bei Rathfinny bezeichnet er als eine “steile Lernkurve”. Er hatte gehofft, schon in 2013 die Produktion aufnehmen zu können. “Jeder sagte mir, dass ich zu optimistisch sei. Und natürlich hatten sie Recht.” Ein kalter Winter und ein später Frühling sorgten für eine so kleine Ausbeute, dass sich die Ernte nicht lohnte, sagt er.

Dieses Jahr sehe hingegen sehr gut ist. Er hofft, zumindest eine Riesling-Ernte einfahren zu können. “Wir hatten einen milden Winter. Es war sehr feucht. Aber das ist kein Problem. Wir befinden uns auf schönen Hängen, die sich selbst entwässern. Und die Trauben sehen stark aus.”

“Zu diesem Zeitpunkt im kommenden Jahr, oder etwas früher, werden wir Sekt abfüllen”, erzählt er. “Der wird dann für zwei Jahre in die Lagerung gehen. Und dann, hoffentlich, in 2017 zur Auslieferung kommen.”

Auf lange Sicht setzt Driver nach eigenen Worten darauf, dass Weine aus der Region Sussex eine so genannte geschützte Ursprungsbezeichnung bekommen. Dabei handelt es sich um eine Klassifizierung der Europäischen Union (EU), mit der alle möglichen Produkte und Lebensmittel - etwa Champagner - vor Nachahmern geschützt werden.

Er wolle dann versuchen, Rathfinny-Sekt unter dem Sussex- Label in Nordamerika und Asien zu verkaufen.

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