Die Leichtigkeit ist weg Warum Aktienanleger nun auf der Hut sein sollten

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Zumindest die Globalisierung dreht sich aber dank einiger Egomanen in Regierungen zurzeit wieder ein bisschen zurück. So verfolgt Michael Beck vom Bankhaus Ellwanger & Geiger, ob Trump tatsächlich einen Handelskrieg mit Europa und China anzettelt. „Die Europäische Union könnte auf US-Stahl- und Aluminium-Importbeschränkungen ihrerseits mit einer Reihe von Zöllen reagieren, die schmerzhaft für die USA wären“, so der Leiter der Vermögensverwaltung. Die Folgen wären steigende Preise auf die bezollten Produkte. Das könne die Inflationsängste dann doch wieder befeuern, so Beck.

Je nachdem, wie sich die Güterpreise entscheiden, entwickeln sich die Anleiherenditen. In den USA und Europa zogen sie bei den längeren Laufzeiten bereits kräftig an (siehe Chart oben). Der direkte Effekt ist, dass langfristiges Geld für Staaten und Unternehmen dadurch teurer wird. Das entzieht dem Wirtschaftskreislauf Geld und lässt im Extremfall auch die von den Zentralbanken verschobene Staatsschuldenkrise wieder ausbrechen. Außerdem sorgen die höheren Renditen dafür, dass Aktionäre wieder Geld zurück in den Anleihemarkt schichten.

Weiteren Druck wird die US-Steuerreform erzeugen. Durch sie müssen die USA rund 1.000 Milliarden Dollar neue Schulden aufnehmen, schätzt Anlageberater Georg Oehm von der Vermögensverwaltung Mellinckrodt. Und mit der US-Notenbank und China hätten zwei bisherige Großkäufer von Anleihen keine große Lust mehr auf noch mehr Material. Also müssen die Renditen steigen, um andere Anleger zu überzeugen.

In Europa deutet inzwischen einiges daraufhin, dass Bundesbank-Chef Jens Weidmann im Herbst 2019 nach dem Italiener Mario Draghi den Vorsitz der Europäischen Zentralbank (EZB) übernimmt. Draghi und höhere Zinsen sind zwei Dinge, die sich ausschließen, bei Weidmann ist man sich da nicht so sicher. Schon jetzt steigen die Renditen, obwohl die EZB noch immer für hohe Summen Anleihen kauft.

Dass der Aktienaufschwung zu Ende ist, glaubt kaum einer ernsthaft. Im Gegenteil: Die Trumpsche Reform werde die Unternehmensgewinne in diesem Jahr noch einmal um 19 Prozent hochpeitschen. Aber dann? Dann hängt vieles vom Dreiergestirn Inflation, Renditen, Staatsschulden ab. Georg Oehm meint: „Die Leichtigkeit ist weg. Alle sind auf der Hut.“

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