„Die Liquidität nimmt ab” Munterer Aktienhandel lässt Europas Banken jubeln

Nach Jahren mit rückläufigem Handel und sinkenden Kommissionen zieht die Aktivität an den Handelstischen in Europa nun wieder an. Investmentbanken, darunter Société Générale SA, UBS Group und Deutsche Bank, haben für das zweite Quartal steigende Erträge im Handel mit Aktien berichtet.

Der Umsatz an den Aktienmärkten hat sich im ersten Halbjahr um 25 Prozent erhöht auf 1,4 Billionen Euro. Das ist der höchste Wert seit mindestens 2009, wie aus Daten der Analysefirma Markit hervorgeht.

“Wir sehen in Europa viel bessere Unternehmensergebnisse, die vom schwachen Euro und einer Konjunkturerholung getrieben werden. Das hat die Anleger zurück in den Markt gezogen”, sagt Manish Singh, Leiter Kapitalanlage bei Crossbridge Capital in London. “Im zweiten Quartal hat Griechenland für Volatilität gesorgt, und das wiederum hat für mehr Handel gesorgt.” Das höhere Handelsvolumen sei auch die Grundlage dafür, bei Finanzwerten auf steigende Kurse zu wetten.

Die beispiellose geldpolitische Lockerung (QE) der Europäischen Zentralbank zur Ankurbelung der Wirtschaft hatte dem Stoxx Europe 600 Index zum besten Jahresstart seit 1998 verholfen. Dann kam die Besorgnis auf, dass Griechenland aus der Währungsunion ausscheidet, und das Börsenbarometer verzeichnete sein schwächstes Quartal in drei Jahren. Nachdem sich Griechenland mit seinen Gläubigern auf weitere Hilfen im Gegenzug für Reformen geeinigt hat, erholten sich die Aktienkurse wieder - bis zuletzt Sorgen, die Konjunkturabschwächung in China könnte sich verschärfen, die Kurse wieder talwärts schickten.

Das Auf und Ab war ein Segen für Broker und Investmentbanken, wie Satnam Sohal, Berater bei Greenwich Associates in London, darlegt. In der laufenden Berichtssaison haben Société Générale, UBS und Deutsche Bank jeweils einen Anstieg der Quartalserträge im Aktienhandel von 30 Prozent oder mehr vorgelegt, und auch bei BNP Paribas und Credit Suisse Group sind die Erträge gestiegen.

„Nach Jahren mit sinkenden Kommissionen, gibt es nun eine recht positive Dynamik für die Branche“, sagt Sohal im Telefoninterview mit Bloomberg. Die Handelskommissionen seien im letzten Jahr laut einer Studie seiner Firma um 23 Prozent gestiegen. Laut Daten von Markit hat sich das Volumen bei börsennotierten Fonds (ETF) fast verdoppelt auf 314 Milliarden. Euro.

Der Anstieg beim ETF-Handel überdecke jedoch fehlende Liquidität in einzelnen europäischen Aktien, da diese Produkte hauptsächlich für den Handel von Indizes oder den größten Aktien verwendet werden, gibt Vermögensverwalter Michael Woischneck von Lampe Asset Management in Düsseldorf zu bedenken.

„Zwar hatte der Handel dieses Jahr einen guten Lauf, doch die Liquidität nimmt ab“, sagt Woischneck. „Unsere Hauptsorge ist die Markttiefe.“ Es gebe bestimmte Aktien, in denen sich die Liquidität konzentriere, während sich die Liquidität im breiteren Markt nicht verbessert habe.

Nach Ansicht von Singh dürfte das Volumen nur schwerlich wieder auf das Niveau von 2007 zurückkehren. Gemessen am Handelsumsatz war die US-Bank Morgan Stanley der führende Aktienbroker in Europa, gefolgt von Bank of America, Instinet LLC, UBS und Credit Suisse. Das geht aus Daten von Markit hervor.

Geldzuflüsse von Seiten der Investoren haben den Anstieg beim Handelsumsatz ebenfalls unterstützt. Die Aktienfonds der Region sammelten dieses Jahr rund 80 Milliarden. Dollar (74 Milliarden. Euro) ein, während Investoren dem US-Aktienmarkt rund 109 Milliarden. Dollar entzogen, wie aus Angaben von Bank of America hervorgeht.

Die Börsenbetreiber in Europa zeichnen ein ähnliches Bild: Euronext NV verzeichnete im zweiten Quartal das höchste Volumen seit 2010, bei der Deutsche Börse nahm der Xetra-Handel um 45 Prozent zu. Auch die London Stock Exchange Group Plc berichtete für das erste Halbjahr höhere Handelsumsätze.

„Wir sehen 2015 eine gute Stimmung für Aktien, unterstützt durch QE, den schwächeren Euro, niedrige Energiepreise und starke Dividendenrenditen bei Standardwerten“, resümiert Lee Hodgkinson, Chef von Euronext London.

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