Eyb & Wallwitz VermögensmanagementLesedauer: 4 Minuten

Die Märkte in der Corona-Krise Ende Mai könnte der Tiefpunkt erreicht sein

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Warum reagieren die Aktienmärkte so extrem?

Betroffen sind vor allem, neben China und seinen Nachbarländern, europäische Exportnationen wie Deutschland. Besser stehen die USA da, wo auch die jüngsten Daten die Hoffnung auf eine Stabilisierung nähren. Tröstlich ist außerdem, dass es von monetärer und fiskalischer Seite Optionen für ein aktives Gegensteuern gibt.

Die Geschwindigkeit, mit der die Aktienmärkte in den vergangenen Tagen und Wochen abgestürzt sind, ist ohne Beispiel. Die wahrscheinlichste Ursache für den immensen Kurseinbruch liegt in der Zwangslage vieler Anleger, die um jeden Preis Liquidität schaffen wollen. Nicht zu vergessen ist, dass viele Investoren, die mit geliehenem Geld spekuliert haben, Schulden begleichen müssen.

Eine gute wirtschaftliche Entwicklung, niedrige Volatilität und positives Momentum haben zuletzt zum Kauf von Aktien eingeladen – offensichtlich haben viele Anleger mit geborgtem Geld investiert. Der Bullenmarkt der vergangenen zwölf Jahre hat allgemein zu Sorglosigkeit geführt.

Hinzu kommt das plötzliche Verschwinden der Liquidität aus großen Teilen der Anleihemärkte – europäische Staatsanleihen sind auf ein Rekordtief gefallen. Der Abschwung vieler Rohstoffpreise führte zusätzlich zu raschen Panikverkäufen.

Gewinner und Verlierer der Coronapandemie

Der Coronaschock wird vorübergehen und die meisten Unternehmen werden ihn überleben. Die Wirtschaft passt sich schnell den veränderten Umständen an und die Forschung wird Medikamente und Impfstoffe entwickeln. Viele Unternehmen sind heute an den Börsen sehr günstig bewertet, wenn sie im nächsten Jahr auch nur annähernd wieder an das Gewinnniveau der Vergangenheit anknüpfen können.

Funktionieren die Geschäftsmodelle der Firmen, in die wir unser Geld investiert haben, auch nach der Coronarezession noch? Viele dieser Unternehmen werden nach der Rezession vermutlich sogar noch besser dastehen als vorher. Beispiele: Amazon wird auch im nächsten Jahr noch erfolgreich E-Commerce und Rechenzentren betreiben, Apple wird weiterhin sehr viele iPhones verkaufen und Fresenius Medical Care wird weiterhin seine Dialysepatienten versorgen. Unternehmen, die Telemedizin-Dienstleistungen anbieten, wie Teladoc und JD.com, werden zu den Gewinnern zählen. Ebenso Anbieter von Cloud-Dienstleistungen für Unternehmen, wie Microsoft und Zendesk, werden erstarkt aus der Krise hervorgehen.

Einige Geschäftsmodelle werden durch die Coronarezession erheblichen Schaden erleiden. Darunter könnten Luftfahrtgesellschaften und Flugzeugbauer sein, denn Geschäftsreisen werden zunächst gestoppt und durch Videokonferenzen ersetzt. Im Zuge des massenhaften Home Office werden immer mehr Firmen realisieren, dass sich viele Meetings ökologischer, billiger und weniger zeitaufwändig über Skype oder Zoom abhalten lassen.

Die Ölindustrie wird sich ebenfalls auf dauerhaft niedrige Preise einstellen müssen und damit auf den Umstand, dass viele ihrer Projekte, etwa in kanadischem Ölsand, nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind.

Was ändert sich mittel- bis langfristig?

Wie bereits angedeutet, dürfte die Digitalisierung durch die Coronakrise neuen Schub bekommen.

Der vielleicht interessanteste Effekt könnte die Vertiefung der Kapitalmarktunion in der Eurozone sein. Denn die italienischen Staatsfinanzen dürften bald an ihre natürliche Grenze gelangen. Für Deutschland und den Norden stellt sich dann die Frage, ob man die Italiener ihrem Schicksal überlässt oder nicht doch Eurobonds einführt.

Man sollte keine gute Krise ungenutzt verstreichen lassen. So könnte das Coronavirus zum Geburtshelfer einer Kapitalmarktunion in Europa werden und damit dem Euro endlich den institutionellen Unterbau verschaffen, den er nötig hat.

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