„Die Märkte werden es mögen“ Was die Investmentbranche zu den Midterm-Wahlen sagt

Wahrscheinlich haben Sie hier ein Bild von Donald Trump erwartet. Wir zeigen aber lieber Nancy Pelosi: Sie leitet die Fraktion der Demokraten und freut sich hier gerade, dass sie das Repräsentantenhaus zurück erobert hat | © Getty Images

Wahrscheinlich haben Sie hier ein Bild von Donald Trump erwartet. Wir zeigen aber lieber Nancy Pelosi: Sie leitet die Fraktion der Demokraten und freut sich hier gerade, dass sie das Repräsentantenhaus zurück erobert hat Foto: Getty Images

US-Strategin Mona Mahajan, Allianz Global Investors

Per Saldo ist der Senat etwas roter geworden (also stärker in Hand der Republikaner), und das Abgeordnetenhaus etwas blauer (stärker in Hand der Demokraten) als erwartet.

Die Märkte werden dieses Ergebnis mögen:

  • Die Wachstums-Agenda des Präsidenten wird wahrscheinlich weiterhin bestehen bleiben: Steuerreform und Deregulierung. Die Chancen für weitere Steuerreform-Maßnahmen und Deregulierung sind jedoch gering.
  • Die Handelsstreitigkeiten des Präsidenten werden weiterhin via Exekutiv-Order fortgesetzt. Zwar dürften aus einem von den Demokraten dominierten Abgeordnetenhaus stärkere Gegenstimmen bei Übertreibungen zu hören sein, ohne Unterstützung beider Kongressparteien wird aber wenig auszurichten sein.
  • Auswirkungen des Wahlergebnisses auf ausgewählte Sektoren:

    Infrastruktur: Beide Parteien hatten angekündigt, dass sie ein Infrastrukturpaket wünschen. Dies wird aber voraussichtlich weniger umfangreich sein als das von den Demokraten vorgeschlagene Paket in Höhe von einer Billion US-Dollar, da die Republikaner zögern werden, einer dafür notwendigen Defiziterhöhung zuzustimmen.

    Medizinische Versorgung: Die Kampagnen vieler Demokraten hoben das Thema Gesundheitswesen/Healthcare hervor. Sowohl Präsident Trump als auch Demokraten möchten die Preise für Medikamente senken. Dies wäre positiv für den privaten Konsum und einen Teil der Wählerschicht Trumps aus der Mittelklasse, jedoch ein Nachteil für die Pharmabranche.

    Staatsausgaben: Unter einem gemischten Kongress sehen wir möglicherweise weniger Verteidigungsausgaben, denn Präsident Trump wird Kompromisse eingehen müssen, um Zustimmung für die geplanten Ausgaben zu erhalten.

Fazit: In einem Gridlock-Szenario ist für 2019 einiges an politischem Stillstand zu erwarten. Einigungsmöglichkeiten bestehen jedoch bei den Themen Infrastruktur und Medikamentenpreise. Für die Finanzmärkte bedeutet dies einen gewissen Abwärtsdruck auf den US-Dollar, wovon wiederum Schwellenländer profitieren können, und tendenziell etwas niedrigere Zinsen als im bisherigen Szenario. Die Aktienmärkte dürften weiterhin vom Fiskalstimulus profitieren und die feste Konjunktur und anhaltend guten Unternehmensergebnisse reflektieren.

John Bailer, Fondsmanager des BNY Mellon US Equity Income bei TBCAM, einer Boutique von BNY Mellon IM

Mit der Rückgewinnung des Repräsentantenhauses durch die Demokraten erwarten wir kurzfristig volatile Märkte, da die Untersuchungsverfahren gegen Präsident Trump und ein mögliches Amtsenthebungsverfahren stärker in den Fokus rücken. Ein Blick auf die verschiedenen Machtverhältnisse zwischen Republikanern und Demokraten seit 1933 zeigt, dass die Konstellation aus einem republikanischen Präsidenten und unterschiedlichen Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses sich überdurchschnittlich gut auf die Entwicklung der Märkte ausgewirkt hat. Seit 1946 lief die Börse in den zwölf Monaten nach den Midterms jedes Mal besser als zuvor. Die Fundamentaldaten der Unternehmen dürften solide bleiben und die Bewertungen der US-Titel sind attraktiv, so dass sich die Aktien von den kurzfristigen politischen Turbulenzen erholen sollten.