„Die Märkte werden es mögen“ Was die Investmentbranche zu den Midterm-Wahlen sagt
Dass US-Präsident Trump in der neuen politischen Konstellation bei vielen seiner Vorhaben leichter einzubremsen ist, dürfte vor allem auch ausländische Investoren freuen. Schließlich plant er die Regulierung der Finanzmärkte zurückzufahren, die Mittel zur Förderung erneuerbarer Energien zu kürzen und die Sozialausgaben zu senken – und das geht vielen Investoren zu weit.
Trotz der positiven Effekte für die Börsen bedeutet der Wahlausgang allerdings nicht, dass dem US-Aktienmarkt noch einmal eine Aufschwungphase bevorsteht. Denn die republikanische Regierung hat ihr Pulver mit Inkrafttreten der Steuerreform bereits weitgehend verschossen. Um das geplante milliardenschwere Infrastrukturprogramm ist es aufgrund des sich abzeichnenden höheren Staatsdefizites inzwischen sehr ruhig geworden. Auch haben die Steuersenkungen nicht den Erfolg gebracht, den man sich erhofft hat. Die US-Investitionen sind kaum angesprungen. Die US-Unternehmen haben es vorgezogen, mit den Steuergeschenken eigene Aktien zurückzukaufen, anstatt Investitionen zu tätigen, die Wachstumsschübe hätten auslösen können. Darüber hinaus dämpft der fortschreitende Prozess der US-Zinsnormalisierung die volkswirtschaftlichen Aktivitäten. Ein schwächeres Wirtschaftswachstum außerhalb der USA trägt ein Übriges dazu bei, dass die Voraussetzungen heute andere sind als unmittelbar nach der US-Präsidentschaftswahl Anfang 2017.
John Vail, Globaler Chefstratege von Nikko Asset Management
Die Demokraten haben bei der Auswahl ihrer Kandidaten für das Repräsentantenhaus einen guten Job gemacht: Viele von ihnen sind Frauen mit militärischem Hintergrund. Das Unterhaus wird fortan von den Demokraten kontrolliert, die Trump das Leben in den nächsten zwei Jahren schwer machen werden. Sie könnten Untersuchungen des Innenausschusses einleiten, die Trumps möglichen Verstrickungen (etwa in der Russland-Affäre) nachgehen und durchaus zu seiner Amtsenthebung führen könnten. Doch Druck dürfte ihm auch aus den eigenen Reihen entgegenschlagen, weil er wahrscheinlich einen deutlich loyaleren Justizminister ernennen wird.
Die Republikaner konnten ihre Mehrheit im Senat um mehrere Sitze ausbauen, was die Bestätigung von Richtern und Regierungsmitgliedern künftig erleichtert und es schwieriger macht, Trumps Vetos außer Kraft zu setzen. Sie macht auch eine Verurteilung Trumps weniger wahrscheinlich, sollte er vom Repräsentantenhaus angeklagt werden.
